Phytoöstrogene

Phytoöstrogene sind organische Verbindungen pflanzlicher Herkunft mit einer östrogenartigen Wirkung auf den Menschen und auf Säugetiere. Die Hauptvertreter sind Isoflavinoide aus der Sojabohne und aus rotem Klee. Einige Beispiele von Phytoöstrogenen sind Kaempferol, Quercetin, Genistein und Resveratrol. Bei Tieren, die mit rotem Klee gefüttert werden, sinkt die Fortpflanzungsrate. Für den Menschen spielt wahrscheinlich Genistein aus Soja die Hauptrolle; bei ihm sind eine Reihe von Effekten beobachtet und untersucht worden (s. u.).


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Wirkungsmechanismen

Die Grundlage der östrogenartigen Bioaktivität der Phytoöstrogene ist ihre Bindung an Östrogenrezeptoren. Die Wirkung der Östrogene beruht auf der Bindung an zwei unterschiedliche intrazelluläre Rezeptoren, ER? und ER?.

Wirkungen

Folgende Wirkungen der Phytoöstrogene werden beobachtet:

  • Knochenstabilisierung in der Menopause: Phytoöstrogene vermindern den Knochenabbau und erhöhen die Knochendichte [1][2]. Sie können daher möglicherweise zur Knochenstabilisierung in der Menopause beitragen (siehe auch hier).
  • Fieberkrämpfe bei Kindern: Es wird vermutet, dass Soja-Phytoöstrogene die Bereitschaft für Fieberkrämpfe bei Kindern erhöhen, wie bei autistischen Kindern festgestellt wurde [3].
  • Mammakarzinom: Soja, welches das Phytoöstrogen Genestein enthält, soll vor allem Frauen asiatischer Bevölkerung vor Brustkrebs schützen, nicht dagegen westlicher (siehe hier). Im Tierexperiment kann Ganistein jedoch die Hemmwirkung von Tamoxifen auf das Tumorwachstum Östrogenrezeptor-positiver Tumore zunichte machen [4]. Mehr dazu siehe hier.
  • Klimakterische Beschwerden: Klimakterische Beschwerden der Frau (wie Hitzewallungen) werden durch Phytoöstrogene offenbar wenig beeinflusst; eine Metaanalyse dazu ergab keine eindeutig positiven Ergebnisse. Allerdings scheint Genistein, ein Phytoöstrogen der Sojabohne und rotem Klee, eine günstige Wirkung zu entfalten; die Studienlage gilt jedoch noch nicht als ausreichend [6]. (Siehe auch hier.)
  • Blutgerinnung: Genistein erhöht bei der Ratte die Aktivität der Gene, die die Blutgerinnung als auch die Fibrinolyse beeinflussen. Damit können unter seiner Wirkung unerwünschte Effekte im Gerinnungssystem auftreten [7]. Studien am Menschen zeigten jedoch, dass unter hohen Dosen von Phytoöstrogenen keine hämatologischen oder Gerinnungsabnormitäten auftraten [8].
  • Fertilität: Die Fertilität in Abhängigkeit von der Aufnahme von Isoflavonen mit östrogenartiger Wirkung wurde bei 7-Tages-Adventisten untersucht. Es zeigte sich ein Rückgang der Geburtsrate: eine hohe Aufnahme von über 40 mg/Tag bedeutete eine Reduktion der Geburtenrate von 3% gegenüber einer geringeren Aufnahme (unter 10 mg/Tag). Isoflavone können sich daher wahrscheinlich auf die Fertilität auswirken [9]. Die männliche Fertilität wird möglicherweise ebenfalls durch Phytoöstrogene von Sojaprodukten negativ beeinflusst, so dass zur Vorsicht bei der Ernährung geraten wird [10].

Verweise

Literatur

  1. ? Asian Pac J Trop Med. 2012 Mar;5(3):243-8
  2. ? Gynecol Endocrinol. 2013 Aug;29(8):735-43
  3. ? PLoS One. 2014 Mar 12;9(3):e80488
  4. ? Inflammopharmacology. 2008 Oct;16(5):219-26
  5. ? BJU Int. 2014 May;113(5b):E119-30
  6. ? Cochrane Database Syst Rev. 2013 Dec 10;12:CD001395.
  7. ? Thromb Haemost. 2010 Dec;104(6):1250-7
  8. ? J Formos Med Assoc. 2013 Dec 18. pii: S0929-6646(13)00397-5
  9. ? Int J Womens Health. 2014 Apr 5;6:377-84
  10. ? Int J Androl. 2010 Apr;33(2):304-16