Choledocholithiasis

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Choledocholithiasis bedeutet Gallenstein(e) im gemeinsamen Gallenausführgang (Ductus hepatocholedochus). Sie liegen extrahepatisch und können schwerwiegende Komplikationen hervorrufen und sollten daher entfernt werden. Eine primäre Choledocholithiasis bezieht sich auf Steine, die direkt im Gallengang gebildet werden, eine sekundäre Choledocholithiasis auf solche, die aus der Gallenblase stammen. Die primären Steine sind in der Regel braune Steine (Kalziumbilirubinat) und können infektiöser Genese oder Folge einer Hämolyse sein. Die sekundären sind dagegen Cholesterinsteine. 1)J Hepatol. 2016;65:146–181

→ Siehe auch unter Cholelithiasis.

Inzidenz

Bei etwa 5 % bis 15 % der Gallenblasenoperationen (Cholezystektomien) wegen Gallensteinen (Cholelithiasis) finden sich auch Konkremente im Gallengang. 2)World J Gastroenterol. 2021 Jul 28;27(28):4536-4554. DOI: 10.3748/wjg.v27.i28.4536

Besonderheiten

ERC (endoskopisch retrograde Kontrastmittelfüllung der Gallenwege) mit Nachweis von Konkrementen in Gallenblase, Gallenblasenhals und Gallengang. Hier bietet sich eine endoskopische Entfernung des Gallengangssteine an, damit bei der geplanten Gallenblasenentfernung der Gallengang nicht eröffnet werden muss.

Eine Choledocholithiasis weist im Rahmen des Gallensteinleidens folgende Esnonderheiten auf:

  • Steine im Gallengang können eine Verschluss mit der Folge eines Gallestaus (Cholestase) und einer Gelbsucht (Ikterus) hervorrufen und zu Entzündungen der Gallenwege (Cholangitis) prädisponieren.
  • Sie prädisponieren zu Koliken und einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (biliäre Pankreatitis).
  • Sie können meist endoskopisch (ERCP mit Papillotomie und Steinextraktion) therapiert werden.

Diagnostik

Ausgang ist eine Symptomatik von meist Gallenkoliken, seltener von Ikterus. Auch können erhöhte Cholestaseparameter unter Laborwerten oder eine Ursachenforschung bei einer plötzlich aufgetretenen Bauchspeicheldrüsenentzündung (akute Pankreatitis) zur Diagnostik veranlassen.

Im Vordergrund steht der Steinnachweis durch bildgebende Verfahren. Besonders aussagekräftig ist die MRCP. Eine ERC wird dann durchgeführt, wenn gleichzeitig eine endoskopische Steinentfernung (Papillotomie und Steinextraktion) geplant ist.

Therapie

Die meisten Gallengangssteine können endoskopisch über eine ERC mit Papillotomie und Steinextraktion sicher und erfolgreich entfernt werden. Besteht bei einem Steinnachweis in der Gallenblase (Cholecystolithiasis) gleichzeitig eine Indikation für eine Gallenblasenentfernung (Cholezystektomie), so kann vor der (meist laparoskopischen) Operation eine endoskopische Bereinigung des Hepatocholedochuns erfolgen. Dies erspart es dem Operateur, intraoperativ den Gallengang zu eröffnen. Die endoskopische Behandlung kann jedoch auch während der Operation erfolgen. Ein Vergleich zwischen dem zweizeitigen und der einzeitigen Vorgehen zeigt keine Unterschiede im Ergebnis. bezüglich Erfolgsraten, postoperativer Morbidität, Steinentfernung, Sterblichkeit, Umstellung auf andere Verfahren, Gesamtoperationszeit und Misserfolgsrate.  Die Behandlung in einer Sitzung ist jedoch bezüglich Dauer des Krankenhausaufenthalts und Kosten günstiger. 3)World J Gastroenterol. 2021 Jul 28;27(28):4536-4554. DOI: 10.3748/wjg.v27.i28.4536


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Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


Literatur

Literatur
1 J Hepatol. 2016;65:146–181
2, 3 World J Gastroenterol. 2021 Jul 28;27(28):4536-4554. DOI: 10.3748/wjg.v27.i28.4536