Husten Schnupfen Heiserkeit – die ganz banale Erkältung

Die banale Erkältung (common cold) ist eine Virusifektion der oberen Luftwege, die sich meist rasch endemisch oder epidemisch in der Bevölkerung ausbreitet. Sie ist eine der häufigsten Ursachen einer “Krankschreibung” und von Arztbesuchen. Vielfach wird Hilfe von unwirksamen Medikamenten erwartet.

Es wird jedoch davor gewarnt, ohne Indikation des Arztes Antibiotika oder Glukokortikoide zu nehmen. Sie helfen nicht nur nicht, sondern bergen Risiken durch Nebenwirkungen in sich.

Die Behandlung der banalen Erkältung konzentriert sich auf symptomatische Maßnahmen zur Milderung der Symptome. Ein ungünstiger Verlauf, der besonders bei kleinen Kindern und alten und abwehrgeschwächten Menschen möglich ist, muss rechtzeitig erkannt werden [1]. Die banale Erkältung ist abzugrenzen von der echten Grippe.


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Welche Ursache die banale Erkältung hat

Die banale Erkältung wird durch Viren ausgelöst. Meist sind es Rhinoviren, die sich durch kleinste Tröpfchen beim Sprechen, Niesen, Schneuben und Husten ausbreiten. Auch andere Viren kommen in Betracht, wie Adenoviren, Coronaviren und Paramyxoviren. Entsprechend kann man eine Erkältung mehrfach hintereinander bekommen.

Wie sich der Infekt ausbreitet

Bereits in der Anfangsphase der Erkältung ist der Betroffene hoch infektiös, und zwar nicht nur über die Hände, sondern vor allem durch Tröpfchen, die man beim Sprechen unsichtbar in der Luft versprüht. Es kommt zur “Tröpfcheninfektion”. Da man zu diesem Zeitpunkt noch nicht heiser spricht, ahnt der Angesprochene nichts von der für ihn fatalen Infektionssituation. Dies gilt vor allem in Menschenansammlungen. Wie weit sich Tröpfchen um eine infizierte Person herum ausbreiten und für andere gefährlich sein können, kann man erahnen, wenn man den Rauch von Rauchern sieht und riecht. Und so kommt es oft zu einer unbemerkten Infektion der nächsten Personen und zur Ausbreitung einer Infektionswelle in der Bevölkerung.

Was die typischen Symptome sind

Die typischen Symptome einer Erkältung sind:

  • Niesen,
  • Schnupfen, laufende Nase,
  • Kratzen im Hals, Heiserkeit,
  • wundes Gefühl im Atemwegsbereich, Husten,
  • leichtes Fieber vor allem bei Kindern, seltener bei Erwachsenen,
  • gerötete Augen ebenfalls vor allem bei Kindern.

Der Infekt beginnt oft relativ rasch und macht sich durch eine laufende Nase oder gleich durch ein Kratzen im Hals bemerkbar.

Die Erkrankung beginnt mit leichtem Kratzen im Hals und wässrigem Schnupfen, es kommt bei leichtem Verlauf nach 3-5 Tagen zu eitrigem Schnupfen, eventuell zu Heiserkeit und bei schwererem Verlauf zu einer Bronchitis. Nach weiteren 3-5 Tagen bessern sich die Symptome wieder, und die Infektiosität lässt nach.

Welche Komplikationen eintreten können

Bei Erwachsenen kann die Erkältung zu einer Entzündung der Atemwege (Bronchitis) führen. Es kann eine Nasennebenhöhlenentzündung aufblühen; eine Lungenentzündung (Pneumonie) ist jedoch selten. Bei kleinen Kindern ist eich eine Mittelohraffektion nicht selten, die durch eine Verschwellung der Tuben (Eustachische Röhren, Tuba Eustachii) zustande kommt. Wenn sie schlechter zu hören scheinen, sollte der Kinderarzt konsultiert werden.

Wer gefährdet ist

Gefährdet sind vor allem Menschen, die bereits eine chronische Lungenkrankheit, wie eine chronische Bronchitis, ein Asthma oder ein Emphysem, oder eine schwelende Nasennebenhöhlenentzündung haben.
Besonders gefährdet sind

  • Menschen mit einer Abwehrschwäche
    • durch eine Krankheit, z. B. durch eine Knochenmarkskrankheit oder Krebserkrankung, oder
    • durch Medikamente wie z. B. Kortisonpräparate oder Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva wie Azathioprin, Methotrexat, TNF-alpha-Blocker oder eine Chemotherapie bei Krebs) und
  • alte Menschen.

