Leberzysten

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Leberzysten sind flüssigkeitsgefüllte Räume im Leberparenchym. Es handelt sich um „Pseudozysten“, d.h. flüssigkeitsgefüllte Räume ohne Grenzmembran. Histologisch finden sich keine begrenzenden Epithelzellen; in der Sonographie lassen sich keine Wandreflexe erkennen. Leberzysten treten häufig auf, sind meist harmlos und werden meist nur sehr langsam größer. Eine spezielle Therapie ist selten erforderlich. Große Zysten können Beschwerden bereiten sowie ein erhöhtes Blutungs- und Perforationsrisiko darstellen. Bei ihnen kommt therapeutisch eine Entlastung und Verödung infrage. (1)World J Hepatol. 2020 Mar 27;12(3):72-83. DOI: 10.4254/wjh.v12.i3.72


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Ursache

Die Ursache solitärer Zysten in der Leber ist in der Regel unklar. Multiple Leberzysten sind meist familiär gehäuft. Bei einer genetisch bedingten polyzystischen Degeneration sind die Nieren mitbetroffen.

Polyzystische Leberkrankheit

Die polyzystische Leberkrankheit (polycystic liver disease, PLD) ist erblich und kann zusammen mit einer polyzystischen Nierenkrankheit (autosomal dominant polycystic kidney disease, ADPKD) auftreten. In beiden Fällen sind Genanomalien bekannt; eine Mutation in PKHD1 (Fibrocystin, Polyductin) und GANAB (α-Untereinheit der Glucosidase II) findet sich bei beiden. Die Diagnose kann angenommen werden, wenn mehr als 20 Zysten festgestellt werden. Meist bestehen keine Symptome. Wenn Beschwerden auftreten, sind oft Ursodesoxycholsäure (2)Curr Drug Targets. 2017;18(8):950-957. DOI: 10.2174/1389450116666150427161743 oder Somatostatin-Analoga wirksam, ansonsten bleiben interventionelle Therapien wie Zystenaspiration und -verödung, Katheterembolisation, Fenestrierung, Leberteilresektion oder Lebertransplantation als Optionen zur Verfügung.  (3)World J Hepatol. 2020 Mar 27;12(3):72-83. DOI: 10.4254/wjh.v12.i3.72 Experimentell vermag Metformin, das als indirekter AMPK-Aktivator wirkt, die Bildung von Leberzysten verlangsamen. (4)Am J Physiol Gastrointest Liver Physiol. 2021 Apr 1;320(4):G464-G473. DOI:  … Continue reading

Symptome

Leberzysten machen meist keine Beschwerden. Ausnahmen sind sehr große Zysten, die lokalen Druck ausüben und Oberbauchbeschwerden hervorrufen können. Sie können spontan einbluten oder oder bei geringem Bauchtrauma „platzen“ und zu einem Spontanschmerz führen.

Bei der polyzystischen Degeneration kann die Leber im Spätstadium durch Zysten so durchsetzt sein, dass sie stark anschwillt, in ihren Funktionen nachlässt und insuffizient wird.

Diagnostik

Leberzysten im Ultraschallbild
Mehrere reflexfreie Leberzysten unterschiedlicher Größe im Ultraschallbild der Leber (Subkostalschnitt).

Leberzysten treten mit zunehmendem Alter häufiger auf. Sie werden meist bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraums zufällig entdeckt.

Es handelt sich um scharf begrenzte reflexlose Räume im Leberparenchym ohne eine erkennbare Wandstruktur (siehe auch hier). Bei typischem Befund ist eine weitere Diagnostik kaum erforderlich. Im Zweifel kann eine Computertomographie klären.

Leberzysten rufen keine Veränderungen der Leberwerte hervor.

Differenzialdiagnosen

Folgende zystische Strukturen sind abzugrenzen: (5)World J Gastroenterol. 2013 Jun 21;19(23):3543-54. DOI: 10.3748/wjg.v19.i23.3543

  • Echinokokkuszyste, bei in bildgebenden Untersuchungen ist eine Wand deutlich erkennbar.
  • Caroli-Syndrom: Es ist eine sackartige Aufweitung eines intrahepatischen Gallengangs und kann gelegentlich als eine zystische Flüssigkeitsansammlung differenzialdiagnostisch in Betracht kommen.
  • Ein Abszess (z. B. ein Amöbenabszess) in der Leber ist sonographisch durch Binnenreflexe auffällig und meist leicht von einer Leberzyste zu unterscheiden; zudem ist er meist mit Fieberschüben verbunden.
  • Ein Zystadenom oder ein Zystadenokarzinom kommt sehr selten in Betracht. Ihre Begrenzung ist irregulär; manchmal sind Septierungen erkennbar. Die Wand ist betont.

Behandlung

Leberzysten werden zunächst nur beobachtet, z. B. durch jährliche sonographische Kontrollen („wachful waiting“). Schwillt eine Leberzyste an und wird die Parenchymschicht zur freien Leibeshöhle dünn, so dass das Risiko einer Perforation wächst, wird eine operative Therapie (Entdeckelung, Fenestrierung) in Betracht gezogen. Dabei wird das Zystendach, laparoskopisch (unter Sicht bei einer Bauchspiegelung) entfernt, nachdem der Zysteninhalt abgesaugt worden ist. Nachlaufende Zystenflüssigkeit wird durch das große Netz mit seinem Bauchfell (Peritoneum), das am Rand der Zyste fixiert wird, resorbiert.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 

Literatur

Literatur
1 World J Hepatol. 2020 Mar 27;12(3):72-83. DOI: 10.4254/wjh.v12.i3.72
2 Curr Drug Targets. 2017;18(8):950-957. DOI: 10.2174/1389450116666150427161743
3 World J Hepatol. 2020 Mar 27;12(3):72-83. DOI: 10.4254/wjh.v12.i3.72
4 Am J Physiol Gastrointest Liver Physiol. 2021 Apr 1;320(4):G464-G473. DOI: 10.1152/ajpgi.00120.2020
5 World J Gastroenterol. 2013 Jun 21;19(23):3543-54. DOI: 10.3748/wjg.v19.i23.3543