Endokarditis-Prophylaxe

Endokarditis-Prophylaxe heißt Vorbeugung einer Entzündung der Herzinnenhaut, speziell von Herzklappen durch bakterielle Absiedlung in der Folge eines diagnostischen oder therapeutischen Eingriffs.

Bedeutung

Ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Endokarditis besteht bei

  • künstlicher Herzklappen (Klappenprothese),
  • kongenitaler rheumatischer Herzerkrankung,
  • vorausgegangener Endokarditis,
  • idiopathischer hypertropher Subaortenstenose (IHSS),
  • Mitraklappenprolaps mit holosystolischem Geräusch.

Früher galt die Forderung nach einer Endokarditisprophylaxe bei Patienten mit Herzklappenfehlern, die einem endoskopischen, genitourethralen oder dentalen Eingriff unterzogen werden sollten. Eine Reevaluation des Risikos nach Lage der Literatur ergab, dass nur eine extrem kleine Gruppe von einer Antibiotikaprophylaxe profitieren würde, und dass sie vor einem endoskopischen oder genitourethralen Eingriff nicht empfohlen werden muss und bei dentalen eingriffen nur bei höchstem Endokarditisrisiko [1].

Kritik

Allerdings wird in kritischen Veröffentlichungen betont, dass die Änderungen der Empfehlung nicht auf neuen Daten beruhten, sondern auf einer geänderten “Philosophie”. Damit erscheinen sie, solange keine Begründungen nach Prinzipien der Evidenz-basierten Medizin vorliegen, Gegenstand auch ethischer Überlegungen werden zu müssen [2]. In einer Arbeit wird betont: “(The) revised guidelines may fail to respect the ethical principles of beneficence and patient autonomy.” Bezug wird auf die Empfehlungen der American Heart Association 2007 genommen) [3] genommen. Am besten sei es, zusammen mit dem Patienten zu einer individuellen Entscheidungsfindung zu kommen.

Europäischer Standpunkt

Die European Society of Cardiology (ESC) betont in ihren Leitlinien (Guidelines [4]), dass die infektiöse Endokarditis sehr dramatisch verläuft und in etwa 50% zum Tode führt. Besonders gefährdet sind Patienten mit Klappenprothesen, vorangegangener Endokarditis und angeborenen Herzfehlern. Der häufigste Keim bei erworbener Endokarditis, so auch im Rahmen intravenöser Applikation von Drogen, ist Staphylococcus aureus. Eine Antibiotikaprophylaxe sei nie durch randomisierte kontrollierte Studien belegt worden. Die Empfehlungen gehen unter Berücksichtigung dieser Tatsachen dahin, nicht auf Antibiotikaprophylaxe, dagegen aber auf enge Überwachung durch Echokardiographie und frühzeitige Operation zu setzen (zusammengefasst in [5]).

Verweise

Referenzen

  1. ? Circulation. 2007 Oct 9;116(15):1736-54
  2. ? Methodist Debakey Cardiovasc J. 2010 Nov-2011 Jan;6(4):48-52
  3. ? J Am Coll Cardiol. 2009 May 19;53(20):1852-4
  4. ? Eur Heart J. 2009 Oct;30(19):2369-413
  5. ? Pol Arch Med Wewn. 2009 Dec;119(12):773-6