Glukagonom

Das Glukagonom ist ein seltener Tumor der Glukagon-produzierenden Zellen (Alpha-Zellen der Langerhans’schen Inseln des Pankreas). Er gehört zu den neuroendokrinen Tumoren und ist meist maligne; bei Diagnosestellung ist es vielfach bereits metastasiert. Die Prognose bezüglich Lebensqualität und Langzeitüberleben ist wegen des langsamen Wachstums und wegen neuerer Therapiemöglichkeiten relativ gut.

Häufigkeit

Glukagonome machen etwa 1-2% der Pankreastumore aus.

Inselzelltumore

Glukagonome sind Inselzelltumore, einer Gruppe unterschiedlich endokrin aktiver Tumore, die wahrscheinlich von multipotenten Stammzellen des duktalen Epithels abstammen. Sie sind meist im Pankreasschwanz lokalisiert. Unter den endokrin aktiven Inselzelltumoren dominieren das Insulinom und das Glukagonom. Die meisten sind maligne und bei Diagnosestellung bereits in die Leber und regionale Lymphknoten metastasiert [1]. Seltener finden sich Metastasen im Knochen [2].

Symptomatik

Eine unspezifische Leistungsabnahme ist meist Anlass für die Diagnostik. Im Vordergrund steht eine Hyperglykämie, oft verbunden mit einer nekrotisierenden Dermatitis. Psychische Veränderungen sind nicht selten.

Diagnostik

In seltenen Fällen kann die Kombination von Hypergykämie (bei nicht Übergewichtigen) und eine nekrotisierende Dermatitis auf die Möglichkeit eines Glukagonoms schließen lassen.

Führend ist meist jedoch eine ständige Hyperglykämie verbunden mit einer in bildgebenden Verfahren (z. B. Oberbauchsonographie und Computertomographie) erkennbaren Raumforderung im Pankreas [3]. Der Tumor kann sehr klein, aber auch bereits relativ groß sein; auch können Lymphknotenvergrößerungen im Oberbauch und ggf. auch bereits Lebermetastasen vorliegen.

Der Beweis wird durch Feinnadelbiopsie zytologisch oder – besser – durch Punktion eines größeren Herdes oder eine operativ gewonnene Gewebeprobe histologisch gestellt. Dabei können histochemische Untersuchungen auf die Hormonproduktion schließen lassen.

Die Ausbreitung des Glukagonoms im Körper wird durch eine Octreotid-Szintigraphie erfasst.

Unter den Laborwerten finden sich eine Hyperglykämie und eine deutliche Erniedrigung der Aminosäurekonzentration im Blut. Der Glukagon-Spiegel kann 1000 pg/mL überschreiten, aber auch nahe an der Normgrenze liegen. Es sollten auch andere neuroendokrine Hormone (wie Insulin) getestet werden, da ein Inselzelltumor wie auch andere neuroendokrine Tumore (z. B. ein Gastrinom) mehrere hormonelle Aktivitäten aufweisen kann.

Therapie

Ziel der Therapie ist 1. eine Tumorentfernung oder -verkleinerung, und 2. eine Symptomkontrolle.

Octreotid ist ein Somatostatin-Analog, welches die Hormonproduktion neuroendokriner Tumore hocheffektiv unterdrückt und auch beim Glukagonom erfolgreich verwendet wird [4]. Tumore, die kein oder nur gering Hormon produzieren, profitieren von Octreotid nicht, da es keine Antitumorwirkung entfaltet. Eine Alternative stellt Interferon-alpha dar, welches bei etwa 50% der Betroffenen wirkt [5].

Herkömmliche Zytostatika haben erhebliche Nebenwirkungen und eine nur marginale Wirkung. Neue Entwicklungen lassen Sunitinib, Bevacizumab und Everolimus aussichtsreicher erscheinen.

Prognose

Glukagomome wachsen meist langsam. Durch die heute oft aggressive Therapie werden Langzeiterfolge erzielt.

Verweise

Literatur

  1. ? Eur J Surg Oncol. 2008 Mar; 34(3):324-32.
  2. ? World J Gastrointest Oncol. 2012 Jun 15;4(6):152-5
  3. ? Curr Opin Oncol. 2005 Jul; 17(4):386-91.
  4. ? Curr Opin Oncol. 2006 Jan; 18(1):23-9
  5. ? Hepatogastroenterology. 2007 Jan-Feb; 54(73):278-84