Alpha-Fetoprotein

Artikel aktualisiert am 7. Februar 2024

Alpha-Fetoprotein, abgekürzt als AFP, ist ein Laborparameter, der als Marker für Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom, HCC), Hodentumore (Nicht-Seminome) und embryonale Tumore diagnostisch bedeutsam ist. (1)World J Gastroenterol. 2022 Jan 14;28(2):216-229. DOI: 10.3748/wjg.v28.i2.216

→ Zu Tumormarkern siehe hier.

Physiologische Bedeutung



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Alpha-Fetoprotein (AFP) ist ein onkofetales Antigen und ein Tumormarker. Es ist ein dem Albumin in Struktur und Funktion ähnliches Glykoprotein und das Hauptprotein im fetalen Kreislauf (MW 67500 Dalton, codiert auf Chromosom 4). Während des ersten Schwangerschaftsdrittels (Trimenon) wird es vom Dottersack gebildet und geht in das Fruchtwasser und ins mütterliche Blut über. Nach der Rückbildung des Dottersacks in der 11. bis 12. Woche übernimmt die sich entwickelnde fetale Leber die AFP-Bildung.

Alpha-Fetoprotein bindet multiple Stoffe, wie Bilirubin, Fettsäuren und Kupfer und übt damit ähnliche Funktionen aus, wie in späteren Entwicklungsstadien Albumin.

Nach der Geburt sinkt der AFP-Spiegel. Er erreicht nach sechs Lebensmonaten etwa 30 ng/ml im Blut und sinkt weiter auf die für Erwachsene normal niedrigen Werte zwischen 3 und 15 ng/ml, die etwa nach etwa einem dreiviertel Jahr erreicht werden.

AFP geht während der Schwangerschaft in das mütterliche Blut über und wird über den Urin ausgeschieden. Die Urin-AFP-Menge reflektiert in etwa das Stadium der kindlichen Entwicklung.

Indikationen

AFP dient zur Diagnostik und Verlaufskontrolle des hepatozellulären Karzinoms und von Tumoren des Hodens. Getestet wird es meist mit einem ELISA (enzyme liked immuno essay).

Bei einer Leberzirrhose gehört AFP zu den Markern, die bei Vorsorgeuntersuchungen zur Erkennung eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) dienen. (2)Liver Cancer. 2012;1:2–14  (3)Health Technol Assess. 2007 Sep;11(34):1-206. DOI: 10.3310/hta11340

Der Schwellenwert, ab dem AFP als positiv (verdächtig auf einen Leberkrebs) angesehen wird, wird bei Patienten mit Leberzirrhose in Studien oft bei 20 ng/ml angesetzt. Die Sensitivität und Spezifität bezüglich eines HCC-Nachweises  liegt dann bei 41 % bis 65 % bzw. 80 % bis 94 %. (4)Ann Intern Med. 2003;139:46–50 DOI: 10.7326/0003-4819-139-1-200307010-00012 Je größer der Tumor ist, desto höher ist die Spezifität und umgekehrt. (5)Clin Chem Lab Med. 2007;45:1169–1179

Referenzbereich

Der Normbereich liegt bei Kindern über 1 Jahr, Jugendlichen und Erwachsenen bis 10 μg/l (7 IU/ml). (Unterschiedliche Angabe der verschiedenen Labore beachten!)

Erhöhte Werte

Erhöhte Werte finden sich

  • in der Schwangerschaft ab 10. Woche,
  • bei Lebererkrankungen mit starker Regeneration,
    • bei einer Hepatitis mit Leberumbau, (6)Liver. 1986;6:133–137.
    • bei einer Leberzirrhose mit aktivem Umbau, (7)Arab J Gastroenterol. 2012;13:49–53
    • beim hepatozellulären Karzinom (HCC), bei dem die Werte mit zunehmendem Entdifferenzierungsgrad ansteigen können (cholangioläre Karzinome dagegen sind immer AFP-negativ); bei einem HCC auf dem Boden einer Hämochromatose findet sich in nur etwa 50 % der Fälle eine Erhöhung des AFP (8)World J Gastroenterol. 2022 Jan 14;28(2):216-229. doi: 10.3748/wjg.v28.i2.216,
  • bei Keimzelltumoren: (9)Urology. 2021 Nov;157:188-196. doi: 10.1016/j.urology.2021.05.101
    • bei Dottersacktumoren,
    • bei embryonalen Karzinomen, wie den nicht-Seminom-Hodentumoren (wohingegen Seminome, Teratome und Dysgerminome AFP-negativ sind).

AFP in der HCC-Diagnostik

Sensitivität: AFP weist n einer großen Studie bezüglich eines HCC eine nur geringe Sensitivität (54 %) auf. Bei 1158 HCC-Patienten wurden drei AFP-Gruppen unterschieden: normal (20 ng/ml) [46 %], erhöht (21–400 ng/ml) [36 %] und diagnostisch (400 ng/ml) [18 %]. (10)Am J Gastroenterol. 2006 Mar;101(3):524-32 In einer Studie an 18616 Patienten mit testikulären Keimzelltumoren waren nur 8,3 % AFP-positiv. (11)Urology. 2021 Nov;157:188-196. DOI: 10.1016/j.urology.2021.05.101

AFP-L3  (L. culinaris agglutinin A-reactives alpha-Fetoprotein) ist eine Unterfraktion von AFP, welche von Zellen eines HCC produziert wird. Das Verhältnis von AFP-L3 zu Gesamt-AFP von über 10 % weist stark auf ein HCC hin. (12)N Engl J Med. 1993 Jun 24;328(25):1802-6. In einer Untersuchung waren 38 % der HCC-Tumore mit einem Durchmesser von weniger als 20 mm positiv für AFP-L3.  . AFP-L3 ließ ein HCC in 15 % bereits etwa 4,0 Monate vor seinem Nachweis durch bildgebende Verfahren erkennen (Sensitivität von 48 %, Spezifität von 81 %). (13)Cancer Res. 1993 Nov 15;53(22):5419-23

Niedrige Werte

Eine fehlende AFP-Erhöhung schließt weder ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) noch einen Hodentumor aus.

Ein HCC auf dem Boden einer Hämochromatose (eine Eisenspeicherkrankheit) bildet erst sehr spät AFP. Die Tumore sind dann häufig bereits sehr groß. AFP ist damit als Screeningmarker für eine frühe HCC-Erfassung bei der Hämochromatose nicht sehr brauchbar. (14)Digestion. 1977;16(1-2):118-27. doi: 10.1159/000198062

Verweise

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