Glasgow-Coma-Scale (GCS)

Die Glasgow Coma Scale (GCS) wurde entwickelt, um die Beurteilung neurologisch gefährdeter Patienten (z. B. nach einem Schädel-Hirn-Trauma) bezüglich der Einschränkung ihres Bewusstseins zu standardisieren und um die Schwere, die Entwicklung und Prognose der Verletzung abschätzen und den Behandlungsplan individualisieren zu können.

Zu Koma siehe hier.


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Allgemeines

Die GCS basiert auf klinisch einfach zu bestimmenden Parametern und soll Klinikern ein möglichst rasch zu bestimmendes und verlässliches Maß für den Verlauf einer akuten schweren Erkrankung/Schädigung des Gehirns bieten. Der GCS liegen Ergebnisse einer Untersuchung

  • der Augen (E),
  • der verbalen Kommunikation (V) und der
  • körperlichen Motorik (M)

zugrunde.

Aussagekraft der motorischen Prüfung: Unter den GSC-Kriterien ist die motorische Prüfung oft am problematischsten und bedarf bei Schwestern und Pflegern einer Intensivstation einer besonderen Schulung. 1)J Neurosci Nurs. 2016 Dec;48(6):311-314. Aber sie ist auch gleichzeitig die aussagekräftigste, um den weiteren Verlauf (außer der Mortalität) eines Schädel-Hirn-Traumas vorauszusagen. 2)Brain Inj. 2013;27(3):293-300. doi: 10.3109/02699052.2012.743182.

GCS für Kinder: Für kleine Kinder wurde ein eigener Score entwickelt, der die noch mangelnde verbale Kommunikationsfähigkeit berücksichtigt (Pediatric Glasgow Coma Scale, PGCS). Es wird vor allem auf die Prüfung der motorischen Komponente abgehoben, deren Ergebnis am besten mit der Schwere eines Schädel-Hirn-Traumas korreliert. 3)J Trauma Acute Care Surg. 2014 Aug;77(2):304-9. doi: 10.1097/TA.0000000000000300.

Ermittlung einer GSC

Augenreaktion (E)

Vier Schweregrade (die zu vergebende Punktzahl jeweils in Klammern):

  • Augen öffnen sich spontan (4)
  • Augen öffnen sich auf Ansprache (3). (Nicht zu verwechseln mit dem Erwachen aus einem Schlaf; solche Patienten erhalten eine Punktzahl von 4.)
  • Augenöffnung auf Schmerzreiz (2) (z. B. durch Druck auf die Lunula des Fingernagels).
  • Kein Augenöffnen (1)

Verbale Antwort (V)

Fünf Schweregrade:

  • Orientiert (5). (Patient antwortet angemessen auf Ort Datum, Name etc.)
  • Verwirrt (4). (Orientierungprobleme und Verwirrtheit.)
  • Unpassende Wörter (3). (Unzusammenhängende Rede, Einzelne Worte, kein Gespräch.)
  • Unverständliche Geräusche (2). (Stöhnen, keine Worte.)
  • Keine lautliche Reaktion (1)

Motorische Reaktion (M)

Sechs Schweregrade:

  • Problemlose Befolgung einfacher Aufforderungen (6),
  • gezielte Abwehrbewegungen auf Schmerzreize (z. B. durch Druck auf die Lunula eines Fingernagels) (5) ,
  • ungezielte Schmerzreaktion (4),
  • Kontraktionshaltung des Körpers, verstärkt durch Schmerzreize (3) (Reaktionen ohne Beteiligung der Hirnrinde: Innenrotation der Schulter, Beugung von Unterarm und Handgelenk, geballte Faust),
  • durch Schmerzen ausgelöste Streckbewegungen (2) (archaische Reaktionen des Stammhirns: Streckreflexe, Arm- und Beinstreckung, Plantarflexion des Fußes),
  • Keine motorische Reaktion (1).

Bewertung

Je mehr Punkte erreicht werden, um so wacher ist der Patient. Der tiefste GCS ist 3 (entspricht tiefem Koma), der höchste GCS ist 15 (voll wach). Die Bewertung psychiatrischer Patienten ist u. U. mit den GCS-Kriterien problematisch. Der Einfluss von Medikamenten muss berücksichtigt werden.

Eine Beeinträchtigung des Bewusstseinszustandes, z. B. im Rahmen einer Hirnverletzung, kann nach dem GCS folgendermaßen bewertet werden:

  • schwer, GCS <8-9,
  • mäßig, GCS 8 oder 9-12 (umstritten),
  • gering, GCS ≥ 13.

Der Zustand der Vigilanz (Wachheit) wird auf Intensivstationen oft in folgender Form ausgedrückt und dokumentiert: “08:10 Uhr: GCS 10 (E3 V4 M3)” (d.h. Eye-Movement 3 Punkte, Verbale Antwort 4 Punkte, Motorik 3 Punkte).

Verweise


Literatur   [ + ]

1. J Neurosci Nurs. 2016 Dec;48(6):311-314.
2. Brain Inj. 2013;27(3):293-300. doi: 10.3109/02699052.2012.743182.
3. J Trauma Acute Care Surg. 2014 Aug;77(2):304-9. doi: 10.1097/TA.0000000000000300.