Ulinastatin – Trypsininhibitor aus dem Urin

Ulinastatin ist ein synthetischer Serin-Protease-Inhibitor, der dem im Urin gefundenen Trypsin-Inhibitor (urinary trypsin inhibitor, UTI) [1] entspricht und vermarktet wird (z. B. Miracrid®, Ustatin®, Ulistin®). Sein Molekulargewicht beträgt 67000 Dalton. Es wird hauptsächlich zur Behandlung der akuten Pankreatitis und des Schocks verwendet, übt jedoch auch bei anderen Krankheiten einen günstigen Effekt aus.


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Bildung und physiologische Wirkung

Ulinastatin (UTI) wird durch Wirkung der Leukozyten (z. B. am Entzündungsort) gebildet, deren Elastase (polymorphonuclear leukocyte elastase (PMNE)) den Inter-alpha-Trypsininhibitor abbaut [2]. Die Plasmahalbwertszeit liegt bei 30 Minuten; die Ausscheidung erfolgt über den Urin [3]. Unter physiologischen Bedingungen hemmt UTI die Neutrophilen-Elastase, Trypsin, Alpha-Chymotrypsin, Plasmin und Cathepsin G.

Wirkungen

Ulinastatin (UTI) übt eine Reihe günstiger Wirkungen bei der Behandlung von Krankheiten aus (Auswahl):

  • Hämorrhagischer Schock: Es hemmt Entzündungsprozesse bei Traumapatienten mit hämorrhagischem Schock; die Werte für die Leukozytenelastase (PMNE), TNF-alpha und Interleukin-6 fallen innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Applikation; der Abfall war jedoch nicht signifikant [4].
  • Herz: Ulinastatin schützt das Herz nach Herzoperationen durch Hemmung der Freisetzung proinflammatorischer Zytokine (PMNE, TNF-alpha, IL-6 and IL-8) und der Zelladhäsion (Unterdrückung von S-ICAM-1) [5][6]. Es übt eine cardioprotektive Wirkung bei schweren Verbrennungen aus [7].
  • Lunge: Ulinatstatin schützt die Lunge im Tierexperiment vor Endotoxin-induzierter Schädigung [8], vor einer Schädungung bei schweren Verbrennungen [9] und vor der Entwicklung einer Lungenfibrose [10]. In Ischämie-Reperfusionsstudien schützt Ulinastatin vor frühzeitigen Schäden, was eine Bedeutung für Lungentransplantate haben kann [11].
  • Leber: Ulinastatin schützt die Leber im Tierexperiment vor der Entwicklung eines akuten Leberversagens durch Endotoxine und Galaktosamin [12].
  • Pankreas: Ulinastatin schützt das Pankreas im Tierexperiment indem es die Entzündungsreaktion dämpft [13]. Nach der Induktion einer akut nekrotisierenden Pankreatitis durch Gallensäuren führt es zu einem geringeren Anstieg der Entzündungsparameter; der Effekt war unter gleichzeitiger Gabe von hyperbarem Sauerstoff am größten [14]. Ulinastatin schützt im Gegensatz zu Gabexat mesylat nicht vor einer Post-ERCP-Pankreatitis [15][16].
  • Allgemeine Entzündungsreaktionen: Ulinastatin kann postoperative Entzündungsreaktionen dämpfen [17]. Es hemmt die durch Lipopolysaccharide (Endotoxine) hervorgerufene systemische Entzündungsreaktion [18][19].

Verweise

Literatur

  1. ? J Biochem. 1980 Nov;88(5):1317-29
  2. ? Biol Pharm Bull. 1998;21:651–656
  3. ? Scand J Clin Lab Invest. 1991;66:117–122
  4. ? J Korean Med Sci. 2010 Jan;25(1):128-34
  5. ? Can J Anaesth. 1996 May;43(5 Pt 1):456-60
  6. ? J Cardiovasc Surg (Torino). 2007 Aug;48(4):497-503
  7. ? Burns. 2008 Aug;34(5):674-80
  8. ? J Trauma Acute Care Surg. 2012 Jan;72(1):169-76
  9. ? J Trauma. 2011 Nov;71(5):1297-304
  10. ? PLoS One. 2011;6(12):e29053
  11. ? Chin Med J (Engl). 2011 Jul;124(14):2179-83
  12. ? Dig Dis Sci. 2012 Feb;57(2):399-404
  13. ? Dig Dis Sci. 1993 Apr;38(4):660-4
  14. ? Can J Surg. 2010 August; 53(4): 241–245
  15. ? Pancreas. 2008 Nov;37(4):366-70
  16. ? Gut Liver. 2012 Apr;6(2):256-61
  17. ? Korean J Anesthesiol. 2010 Apr;58(4):334-7
  18. ? J Clin Biochem Nutr. 2008;43:139–142
  19. ? Expert Opin Investig Drugs. 2010 Apr;19(4):513-20