Endoskopische Papillotomie (EPT)

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Synonym

Die endoskopische Papillotomie (EPT) ist eine Technik zur Erweiterung des Gallengangs an seiner Mündung in den Zwölffingerdarm. Sie dient der Vorbereitung einer Steinextraktion und einer Verbesserung des Galleabflusses. Eine tiefgreifende Papillotomie, bei der auch der muskuläre Verschluss (Sphincter Oddi) durchtrennt wird, wird als Sphincterotomie bezeichnet. Sie kann zur Extraktion großer Gallensteine aus dem Gallengang erforderlich werden und ist auch bei einem Sphincterspasmus wirksam.


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Indikation

Die EPT wird meist im Rahmen einer ERCP durchgeführt, um den Galleabfluss zu sichern (z. B. durch Stenteinlage) oder einen Gallenstein aus dem Gallengang zu extrahieren (Steinextraktion). Auch kann eine Sphincter-Oddi-Dysfunktion mit Beschwerden durch einen Sphincterspasmus und eine fibrosierende und einengende Papillitis, die den Sphincter Oddi einbezieht, eine Indikation darstellen.

Kurzzeitkomplikationen

Pankreatitis, Blutung, Cholangitis, Perforation

Gesamtkomplikationsrate 4,9 – 5,6% (davon sind 0,6% schwer), bei Choledocholithiasis 9,5%.[1]

Ambulante EPT

Die EPT ist elativ sicher. Die Wiedereinweisungsrate ist jedoch (5,7%) wegen Komplikationen erhöht. Komplikationen traten zu 79% innerhalb der ersten 6 Stunden in Erscheinung.[2]

Das Auftreten von Schmerz während der Untersuchung, eine Pankreatitis-Vorgeschichte und die Durchführung einer Papillotomie sind unabhängige Prädiktoren für eine Wiedereinweisung nach ambulanter ERCP.[3]

Langzeitkomplikationen

Folgende Komplikationen einer Papillotomie können noch nach Jahren auftreten :

  • Gallenwegssymptomatik durch rezidivierende aufsteigende Infektionen und Steine in den Gallenwegen. Praediktoren für eine Gallenwegssymptomatik sind Gallensteine von >15 mm Durchmesser und eine vorhandene Gallenblase.
  • Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) wegen pankreatischer Papillenstenose.

Nach endoskopischer Entfernung von Gallenwegssteinen (Choledocholithiasis) aus den ableitenden Gallenwegen sollte daher auch eine Cholezystektomie (operative Entfernung der Gallenblase) diskutiert werden – vor allem, wenn in der Gallenblase Konkremente nachgewiesen sind (Cholezystolithiasis). Ein großer Gallengangsdurchmesser und ein peripapilläres Divertikel prädestinieren zu rezidivierenden Gallenwegssteinen.[4] [5] [6]

Verweise

Literatur

  1. ? Freeman ML et al MEJM 1996; 335: 909-918, Cotton PB et al. Ann surg 1988; 227: 201-204
  2. ? Freeman ML et al. Gastrointest Endosc 1999; 49: 580-586
  3. ? Ho KY et al. Gastrointest Endosc 1999; 49: 587-592
  4. ? Pereria-Lima JC et al. Gastrointest Endosc 1998; 48: 457-464
  5. ? Tanaka M et al. Gastrointest Endosc 1998; 48: 465-469
  6. ? Cass O. Gastrointest Endosc 1998; 48: 540-541

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).