Stauungsleber

Die Stauungsleber beschreibt einen Leberschaden durch akute oder chronische Blutstauung vor der rechten Herzkammer mit vorwiegender Störung der läppchenzentralen Leberarchitektur (Aufweitung der Zentralvenen und der Sinusoide mit zentralen Leberzellnekrosen) und der Leberfunktion (Glutaminsynthese, cytochromabhängige Entgiftungsmechanismen). Bei chronischer Blutstauung in der Leber kann sich eine Leberzirrhose (Cirrhose cardiaque) entwickeln.

→ Zur Anatomie und Funktion der Leber siehe hier.
→ Zur Rechtsherzinsuffizienz siehe hier.


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Das Wichtigste

Kurzgefasst
Als Stauungsleber wird eine Leberschädigung bezeichnet, die durch akute oder chronische Blutstauung vor der rechten Herzkammer zustande kommt.Ursache der Blutstauung ist eine Abflussstörung des Lebervenenbluts, in der Regel bedingt durch eine unzureichende Funktion des rechten Herzens (der rechten Herzkammer), die wiederum meist durch eine Widerstandserhöhung im Lungenkreislauf bedingt ist, aber auch durch eine Herzkrankheit zustande kommen kann.

  • Eine akute Leberstauung kommt in der Regel durch eine Lungenembolie zustande, selten durch einen Rechtsherzinfarkt oder einen akuten Lebervenenverschluss (Budd-Chiari-Syndrom). Die Leber schwillt stark an und wird schmerzhaft. Die Transaminasen können extrem hoch ansteigen.
  • Eine chronische Leberstauung entsteht meist im Rahmen einer chronischen Lungenkrankheit mit Widerstandserhöhung im kleinen Kreislauf, z. B. durch eine COPD oder eine Lungenfibrose. Auch eine chronische Herzkrankheit oder eine Abflussstörung im Bereich der Lebervenen selbst kann die Ursache sein. Die chronische Stauungsleber mündet meist in eine Leberzirrhose (Cirrhose cardiaque).

Die Behandlung der Stauungsleber zielt auf die Behebung der Ursache (siehe hier).

Entstehung

Ursachen können eine akute oder chronische Widerstandserhöhung im kleinen Kreislauf, eine Herzerkrankung oder eine Pericarditis constrictiva sein. Durch Rückstau des Bluts kommt es zu einer Aufweitung der Lebervenen und der Sinusoide und wegen des verlangsamten Abflusses zu einer erhöhten Sauerstoffausnutzung. Dadurch wird besonders der venöse Schenkel der Lebersinusoide geschädigt. Es kommt zu Verfettungen und Zelluntergängen. Da zentrolobulär viele Entgiftungsvorgänge lokalisiert sind (Zytochrom P-450), kann der Stoffwechsel von Medkamenten (z.B. Antiarrhythmika, Antikoagulanzien) gestört sein. Die Blutstauung führt zu einer Vergrößerung und dunkel-lividen Verfärbung mit Blutstauungsstraßen (Muskatnussleber). Die Abflussstörung setzt sich in das Portalvenengebiet fort und führt zu einer portalen Hypertension. Bei lange bestehender Stauung kommt es zu einer zunehmenden Leberfibrose; der Endzustand ist eine Leberzirrhose (Cirrhose cardiaque).


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Verlauf

Akute Stauungsleber

Die akute Leberstauung ist ein dramatisches Ereignis, das im Rahmen
beispielsweise einer großen Lungenembolie, aber auch bei akutem Lebervenenverschluss (Budd-Chiari-Syndrom) eintreten kann. Es kommt zu einer raschen Schwellung der Leber und damit zu einer akuten und äußerst schmerzhaften Spannung der Leberkapsel (Leberkapselspannungsschmerz). Auch bei nur geringer akuter Rechtsherzinsuffizienz ist die Leber bereits spontan und besonders auf Palpation schmerzempfindlich. Dagegen ist eine chronische Leberstauung schmerzfrei.

