Ulcus duodeni

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Das Ulcus duodeni (Duodenalulkus, Zwölffingerdarmgeschwür) ist ein Geschwür in der Schleimhaut des Zwölffingerdarms. In der Regel liegt es im Bulbus duodeni, dem obersten Teil, der sich direkt an den Magen anschließt. Es gehört zu den peptischen Geschwüren. Nur in einem Teil der Fälle verursacht es Beschwerden; das erste Symptom kann eine Blutung sein. Die Diagnose wird mit Hilfe einer Spiegelung (endoskopisch) gestellt. Symptomlose Geschwüre werden meist nicht diagnostiziert und nur zufällig entdeckt.

Zu den Prinzipien der Entstehung siehe hier.

Blutung aus einem Ulcus duodeni

Blutendes Duodenalulkus. Der unter dem Koagel liegende Gefäßstumpf wurde endoskopisch durch zwei Metallclips sicher verschlossen.

Bei der Spiegelung (Gastroduodenoskopie) wird unterschieden, ob es sich um ein Vorderwand- oder Hinterwandulkus handelt. Ein Geschwür, das in der Bulbushinterwand lokalisiert ist, kann wegen seiner Nähe zur Arteria gastroduodenalis zu lebensbedrohlichen Blutungen führen. Patienten mit einer oberen gastrointestinalen Blutung, bei denen in der Notfallendoskopie solch ein Geschwür entdeckt wird, sollten auf einer Intensivstation am Monitor überwacht werden, da jederzeit eine neuerliche große Blutung auftreten kann; das Risiko ist in der ersten 3 Tagen deutlich erhöht. Wenn es sich um ein unter der Endoskopie weiter blutendes Hinterwandulkus handelt, sollte eine katheterbasierte Embolisierung durchgeführt werden. Die Rolle des Chirurgen, der früher übernehmen musste, reduziert sich durch die neuen Techniken. 1)World J Gastroenterol. 2013 Feb 21;19(7):1150-1. DOI: 10.3748/wjg.v19.i7.1150. PMID: 23467545; … Continue reading Das gilt selbst für komplexe Fälle und große Blutungen 2)Acta Gastroenterol Belg. 2019 Apr-Jun;82(2):340. PMID: 31314204. 3)World J Clin Cases. 2018 Dec 6;6(15):1012-1017. DOI: 10.12998/wjcc.v6.i15.1012. PMID: 30568956; … Continue reading und Blutungen bei Neugeborenen. 4)J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2005 Aug;41(2):244-6. DOI: 10.1097/01.mpg.0000173602.39271.ff. … Continue reading Eine Operation kommt jedoch bei einer erneuten Blutung in Betracht. 5)World J Surg. 2014 Sep;38(9):2258-66. DOI: 10.1007/s00268-014-2570-7. PMID: 24728537. Es gibt Hinweise darauf, dass eine Blutung aus einem Duodenalulkus bei Helicobacter-positiven Magenschleimhautproben günstiger verläuft als bei negativen; dies scheint mit einem höheren Gebrauch von NSAID in der negativen Gruppe zusammenzuhängen. 6)Dig Liver Dis. 2004 Jan;36(1):13-20. DOI: 10.1016/j.dld.2003.09.017. PMID: 14971811.

Rolle von Helicobacter pylori

Das Duodenalulkus ist in den meisten Fällen (vielfach werden Angaben um 90% gemacht) mit der Besiedlung des Magens mit Helicobacter pylori (H.p.) assoziiert. 7)Aliment Pharmacol Ther. 2009 Oct 15;30(8):791-815. doi: 10.1111/j.1365-2036.2009.04105.x. Epub 2008 … Continue readingH.p. verursacht Zwölffingerdarmgeschwüre durch eine additive Wirkung einer erhöhter Säuresekretion, einer daraus resultierenden Magenmetaplasie im Zwölffingerdarm (wo sich H. pylori ebenfalls ansiedelt) sowie einer Schleimhautentzündung mit verminderter Bicarbonatsekretion im Zwölffingerdarm. 8)Ann N Y Acad Sci. 1998 Nov 17;859:96-111. DOI: 10.1111/j.1749-6632.1998.tb11114.x. PMID: 9928373. Eine Eradikation von H.p. gilt daher als therapeutisch hoch wirksam. 9)Clin Ther. 1993;15 Suppl B:37-48. PMID: 8205594.

