Mikroglia

Mikroglia ist eine zusammenfassende Bezeichnung spezieller Zellen in Gehirn, Netzhaut (Retina) der Augen, Riechhirn (Bulbus olfactorius), und Rückenmark, die sich morphologisch und funktionell von den anderen Zelltypen des Gehirns unterscheiden, aber nicht einheitlich sind. Sie machen 10-15% aller Zellen im Gehirn aus. Durch multiple fadenförmigen Ausläufer sind sie miteinander über Gap Junctions synzytial eng verbunden und stehen auch mit allen anderen Zelltypen in engem Kontakt. Die Fortsätze sind variabel und werden nach Anforderung mal hierhin, mal dorthin ausgestreckt. Sie stellen die morphologische Grundlage für die Fähigkeit der Mikrogliazellen dar, ihre Umgebung sensibel auf Störungen zu prüfen. Je nach erkannter Störung sind die Zellen in der Lage, unterschiedliche Phänotype anzunehmen und mit verschiedenen Reaktionsmöglichkeiten zu antworten.


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Hauptfunktionen der Mikroglia

Folgende Hauptfunktionen werden durch die Zellen der Mikroglia erfüllt 1)Pharmacol Ther. 2013 September ; 139(3): 313–326. doi:10.1016/j.pharmthera.2013.04.013.:

  • Infektionsabwehr: Mikrogliazellen vermögen es, Bakterien und Viren durch Phagozytose rasch unschädlich zu machen, Entzündungsreaktionen zu dämpfen, aber auch Entzündungsreaktionen zu vermitteln und Antigene für Immunzellen zu präsentieren (zur lymphozytären T-Zell-Aktivierung).
  • Beeinflussung von Astrozyten: Aktivierung von Microglia bewirkt eine Umwandlung von Astrozyten in einen neurotoxischen Subtyp (A1-Phänotyp von Astrozyten), der bei der Entstehung und Unterhaltung neurologischer Erkrankungen wie Alzheimerdemenz und Parkinsonerkrankung eine bestimmende Rolle spielt. Glukagon-like-Peptid-1-Rezeptor-Agonisten (GLP1R-Agonisten) wie das NLY01 vermag diesen Effekt aktivierter Mikroglia zu unterdrücken und das defizitäre Verhalten als auch die Lebenserwartung von Versuchstieren mit Parkinson zu verbessern 2) 2018 Jun 11. doi: 10.1038/s41591-018-0051-5.
  • Aufrechterhaltung der Blut-Hirn-Schranke: An der Aufrechterhaltung der Dichtigkeit der Bluthirnschranke sind die Astrozyten und zudem auch die Mikrogliazellen beteiligt.
  • Beeinflussung der Nervenzellen: Die Mikroglia ist an der Plastizität der Nervenzellen, der Neuroregeneration und – während der Phase der Gehirnentwicklung – am Aufbau der neuronalen Verbindungen beteiligt. Sie fördert die Bildung von Synapsen und räumt überschüssige Nervenzellen und Synapsen ab.
  • Entfernung von Infektiösem und Unnötigem: Sessile Mikrogliazellen können bei Bedarf aktiviert werden und sich dann amöboid bewegen. Dieser reaktive Phänotypus ist zur Phagozytose fähig (Fresszellen) und reinigt Gehirn und Rückenmark von geschädigten und absterbenden Zellen, Zelldetritus, unnötigen Neuronen, überflüssigen Synapsen oder Plaques (Molekülverdichtungen). Zellen der Mikroglia, die mit Abraum angefüllt sind, eben ihre Phagozytosefähigkeit auf und werden zu „Gitterzellen“.

Wechselnde Funktionalität

Microgliazellen können einerseits proinflammatorische Zytokine, wie TNF-alpha, Interleukin-1ß und reaktive Sauerstoffspezies entlassen, die den Untergang von Nervenzellen befördern. Sie können andererseits aber auch neuroprotektive Fähigkeiten annehmen und Neuroregeneration befördern (vermittelt durch YM1 3)Adv Exp Med Biol. 2002; 513():87-113 ) Dysregulierte Microglia ist direkt mitverantwortlich für Krankheiten mit Neurodegeneration 4)Exp Neurol. 2012 Sep; 237(1):147-52. Zellen der Astroglia (Astrozyten) beeinflussen die Aktivität der Mikroglia (über S100B), was beispielsweise bei der Entstehung der Multiplen Sklerose von Bedeutung ist. 5)Acta Neuropathol. 2006 Aug; 112(2):195-204 6)Front Immunol. 2018 Feb 19;9:217. doi: 10.3389/fimmu.2018.00217

Verweise


Literatur   [ + ]

1. Pharmacol Ther. 2013 September ; 139(3): 313–326. doi:10.1016/j.pharmthera.2013.04.013.
2. 2018 Jun 11. doi: 10.1038/s41591-018-0051-5.
3. Adv Exp Med Biol. 2002; 513():87-113
4. Exp Neurol. 2012 Sep; 237(1):147-52
5. Acta Neuropathol. 2006 Aug; 112(2):195-204
6. Front Immunol. 2018 Feb 19;9:217. doi: 10.3389/fimmu.2018.00217