Bei der Lebersonographie ist die Leber vergrößert, in ihrer Echostruktur durch vermehrten Flüssigkeitsgehalt vermindert, weich und verformbar; sie hat eine glatte Oberfläche und einen abgerundeten Rand. Es kann bei Durchstauung des Bluts auf die Zuflussseite der Leber eine akute portale Hypertension mit Erweiterung der Pfortader und langsamem oder retrogradem Fluss nachgeweisen werden (siehe Duplexsonographie der Leber).

Laborchemisch fällt ein extrem rascher und starker Anstieg der Transaminasen auf in einer Höhe auf, wie sie wie bei einer akuten Hepatitis (Differenzialdiagnose!) zustande kommt. Die GOT (ASAT) ist dabei jedoch im Gegensatz zur Hepatitis höher als die GPT (ALAT).

Chronische Stauungsleber

Bei lange bestehender Rechtsherzinsuffizienz kommt es zur chronischen Stauungsleber mit Fibrosierung und schließlich zur Entwicklung einer Leberzirrhose (Cirrhose cardiaque). Die Entwicklung zu einer Leberzirrhose ist offenbar bei einer Veranlagung zu vermehrter Vernarbung beschleunigt.

Durch den gestörten Abfluss des Portalvenenbluts im Rahmen der Rechtsherzinsuffizienz kann es zu einer anhaltenden portalen Hypertension kommen, die durch die Entwicklung einer Leberzirrhose verfestigt und verstärkt werden kann.

Klinischer Befund

Als Zeichen einer Rechtsherzinsuffizienz finden sich gestaute Halsvenen, tastbare druckempfindliche Leber, Ödeme und eine Zyanose.

Bei akuter Stauung kommt es zu einem Oberbauchschmerz durch Kapselspannung der Leber (“Leberkapselspannungsschmerz“).

Bei chronischer Stauung fehlen Schmerzen im Leberbereich; dagegen werden unspezifische abdominelle Beschwerden geklagt.  Auch können spezielle Symptome hinzukommen, die auf eine Leberzirrhose hindeuten.

Diagnostik

Sonographie

In der Sonographie der Leber findet man ein in der Regel vergrößertes Organ mit erweiterten Lebervenen bei prall gefüllter V. cava. Die akute Stauungsleber ist echöärmer als normal und hat einen abgerundeten Rand sowie eine glatte Oberfläche. Die chronische Stauungsleber weist eine verdichtete Echostruktur auf. Bei einer Leberzirrhose auf dem Boden einer chronischen Stauungsleber ist die Leberoberfläche nicht mehr glatt sondern feinhöckrig.

→ Mehr zur Sonographie der Leber

Laborwerte

Typisch ist eine Transaminasenerhöhung (GOT höher als GPT); bei der akuten Leberstauung können die Transaminasen so stark wie bei einer akuten Hepatitis ansteigen.

→ Mehr zu Laborwerten
→ Mehr zu Transaminasen

Therapie

Medikamentös

  • Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung (kongestive Herzerkrankung, Lungenerkrankung mit Erhöhung des Perfusionswiderstandes), bei großer Lungenembolie gegebenenfalls Lysetherapie.
  • Cave: Der Medikamentenstoffwechsel kann bei Vorliegen einer Stauungsleber gestört sein!

Operativ

Eine operative Behandlung kommt nur in seltenen Fällen in Betracht, beispielsweise

  • eine Herzklappenoperation,
  • ein Verschluß eines Shuntvitiums der Herzens,
  • eine Perikardektomie (bei Pericarditis constrictiva),
  • eine Embolektomie aus der Arteria pulmonalis,
  • eine Herz- oder Lungentransplantation.

Liegt bereits eine Leberzirrhose vor, so limitieren sich solche Indikationen.

Sonstiges


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Verweise

Fachinformationen

Patienteninformationen