Welche Behandlung in Frage kommt

Das Virus selbst lässt sich nicht behandeln; der Körper muss selbst mit der Infektion fertig werden. Alle Therapie richtet sich daher darauf, den Körper dabei zu unterstützen und Komplkationen vorzubeugen.
Die Symptome lassen sich, wenn sie quälen, durch Hausmittel oder medikamentös meist gut beherrschen:

  • Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen: in Frage kommen Novaminsulfon, Paracetamol, Ibuprofen oder Naproxen; der Arzt wird entscheiden, was eingenommen werden darf und was besser nicht,
  • Husten: Hustenmittel (Antitussuva, z.B. Codein-Präparate),
  • zäher Schleim in den Bronchien: mehr trinken, Inhalationen, Schleimlöser wie Bromhexin,
  • verstopfte Nase und Druckgefühl bzw. Schmerzen im Bereich der Nasennebenhöhlen: Inhalation von heißem Kamilleaufguss-Dampf.

Bezüglich Grippemittel siehe hier.

In späteren Stadien der Erkältung, wenn eine bakterielle Superinfektion für die Fortdauer des Krankheitsgefühls verantwortlich ist, kommen Antibiotika in Betracht.

Der Arzt berät individuell! Er weiß, wann eine Röntgenaufnahme der Nasennebenhölen oder der Lungen angebracht ist, welche Entzündungshemmer (Antiphlogistika) und Fiebersenker individuell angebracht und welche problematisch sind, und wann eine Behandlung mit Antibiotika beginnen sollte.

Zink verkürzt die Symptomatik

In zwei Studien mit hohen Dosen Vitamin C (1000 mg) plus Zink (10 mg) wurde eine nicht signifikante Tendenz zur Abkürzung der Symptomatik einer Erkältung festgestellt; werden beide Studien zusammen ausgewertet, wird der Unterschied zu einer Behandlung mit Placebo signifikant [2]. Entsprechend wurde in einer Studie an thailändischen Schülern festgestellt, dass 15 mg eines Zinkpräparats (Zinc-Bisglycinat) zwar nicht die Häufigkeit einer Erkältung aber die Zahl der Fehltage durch die Erkrankung senkt [3]. Auch eine Cochrane-Metaanalyse bestätigt den Symptom-abkürzenden Effekt von Zink (unabhängig vom Präparat) [4].

Nützt Vitamin C?

Es hält sich hartnäckig die Meinung, dass Vitamin C vor Erkältung schützt. Das ist nicht der Fall. Eine Cochrane-Zusammenfassung der bekannten Studien hierzu bestätigt dies noch einmal. Es wird angemerkt, dass eine vorbeugende Routinegabe von Vitamin C nicht gerechtfertigt ist. Allerdings wird die Krankheitsdauer in geringem Prozentsatz verkürzt werden: bei Erwachsenen um 8% und bei Kindern um 14%. Daher könne aufgrund der Sicherheit und der geringen Kosten individuell geprüft werden, ob Vitamin C bei einer Erkältung eine günstige Wirkung ausübe. [5].

Vitamin C soll laut Studien auch die Symptomatik bei erkältungsbedingter Verschlechterung von Bronchialasthma mildern und abkürzen, so dass es nicht unsinnig ist, es in einem solchen Krankheitsfall individuell auf seine Wirkung zu prüfen [6].

Nützen Antibiotika?

Antibiotika helfen nicht gegen den der Erkältung zugrunde liegenden Virusinfekt – selbst nicht bei eitrigem (purulentem) Nasenschleim [7]! Werden sie zu freigiebig eingesetzt, können sich Resistenzen entwickeln, so dass sich die einzelne Bakterienstämme dann nur noch schwer mit Antibiotika behandeln lassen!