Bei H.p.-Negativität sind andere Ursachen zu berücksichtigen, so vor allem die Einnahme von nichtsteroidalen antientzündliche Medikamente (NSAID), nichtsteroidale Antirheumatika und ASS sowie Rauchen. Wenn anamnestisch diese Ursachen wegfallen, wird häufig auch ohne direkten Helicobacter-Nachweis eine Hp-Eradikation durchgeführt. Ansonsten gilt es, den Hp-Nachweis in der Antrumbiopsie abzuwarten.

Rolle der Magensäure

Eine starke Magensäureproduktion ist mit einer Bildung von gastrischen Metaplasien im Duodenum assoziiert. Diese sind in hohem Maße mit Helicobacter pylori besiedelt. 10)J Clin Gastroenterol. 1998 Jan;26(1):74-80. DOI: 10.1097/00004836-199801000-00020. PMID: 9492870. Die gastrische Metaplasie gilt neben einer H.p.-Besiedlung bei Kindern als starker Risikofaktor für ein Duodenalulkus. 11)Gut. 1996 Apr;38(4):513-7. doi: 10.1136/gut.38.4.513. PMID: 8707079; PMCID: PMC1383106.

Patienten, die wegen eines Duodenalulkus operiert worden waren und Rezidivblutungen erlitten, blieben in einer Beobachtungsstudie unter dem Säureblocker Omeprazol blutungsfrei. 12)World J Gastroenterol. 2006 Feb 7;12(5):791-5. DOI: 10.3748/wjg.v12.i5.791. PMID: 16521197; … Continue reading

Ulcus duodeni beim Zollinger-Ellison-Syndrom

Das Zollinger-Ellison-Syndrom ist durch ein Gastrinom bedingt und hegt mit einer erhebliche Hypersekretion sauren Magensafts einher. An dieses Syndrom sollte gedacht werden, wenn multiple und große Ulcera und vor allem auch Ulcera auftreten, die noch hinter dem Bulbus duodeni im mittleren und unteren Duodenum auftreten. Duodenalulzera beim Z.E.-Syndrom sind oft therapieresistent. 13)Aliment Pharmacol Ther. 1994 Feb;8(1):87-93. DOI: 10.1111/j.1365-2036.1994.tb00164.x. PMID: … Continue reading Eine medikamentöse Unterdrückung der Säureproduktion kann in Anfangsstadien das Ulkusgeschehen beherrschen; in Frage kommen beispielsweise die Protonenpumpenhemmer Omeprazol und Esomeprazol. 14)Drugs. 1986 Jul;32(1):15-47. DOI: 10.2165/00003495-198632010-00002. Erratum in: Drugs 1986 … Continue reading Ansonsten kann eine Heilung durch operative Entfernung des zugrunde liegenden Gastrinoms erzielt werden. Dazu siehe hier.

Mehr zum Ulkusleiden siehe hier.


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Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 

 


Literatur

Literatur
1 World J Gastroenterol. 2013 Feb 21;19(7):1150-1. DOI: 10.3748/wjg.v19.i7.1150. PMID: 23467545; PMCID: PMC3582007.
2 Acta Gastroenterol Belg. 2019 Apr-Jun;82(2):340. PMID: 31314204.
3 World J Clin Cases. 2018 Dec 6;6(15):1012-1017. DOI: 10.12998/wjcc.v6.i15.1012. PMID: 30568956; PMCID: PMC6288507.
4 J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2005 Aug;41(2):244-6. DOI: 10.1097/01.mpg.0000173602.39271.ff. PMID: 16056107.
5 World J Surg. 2014 Sep;38(9):2258-66. DOI: 10.1007/s00268-014-2570-7. PMID: 24728537.
6 Dig Liver Dis. 2004 Jan;36(1):13-20. DOI: 10.1016/j.dld.2003.09.017. PMID: 14971811.
7 Aliment Pharmacol Ther. 2009 Oct 15;30(8):791-815. doi: 10.1111/j.1365-2036.2009.04105.x. Epub 2008 Jul 23. PMID: 19706147.
8 Ann N Y Acad Sci. 1998 Nov 17;859:96-111. DOI: 10.1111/j.1749-6632.1998.tb11114.x. PMID: 9928373.
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12 World J Gastroenterol. 2006 Feb 7;12(5):791-5. DOI: 10.3748/wjg.v12.i5.791. PMID: 16521197; PMCID: PMC4066134.
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14 Drugs. 1986 Jul;32(1):15-47. DOI: 10.2165/00003495-198632010-00002. Erratum in: Drugs 1986 Nov;32(5):preceding 383. PMID: 3527658.