Perikarderguss

Perikarderguss (Herzbeutelerguss, engl.: pericardial effusions) bedeutet vermehrte Flüssigkeit in dem Raum zwischen Perikard (äußere Haut des Herzbeutels) und Epikard (Außenhaut des Herzens). Normalerweise befindet sich hier ein nur spaltförmiger Raum mit einer minimalen Flüssigkeitsmenge, die eine Verschiebung der Blätter der Herzbeutelauskleidung beim Herzschlag ermöglicht. Wenn mehr Perikardflüssigkeit gebildet als resorbiert wird, entsteht ein Perikarderguss; dies kann beispielsweise durch eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis) eintreten. Ein Erguss lässt sich durch Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie) leicht erkennen.


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Folgen des Perikardergusses

Foreward failure: Ein geringer Perikarderguss macht sich nicht bemerkbar. Wird er jedoch größer, kann es das Herz in seiner Füllungsphase (Diastole) einengen, es kommt zu einem verminderten Bluteinstrom und damit auch zu einem verminderten Auswurfvolumen pro Herzschlag. Der Blutdruck sinkt (foreward failure) und das Blut staut sich vor dem rechten Herzen (backward failure) (siehe hier). Um den Blutdruck aufrecht zu erhalten, wird die Herzfrequenz kompensatorisch gesteigert; es einwickelt sich eine Tachykardie mit dünnem („fadenförmigem“) Puls. Bei Zunahme des Herzbeutelergusses kommt es schließlich zu einer Herzbeuteltamponade mit extrem verminderter Ventrikelfüllung. Eine Beschleunigung der Herzfrequenz kann die Verminderung der Auswurfleistung nicht mehr kompensieren; das Herzzeitvolumen sinkt kritisch. Es kommt zum Druckabfall im großen Kreislauf und Kreislaufversagen.

Backward failure: Die zuvor schon einsetzende venöse Stauung betrifft alle inneren Organe, vor allem die Leber, den Darm und die Nieren. Die dadurch bedingten Symptome machen sich bei längerer Laufzeit des Herzbeutelergusses bemerkbar.

  • Eine ausgeprägte rechtskardiale Blutstauung der Leber (Stauungsleber) bewirkt Stoffwechselverändeurngen; so werden die Harnstoffsynthese und Entgiftungsprozesse beeinträchtigt.
  • Eine Blutstauung, die durch die Leber über die Pfortader auf den Darm weitergeleitet wird, führt zu Verdauungs- und Resorptionsstörungen; so werden einige Medikamente nur noch unzureichend und unzuverlässig resorbiert.
  • Eine Blutstauung der Nieren führt zu einer Beeinträchtigung der Nierenleistung und kann in einer Niereninsuffizienz münden. Im Urin finden sich meist Erythrozyten.

Differenzialdiagnose der Ursachen

Ein Perikarderguss findet sich bei vielen Ursachen; die wesentlichsten sind:

  • die Perikarditis (Entzündung von Perikard und Epikard)
  • Einblutung, z. B. durch
    • ein Trauma (z. B. durch Unfall oder iatrogen bei Kathetermanipulation),
    • einen ins Perikard vorwachsenden Tumor,
    • Herzwandruptur nach Herzinfarkt
  • Tumor im Perikard oder Epikard: ein Tumor kann per continuitatem von der Lunge vorwachsen, oder es können sich Metastasen eines Tumors im Herzhbeutel einnisten; der Herzbeutelerguss kann dabei blutig oder serös sein; eine Untersuchung auf Tumorzellen kann die maligne Genese klären.

Diagnostik

Klinische Kriterien

Klinisch lässt sich ein Perikarderguss vermuten, wenn folgende Kriterien zutreffen:

Technische Untersuchungen

Wenn ein Perikarderguss vorliegt, lassen sich bei technischen Untersuchungen folgende Befunde erheben:

  • im EKG eine Niedervoltage,
  • im Röntgenbild des Thorax eine Verbreiterung der Herzkontur (bei starker Ausprägung „Bocksbeutelform“); es fehlen jedoch prominente Hili (keine hiläre Blutstauung),
  • in der Echokardiographie ein mehr oder weniger breiter Flüssigkeitssaum um das Herz (beweisend).
  • In anderen bildgebenden Verfahren (wie CT oder MRT) lässt sich der Perikarderguss ebenfalls beweisen.

Therapie

Wenn eine behandelbare Ursache gefunden werden kann, bestimmt diese das Vorgehen. Bei einer stärkeren kreislaufwirksamen Einschränkung des Schlagvolumens wird eine Herzbeutelpunktion und ein Ablassen der Flüssigkeit erforderlich. Fließt der Erguss nach, wie beispielsweise bei einer diffusen Metastasierung eines Tumors in den Herzbeutel, so kann eine Dauerdrainage über einen Katheter indiziert sein.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).