Antibiotika können jedoch dann indiziert sein, wenn sich auf den Virusinfekt ein bakterieller Infekt aufpfropft; Viren können Wegbereiter für solche bakteriellen Infektionen sein! Aber nicht jeder eitrige Schnupfen oder eitrige Auswurf ist eine Indikation für Antibiotika; die Nase und das Bronchialsystem reinigen sich in der Regel selbst. Kommt jedoch eine Selbstheilung nicht zustande oder schreitet die Infektion zu einer Lungenentzündung (Pneumonie) fort, wird man nicht um eine Antibiotika-Therapie herum kommen. Das sollte in jedem Fall der Arzt entscheiden.

Antivirale Therapie?

Antivirale Medikamente wie Interferon sind nicht indiziert; sie haben selbst Nebenwirkungen, die den Symptomen einer Erkältung entsprechen [8].

?-Carrageen (engl.: Iota-carrageenan) ist ein langkettiges Kohlenhydrat (Polysaccharid), das aus Rotalgen gewonnen und in der Lebensmittelindustrie als Geliermittel verwendet wird. Es wirkt antiviral und verbessert laut Studien den Verlauf der banalen Erkältung. Als Nasenspray angewendet reduziert es die Virusmenge im Nasenschleim und verkürzt die Dauer der Symptome um durchschnittlich 2,1 Tage [9]. Als Medikament steht die Substanz derzeit nicht zur Verfügung.

Knoblauch übt eine schwache antimikrobielle und antivirale Wirkung aus; es hat aber keine vorbeugende Wirkung und keinen Einfluss auf den Verlauf einer Erkältung [10].

Auszüge aus dem Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) sollen antivirale Eigenschaften haben und werden vielfach zur Behandlung der Erkältung benutzt. Eine Zusammenstellung von Studien hierzu zeigte jedoch keine konsistenten Ergebnisse, so dass eine Effektivität zur Vorbeugung und Abkürzung der Symptomatik nicht eindeutig belegt ist [11].

Wie man einer Erkältung vorbeugen kann

Vitamin C wird landläufig ein Schutzeffekt zugesprochen; laut Studien hat es jedoch keine vorbeugende Wirkung (s. o.). Auch andere Medikamente oder Hausmittel schützen nicht vor einer Erkältung.

Vorbeugen kann man am besten, wenn man den Ausbreitungsweg der Erkältungsviren kennt: über Tröpfchen beim Sprechen, Niesen oder Husten und über die Hände!

Meiden Sie Menschenansammlungen!

Da die Erkältungsviren sehr infektiös sind, ist eine Vorbeugung nicht immer erfolgreich. Wer ein schwaches Immunsystem hat, sollte sich während der Erkältungszeit nicht in Menschenansammlungen begeben:

  • keine öffentlichen Verkehrsmittel,
  • keine Einkaufsschlangen vor der Supermarktkasse, lassen Sie sich Ihre Einkäufe durch Bekannte besorgen,
  • wenn möglich kein volles Wartezimmer beim Arzt! In Erkältungszeiten sitzen sie oft voll mit hustenden und schnupfenden Menschen. Lassen Sie sich per Telefon beraten, und lassen Sie durch Freunde und Bekannte das Rezept abholen. Wer dennoch beim Arzt erscheinen soll, der lasse sich einen Termin geben, bei dem das Wartezimmer nicht voll ist oder dort einen Mundschutz!
  • Halten Sie sich besonders von heiseren, hustenden, schnupfenden und niesenden Menschen fern.

Händewaschen!

Händewaschen! Denn beim Naseputzen gehen die Viren an die Hand, beim Händeschütteln gelangen sie zur Hand des nächsten Menschen, der streicht sich vielleicht über sein Gesicht, an die Nase oder Lippen, oder greift zum Taschentuch und schon hat er sich infiziert.

Wer selbst infektiös ist: Abstand halten!

Wer merkt, dass er infiziert ist, sollte umgekehrt dafür sorgen, dass er niemanden ansteckt! Dies wäre die wirksamste Vorbeugung; aber dazu muss man seine eigenen Symptome gerade in der Anfangsphase der Erkältung richtig deuten. Die meisten Menschen meinen anfangs noch nicht infektiös zu sein oder noch zur Arbeit gehen zu können. Ein leichtes Kratzen im Hals kann schon Infektiosität bedeuten.

