Polyneuropathie

Polyneuropathie bedeutet Nervenreizung (Neuropathie) mehrerer oder vieler Nerven. Sie führt zu einer mangelhaften Funktion der betroffenen Nerven, meist mit erhöhter Reizbarkeit (Hyperästhesie), Kribbeln (Ameisenlaufen), Schmerzen, taubem Gefühl und/oder muskulärer Schwäche. Betroffen sind in der Regel zuerst die langen Nerven; daher beginnen die Symptome meist an Füßen, Unterschenkeln und Händen. Dominieren diese Lokalisationen wird von einer “peripheren Neuropathie” gesprochen. Aber auch vegetative Nerven können einbezogen und damit innere Organe betroffen sein. So entsteht vielfach eine Symptomatik mit Völlegefühl, Bauchschmerzen oder Herzsymptomen (z. B. Herzrhythmusstörungen). In diesen Fällen handelt es sich um eine “autonome Neuropathie”.


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Ursachen

Die Hauptursachen einer neuropathischen Störung sind

  • die Zuckerkrankheit (diabetische Neuropathie),
  • die paraneoplastische Neuropathie (im Rahmen eines Tumorleidens),
  • medikamentös ausgelöste Neuropathie z. B. durch Chemotherapeutika (Cis-Platin, Vincristin), Metronidazol, einige Antibiotika wie Metronidazol oder Ciprofloxacin 1) 2014 Aug;115(2):185-92. doi: 10.1111/bcpt.12261.
  • toxische Neuropathie z. B. durch Alkohol, Schwermetalle (Arsen, Blei, Silber), chemische Umweltgifte (z. B. Organophosphate), 2) 2015 Aug;35(4):448-57. doi: 10.1055/s-0035-1558977. 3) 2009 Nov-Dec;57(6):697-705. doi: 10.4103/0028-3886.59463
  • Neuropathie bei Stoffwechselkrankheiten (beispielsweise bei der Porphyrie, der Coeliakie oder der Amyloidose),
  • chronisch entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie,
  • Neuropathie aufgrund einer Genmutation (PMP22-Gen: kodiert für das periphere Myelinprotein 22 (PMP22). 4) 2017 May;96(19):e6922. doi: 10.1097/MD.0000000000006922.

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Behandlung

Schmerzmittel und Psychopharmaka: Bei der Chemotherapie-bedingten Neuropathie war eine wirksame Vorbeugung oder Therapie bisher nicht bekannt. Schmerzmittel (wie Tramadol 5)Curr Med Res Opin. 2007 Jan;23(1):147-61. ) reichen meist nicht aus oder haben schwerwiegende Nebenwirkungen. Psychopharmaka oder auch Opioide sollen helfen, die Missempfindungen besser zu tolerieren und die Schmerzschwelle zu heben, sind aber wegen der Nebenwirkungen nur beschränkt anwendbar. 6) 2015 Aug;32(8):611-21. doi: 10.1007/s40266-015-0283-8. 7) 2013 May;31(2):377-403. doi: 10.1016/j.ncl.2013.01.003. 8) 2010 Mar;85(3 Suppl):S3-14. doi: 10.4065/mcp.2009.0649.

Vitamin 1 und Vitamin B12 und Dervate: sie sollen die Axonale Regeneration fördern. Dies ist für ultrahohe Dosen von Vitamin B12 experimentell nachgewiesen. 9) 1994 Apr;122(2):140-3. Ihre Wirksamkeit wird in Einzelveröffentlichungen nachgewiesen. 10) 1994 Apr;122(2):140-3. 11) 2014;53(17):1927-31. Sie gelten als aussichtsreich für die Behandlung, speziell allerdings bei den Neuropathieformen, die mit einem B12-Mangel einher gehen. 12) 2010 Apr;222(2):191-203. doi: 10.1016/j.expneurol.2009.12.017. 13) 2018 Jul;31(3):183-190. doi: 10.3344/kjp.2018.31.3.183. Große Studien fehlen.

Antikonvulsiva: Mittel wie Oxcarbazepin und Carbamazepin scheinen fraglich zu wirken. Für Carbamacepin wurden fraglich günstige Effekte festgestellt, die allerdings auf nur beschränkt aussagekräftigen Studien beruhen sollen. 14) 2014 Apr 10;(4):CD005451. doi: 10.1002/14651858.CD005451.pub3. Für Oxcarbazepin war in einer Zusammenschau bisher vorliegender Studien kein eindeutig günstiger Effekt erkennbar. 15) 2017 Dec 2;12:CD007963. doi: 10.1002/14651858.CD007963.pub3. Pregabalin hat sich bei einigen Formen der (z. B. der postherpetischen Neuralgie) als wirksam erwiesen. 16) 2010 Mar;85(3 Suppl):S3-14. doi: 10.4065/mcp.2009.0649.

Trametinib: Inzwischen ist entdeckt worden, dass MEK-Inhibitoren wie Trametinib die Oxaliplatin-, Paclitaxel-, Vincristin- und Bortezomib-induzierte Neuropathie im Tierversuch unterdrücken. (Dies geschieht über eine Hemmung der extracellulär-regulierten Proteinkinase 1/2 (ERK1/2) ) Eine Übertragung auf den Menschen steht aus 17) 2018 Jul 1;8(7):1239-1248. eCollection 2018.

Alpha-Liponsäure: Bei der diabetischen Neuropathie gilt Alpha-Liponsäure als eine wirksame Option zur Linderung von Missempfindungen. 18) 2014 Dec;15(18):2721-31. doi: 10.1517/14656566.2014.972935.


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Verweise


Literatur   [ + ]

1. 2014 Aug;115(2):185-92. doi: 10.1111/bcpt.12261.
2. 2015 Aug;35(4):448-57. doi: 10.1055/s-0035-1558977.
3. 2009 Nov-Dec;57(6):697-705. doi: 10.4103/0028-3886.59463
4. 2017 May;96(19):e6922. doi: 10.1097/MD.0000000000006922.
5. Curr Med Res Opin. 2007 Jan;23(1):147-61.
6. 2015 Aug;32(8):611-21. doi: 10.1007/s40266-015-0283-8.
7. 2013 May;31(2):377-403. doi: 10.1016/j.ncl.2013.01.003.
8, 16. 2010 Mar;85(3 Suppl):S3-14. doi: 10.4065/mcp.2009.0649.
9, 10. 1994 Apr;122(2):140-3.
11. 2014;53(17):1927-31.
12. 2010 Apr;222(2):191-203. doi: 10.1016/j.expneurol.2009.12.017.
13. 2018 Jul;31(3):183-190. doi: 10.3344/kjp.2018.31.3.183.
14. 2014 Apr 10;(4):CD005451. doi: 10.1002/14651858.CD005451.pub3.
15. 2017 Dec 2;12:CD007963. doi: 10.1002/14651858.CD007963.pub3.
17. 2018 Jul 1;8(7):1239-1248. eCollection 2018.
18. 2014 Dec;15(18):2721-31. doi: 10.1517/14656566.2014.972935.