Metronidazol

Metronidazol (z. B. Clont ®, Flagyl ®) ist ein bakterizides Antibiotikum aus der Gruppe der Nitroimidazole, das vorzugsweise bei anaeroben Bakterien (die in Abwesenheit von Sauerstoff leben können) wirksam ist. Metronidazol wird im Darm praktisch vollständig resorbiert. Im Blut liegt es überwiegend in freier, gelöster Form vor; die Bluteiweißbindung ist gering. Der Abbau erfolgt über die Leber, die Ausscheidung über die Nieren. Die Halbwertszeit im Blut beträgt etwa 7 Stunden.


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Wirkmechanismus

Aus Metronidazol entstehen in sauerstoffarmem Milieu toxische Zwischenprodukte, die zur Zerstörung von Zellbestandteilen der anaeroben Bakterien (antimikrobieller Effekt) und DNA-Strangbrüchen (mutagener Effetkt bei Bakterien, beim Menschen nicht gesichert) führen.

Indikationen

Metronidazol wirkt gegen anaerobe Bakterien und Protozoen (Einzeller wie Trichomonaden, Giardia lamblia, Campylobacter, Helicobacter, Entamoeba histolytica).

Klinische Indikationen für den Einsatz von Metronidazol sind:

  • Helicobacter-Eradikation bei Hp-Gastritis (zusammen mit einem zweiten Antibiotikum und einem Säureblocker),
  • pseudomembranöse Kolitis,
  • bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms,
  • Amöbiasis (Infektion des Darms und der Leber mit Entamoeba histolytica),
  • Lambliasis (Infektion des Darms und der Gallenwege mit Giardia lamblia),
  • Vaginitis (Kolpitis) mit Anaerobiern (z. B. Trichomonas vaginalis, Gardnerella vaginalis),
  • Colitis ulcerosa (antibiotische Begleittherapie einer immunsuppressiven Therapie im akuten Schub),
  • Breitbandantibiose (zusammen z. B. mit Cephalosporinen) bei schweren Infektionen unklarer Art und zur postoperativen Infektionsprophylaxe in besonderen Fällen (z. B. bei Immunsuppression),
  • Rosacea (Rhinophym, Knollennase).

Nebenwirkungen

Metronidazol wird in der Regel gut vertragen. Als Nebenwirkungen treten gelegentlich Durchfälle, Übelkeit, Kopfschmerzen, Störungen des zentralen und peripheren Nervensystems mit Ataxie und Gefühlsstörungen (Parästhesien), Geschmacksstörungen (Dysgeusie) und Juckreiz auf. Selten kommt es zu einer Leukopenie und Thrombopenie.

In der Schwangerschaft ist Metronidazol kontraindiziert.

Verweise


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).