  • Gehen Sie nicht zu nah an andere Menschen heran bei Sprechen: besonders fatal ist es, wenn man bei Heiserkeit nur leise sprechen kann und daher besonders nahe an den anderen herantritt, damit er versteht.
  • Geben Sie anderen in der akuten Infektionsphase nicht die Hand!

Impfungen?

Eine normale Erkältung ist gelegentlich von einer echten Grippe schwer zu unterscheiden. Eine leicht verlaufende Grippe kann sich wie eine Erkältung darstellen. Diesen „Erkältungen“ kann durch regelmäßige Grippeimpfungen vorgebeugt werden. Die Viren der eigentlichen gemeinen Erkältung ändern so schnell ihre Eigenschaften, dass bisher kein zuverlässiger Impfstoff gegen sie entwickelt werden konnte. Eine Cochrane-Zusammenstellung der bisherigen Erfahrungen weist auf die bisherige Erfolglosigkeit von Impfungen hin [12].

Wie sich Erkältung und Grippe unterscheiden

Eine leichte Grippe (Influenza) und eine schwere Erkältung sind gelegentlich kaum zu unterscheiden; die schwere Erkältung wird daher oft auch als “grippaler Infekt” bezeichnet. Meist verläuft eine Erkältung ohne Allgemeinsymptome. Wenn Sie dagegen Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Schlappheit verspüren, kann durchaus eine Grippe vorliegen! Wenn gerade eine Grippewelle durch das Land zieht, ist diese Diagnose die deutlich wahrscheinlichere, so dass der Arzt dann meist auch auf einen virologischen Nachweis verzichtet. Eine Grippe hat auch die schwereren Komplikationen; es kann sich beispielsweise eine Lungenentzündung entwickeln, die zu bedrohlicher Atemnot führt. Unterschätzen Sie solche Symptome nicht, und melden Sie sich beim Arzt. Die viel leichter verlaufende Erkältung ohne solche Allgemeinsymptome kann bei sonst gesunden Menschen auch ohne Arztkonsultation überstanden werden.

Soll ich zum Arzt gehen?

Der Arzt kann lediglich Symptome mildern, aber den Verlauf nicht abkürzen. Er kann jedoch Komplikationen vorbeugen oder sie erkennen und behandeln. Viele Menschen, die schon Erkältungen durchgemacht haben, gehen daher nicht zum Arzt, außer wenn er eine Krankschreibung ausstellen soll.

Wenn sich jedoch die Erkältung nicht erwartungsgemäß entwickelt und beispielsweise sich Fieber und ein richtiges Krankheitsgefühl einstellen, sollte besser der Arzt konsultiert werden. Dies ist auch dringend zu empfehlen, wenn eine Bronchial- oder Lungenkrankheit (wie z. B. Asthma, eine COPD, ein Emphysem oder eine Mukoviszidose) oder eine andere schwere Vorerkrankung vorliegt.


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Verweise

Literatur

  1. ? Am Fam Physician. 2012 Jul 15;86(2):153-9
  2. ? J Int Med Res. 2012;40(1):28-42
  3. ? Paediatr Int Child Health. 2013;33(3):145-50
  4. ? Cochrane Database Syst Rev. 2013 Jun 18;6:CD001364. doi: 10.1002/14651858.CD001364.pub4.
  5. ? Cochrane Database Syst Rev. 2013 Jan 31;1:CD000980. doi: 10.1002/14651858.CD000980.pub4
  6. ? Allergy Asthma Clin Immunol. 2013 Nov 26;9(1):46. doi: 10.1186/1710-1492-9-46
  7. ? Cochrane Database Syst Rev. 2013 Jun 4;6:CD000247. doi: 10.1002/14651858.CD000247.pub3
  8. ? Cochrane Database Syst Rev. 2007 Jul 18;(3):CD002743.
  9. ? Respir Res. 2013 Nov 13;14:124. doi: 10.1186/1465-9921-14-124
  10. ? Cochrane Database Syst Rev. 2012 Mar 14;3:CD006206. doi: 10.1002/14651858.CD006206.pub3.
  11. ? Cochrane Database Syst Rev. 2006 Jan 25;(1):CD000530.
  12. ? Cochrane Database Syst Rev. 2013 Jun 12;6:CD002190. doi: 10.1002/14651858.CD002190.pub4.

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).