Procalcitonin

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Procalcitonin (PCT) ist die Vorstufe von Calcitonin, einem Hormon der C-Zellen der Schilddrüse, das den Kalziumstoffwechsel beeinflusst. Es dient als Entzündungsmarker zur Differenzierung und Verlaufskontrolle von Infektionen, speziell der Sepsis. Die Bildung von Procalcitonin wird durch bakterielle Endotoxine und die entzündungsfördernden Zytokine IL-1ß, IL-6 und TNF angeregt. Durch Interferon-γ, welches eine Virusinfektion bekämpft, wird es unterdrückt. (1)Anti Infect Ther. 2010;8:575–587.

Entzündungsmediatoren


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Diagnostische Bedeutung

Procalcitonin ist die Vorlstufe des Hormons Calcitonin und wird in der Schilddrüse produziert. Es reagiert rasch auf eine bakterielle Infektion und wird in diesem Fall nicht nur in der Schilddrüse, sondern in vielen Organen im Körper gebildet. (2) J Clin Endocrinol Metab 89:1512–1525. doi: 10.1210/jc.2002-021444 Es  gehört zu den diagnostischen Entzündungsparametern, die besonders auf Intensivstationen Bedeutung erlangt haben. Die Halbwertszeit beträgt etwa 1 Tag, so dass es sich zu einer kurzfristigen Verlaufskontrolle bakterieller Infektionen eignet.

Procalcitonin erlaubt die Differenzierung einer bakteriellen von einer viralen Infektion oder einer SIRS (Systemisches Inflammatorisches Response-Syndrom) ohne Infektion. Dies ist hilfreich, da die Leukozytenzahl in dieser Beziehung nicht immer verwertbar ist und andere Entzündungsparameter solch eine Differenzierung nicht zulassen.

Die diagnostische Bedeutung von Procalcitonin liegt in der

  • Frühdiagnose einer beginnenden Sepsis, sowie bei ihrer Verlaufskontrolle und zur Abschätzung der Prognose.
  • Erkennung einer bakteriellen Infektion bei Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen), z. B. im Rahmen einer Chemotherapie.

Referenzwerte

  • Grenze 0,5 µg/l,
  • Grenzbereich 0,5-2 µg/l,
  • erhöht >2 µg/l.

(Normwerte der einzelnen Labore beachten.)

Erhöhte Werte

Erhöhte Werte finden sich bei Infektionen

  • durch Bakterien,
  • durch Parasiten,
  • durch Pilze.

Procalcitonin kann als Entzündungsmarker selbst dann auf eine bakterielle Infektion hinweisen, wenn die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) nicht ansteigen. Denn es wird auch bei Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) und unter einer Chemotherapie maligner Tumore gebildet.

Procalcitonin reagiert auf eine bakterielle Infektion innerhalb weniger Stunden und eignet sich für kurzfristige Verlaufskontrollen einer Sepsis (Blutvergiftung durch Bakterien) auf Intensivstationen. Die Höhe des Procalcitonin-Spiegels gibt einen Hinweis auf die Schwere der Infektion; er ist bei einer Sepsis besonders hoch. (3)Crit Care Med. 2018 May;46(5):691-698. DOI: 10.1097/CCM.0000000000002928

Fehlende Erhöhung

Procalcitonin reagiert nicht mit einer Erhöhung bei

  • Virusinfektionen und
  • Autoimmunkrankheiten (Krankheiten, bei denen sich der Körper durch sein eigenes Immunsystem angreift).

Differenzialdiagnostische Überlegungen

  • Fehlt eine Leukozytose und ist Procalcitonin nicht oder kaum erhöht, so weist dies auf eine Virusinfektion oder eine Autoimmunkrankheit hin.
  • Fehlt eine Leukozytose und ist Procalcitonin deutlich erhöht, so weist dies auf eine Infektion unter Immunsuppression oder Chemotherapie hin; auch muss eine generalisierte Pilzinfektion, die nicht immer mit einer Leukozytose einhergeht, bedacht werden.
  • Besteht eine Leukozytose und fehlt ein deutlicher Procalcitoninanstieg, so sollte ein Differenzialblutbild zur weiteren Abklärung (z. B. einer Leukämie) erfolgen.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 

Literatur

Literatur
1 Anti Infect Ther. 2010;8:575–587.
2 J Clin Endocrinol Metab 89:1512–1525. doi: 10.1210/jc.2002-021444
3 Crit Care Med. 2018 May;46(5):691-698. DOI: 10.1097/CCM.0000000000002928