Adalimumab

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Adalimumab (z. B. Humira®) ist ein humaner monoklonaler Antikörper gegen den Botenstoff TNF-alpha; er gehört zu den „disease-modifying antirheumatic drugs“ (DMARDs). Er wird subkutan injiziert und bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis oder dem Morbus Crohn eingesetzt. Infliximab dagegen ist ein polyklonaler Anti-TNF-alpha-Antikörper, der infundiert wird.

Das Wichtigste

Kurzgefasst
Adalimumab ist ein Medikament, welches – ähnlich wie Infliximab – die Behandlungsmöglichkeiten schwerer chronisch entzündlicher Erkrankungen, wie einer chronisch entzündlichen Darmkrankheit und einer rheumatoiden Arthritis, entscheidend erweitert. Adalimumab wirkt als künstlicher Antikörper gegen den zentralen Entzündungsvermittler im Körper TNF-alpha.

Nebenwirkungen sind nicht häufig, aber immer zu berücksichtigen. Es erhöht das Risiko einer Infektion, speziell das einer Reaktivierung einer Tuberkulose. Gelegentlich kann es eine Überempfindlichkeitsreaktion auslösen.

Wirkmechanismus

Adalimumab blockiert den TNF-Signalweg. Dadurch werden MMP-1 und MMP-3 herunterreguliert und die Reifung und Aktivierung von Osteoklasten gehemmt.

Indikationen

Chronische Entzündungsprozesse, die durch einen hohen Spiegel an Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha) unterhalten werden. Dazu gehören

  • rheumatoide Arthritis,
  • nicht-infektiöse Uveitis (Augenentzündung) 1)Adv Clin Exp Med. 2020 Oct;29(10):1231-1236. DOI: 10.17219/acem/125431. PMID: 33125196.
    • im Rahmen einer juvenilen idiopathischen Arthritis 2) 2011;5:1425-9. doi: 10.2147/OPTH.S23646. und
    • eine nicht-infektiösen Uveitis 3) 2018 Jul 4;12:2005-2016. doi: 10.2147/DDDT.S160431.
  • Psoriasis 4) 2018 Jul 4;12:2005-2016. doi: 10.2147/DDDT.S160431. und Psorias-Arthritis,
  • Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) und
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie der Morbus Crohn, Therapie und Aufrechterhaltung einer Remission 5) 2019 Feb 8. doi: 10.1093/ibd/izz008.
  • Hidradenitis suppurativa (Entzündung der Haarfollikel ungeklärter Genese, Sonderform der Akne): Adalimumab führte in einer Studie zu einer signifikanten Besserung (nach 16 Woche Besserung bei 41,8% vs. 26% unter herkömmlicher Therapie). 6)N Engl J Med. 2016 Aug 4;375(5):422-34. DOI: 10.1056/NEJMoa1504370. PMID: 27518661.

Komplikationen und Nebenwirkungen

Es kann unter der immunsuppressiven Wirkung von Adalimumab selten zu adversen Reaktionen und Komplikationen kommen. Zu ihnen gehören:

Vorbedingungen

Vorbedingungen für die Anwendung von Anti-TNF-alpha-Antikörpern ist der weitestmögliche Ausschluss einer verborgenen Infektion mit einem Erreger, der exazerbieren und zu einer schweren aperten Infektion kann. Dazu gehören Tuberkulose (Intracutantest), Hepatitis B (HBSAg, ggf. HBV-DNA), bei Immungeschwächten auch opportunistische Infektionen mit Pneumocystis carinii, Listeriose, disseminierte Histoplasmose und Aspergillose. Unter Anti-TNF-alpha ist eine Überwachung bezüglich einer solchen Infektion erforderlich.

Cave: unter Immunsuppression keine Impfungen mit Lebendimpfstoffen!

Vorsichtsmaßnahmen

Die Vorbedingungen für eine Therapie und die Überwachungsmaßnahmen sind prinzipiell dieselben, wie für Infliximab beschrieben. Cave: opportunistische Infektionen, Tuberkulose bzw. deren Reaktivierung.

Erfahrungen

Inzwischen wurden eine Reihe weiterer TNF-alpha-Hemmer entwickelt, wie Certolizumab pegol und Golimumab. Antikörper gegen Interleukin-17, wie Secukinumab und Bimekizumab, scheinen bei ähnlichen Indikationen wie Adalimumab wirksam zu sein. Um eine individuaisierte Behandlung durchführen zu können sind weitere Studien erforderlich. 7)Front Immunol. 2021 Dec 23;12:755844. DOI: 10.3389/fimmu.2021.755844

Nur etwa 40 % der Patienten mit rheumatoider Arthritis  zeigten ein ACR50-Ansprechen nach einer Adalimumab-Monotherapie. Die Kombination mit Methotrexat jedoch war einer Monotherapie der Einzelsubstanzen deutlich überlegen.  8)Arthritis Rheum. 2006 Jan;54(1):26-37. doi: 10.1002/art.21519.

Im Vergleich mit Secukinumab, einem monoklonalen Antikörper gegen Interleukin-17A, wurde in einer Studie festgestellt, dass es bei der Behandlung einer Psoriasisarthritis bezüglich ACR20-Response zu Woche 52 ähnlich gut abschneidet (62% vs. 67%). In beiden Gruppen gab es sehr wenige schwere Infektionen als Komplikation (1% vs. 2%). 9)Lancet. 2020 May 9;395(10235):1496-1505. DOI: 10.1016/S0140-6736(20)30564-X.

Gegenüber Bimekizumab, einem weiteren Antikörper gegen Interleukin-17A, war es geringfügig unterlegen, wies aber weniger schwerwiegende Nebenwirkungen (Candidiasis, Diarrhoe) auf. 10)N Engl J Med. 2021 Jul 8;385(2):130-141. DOI: 10.1056/NEJMoa2102388.


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Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 Adv Clin Exp Med. 2020 Oct;29(10):1231-1236. DOI: 10.17219/acem/125431. PMID: 33125196.
2 2011;5:1425-9. doi: 10.2147/OPTH.S23646.
3, 4 2018 Jul 4;12:2005-2016. doi: 10.2147/DDDT.S160431.
5 2019 Feb 8. doi: 10.1093/ibd/izz008.
6 N Engl J Med. 2016 Aug 4;375(5):422-34. DOI: 10.1056/NEJMoa1504370. PMID: 27518661.
7 Front Immunol. 2021 Dec 23;12:755844. DOI: 10.3389/fimmu.2021.755844
8 Arthritis Rheum. 2006 Jan;54(1):26-37. doi: 10.1002/art.21519.
9 Lancet. 2020 May 9;395(10235):1496-1505. DOI: 10.1016/S0140-6736(20)30564-X.
10 N Engl J Med. 2021 Jul 8;385(2):130-141. DOI: 10.1056/NEJMoa2102388.