Whipple-Operation

Die Whipple-Operation ist ein Operationsverfahren der Tumorchirurgie, bei dem der Pankreaskopf zusammen mit dem unteren Teil des Magens und dem Duodenum, Teilen des Gallengangssystems inklusive der Gallenblase und den regionalen Lymphknoten entfernt wird.

Die erste Operation dieser Art wurde im Auguste-Viktoria-Krankenhaus in Berlin durch Walter Kausch durchgeführt. Die Operation wird heute als Kausch-Whipple-Operation, oder abgekürzt unter Ignorierung der Leistung von Kausch nur als Whipple-Operation bezeichnet.

Eine Alternative ist die pyloruserhaltende Operation nach Traverso-Longmire. Davon abzugrenzen ist eine duodenumerhaltende Pankreaskopfresektion, die jedoch nicht bei malignen Tumoren sondern nur bei nicht malignen Pankreasprozessen angewendet wird.

Der Name „Whipple“ kommt auch in der Krankheitsbezeichnung „Morbus Whipple“ vor, einer sehr seltenen, durch einen Erreger ausgelösten Dünndarmkrankheit.

Indikationen

Maligne oder fraglich maligne Tumore, die auf den Pankreaskopf beschränkt sind, wie Adenokarzinome, Zystadenokarzinome, neuroendokrine Tumore wie malige Insulinome, Gastrinome, VIPome oder Somatostatinome. Die Indikationsstellung ist individuell. Eine Tumorgröße über 2 cm gilt als Hinweis auf Malignität. Ein nichtmaligner Pankreaskopfprozess mit Obstruktion des Ductus choledochus (z. B. chronisch kalzifizierende Pankreatitis, Pankreaspseudozyste) können ebenfalls Indikation für eine Operation nach Kausch-Whipple sein, aber auch duodenumerhaltend operiert werden.

Präoperative Diagnostik

Die Abdomensonographie steht oft am Anfang der Diagnostik. Notwendig sind Bildgebungen wie Computertomographie / MRT / PET-CT zur präoperativen Ausbreitungsdiagnostik. Am sensitivsten ist oft die Endosonographie bezüglich lokaler Infiltrationen und metastasenverdächtiger Lymphknotenvergrößerungen. Es sollte geklärt sein, dass die Pfortader nicht infiltriert und offen ist (Pankreasprozesse können zu einer Pfortaderthrombose / Milzvenenthrombose führen). Unter den Laborwerten ist der Tumormarker CA 19-9 als Verlaufsparameter besonders wertvoll. Eine kardiopulmonale Diagnostik ist zur Abschätzung des Op-Risikos erforderlich.

Postoperative Beschwerden und Komplikationen

  • Manche Patienten sind postoperativ praktisch beschwerdefrei und leistungsfähig.
  • Es kann zu Mangelernährung und Durchfällen kommen, wenn das Restpankreas in seiner Funktion nicht mehr den Aufgaben gewachsen ist. Bei einer Verdauungsinsuffizienz können oft mit Erfolg Pankreasenzyme substituiert werden. Auch sollte eine diätetische Anpassung mit kleinen über den Tag verteilten Mahlzeiten vorgenommen werden.
  • Gelegentlich kommt es zu einer bakteriellen Überwucherung der blinden Schlinge des Dünndarms mit Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfällen. Das Syndrom der blinden Schlinge lässt sich durch einen H2-Atemtest wahrscheinlich machen und durch Metronidazol meist gut behandeln.
  • Ein Dumping-Syndrom kann Folge der entfallenen Funktion des Magens als Nahrungsreservoir sein (die Nahrung „plumpst“ durch in den Dünndarm). Es kommt zu Schweißausbruch, Herzrasen und plötzlichem Stuhldrang (Tenesmen). Hier hilft oft eine diätetische Anpassung mit kleinen über den Tag verteilten Mahlzeiten.
  • Selten kommt es zu einem Insulinmangel mit der Folge eines insulinpflichtigen Diabetes mellitus.
  • Bei Veränderung des Beschwerdebildes im Laufe der Zeit muss immer auch an ein Tumorrezidiv gedacht werden.

Verweise

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