Post-ERCP-Pankreatitis

Die Post-ERCP-Pankreatitis ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse in der Folge einer endoskopischen retrograden Röntgendarstellung der Gallenwege und der Pankreasgänge (endoskopische rertograde Cholangiopancreaticographie, ERCP).

Zur ERCP siehe hier.
Zur akuten Pankreatitis siehe hier.


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Inzidenz

Die Inzidenz einer Post-ERCP-Pankreatitis ist nicht zu vernachlässigen. Nach einer ERCP tritt sie bei etwa 4% der Patienten mit niedrigem Risiko und bei bis zu 40% der Patienten mit hohem Risiko auf! (Review bei [1])

Risikofaktoren

Risikofaktoren für eine Post-ERCP-Pankreatitis sind: junges Alter, weibliches Geschlecht, Pankreas divisum, Sphincter-Oddi-Dysfunktion, vorangegangene oder vorbestehende Pankreatitis, nicht erweiterter bzw. enger Gallengang [2], Zahl der Kanülierungsversuche [3]

Ursache und Entstehung

Die Entstehung einer Pankreatitis nach ERCP ist noch nicht vollständig geklärt. Eine bakterielle Einschleppung während der Injektion von Kontrastmittel scheint eine untergeordnete Rolle zu spielen. Eine Neigung zu spastischer Verkrampfung und eine Verschwellung der Papilla Vateri durch Manipulation mit dem Katheter ist wohl wesentlich bedeutsamer.

Möglicherweise spielt eine besondere Bereitschaft des Pankreas für Entzündungen eine Rolle (siehe unter “Hereditäre Pankreatitis“).

Vorbeugung

Verschiedene Maßnahmen sollten ergriffen werden, um das Risiko einer Post-ERCP-Pankreatitis zu senken:

Allgemeine Maßnahmen

  • Strenge Indikation zur ERCP
  • Anfänger sollten nur 1-2 Intubationsversuche der Papille durchführen, dann Abgabe des Geräts an erfahrenen Untersucher
  • Vermeidung multipler Intubationsversuche bei der ERCP,
  • Stentung des Pankreasgangs in besonderen Fällen (z. B. bei Sphincter-Oddi-Dysfunktion oder Precut-Sphinkterotomie in Richtung Gallengang [4][5]. In der Stentgruppe einer Studie fanden sich nur 5% gegenüber 28% Post-ERCP-Pankreatitiden [6].

Medikamentöse Vorbeugung

  • Medikamentöse Prophylaxe durch rektale Applikation von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR): Eine Metaanalyse zeigt, dass das Risiko, eine Pankreatitis zu entwickeln, bei Patienten, die vor der ERCP NSAR rektal bekamen, um 64% sank, dasjenige für eine schwere Pankreatitis sogar um 90% [7]. In einer Studie wurde nachgewiesen, dass auch eine geringe Dosis von 50 mg Diclofenac bzw. 25 mg bei Patienten unter 50 kg Körpergewicht 1/2 Stunde vor der ERCP verabreicht die Post-ERCP-Pankreatitis wirkungsvoll verhindern kann (3,9% gegenüber 18,9% der Kontrollgruppe) [8].
  • Rektales Indometacin kann laut einer Studie auch vor der ERCP verabreicht werden, ohne dass die Blutungsgefahr (gegenüber einer postprozeduralen Applikation) erhöht ist. In dieser Studie an 2600 Patienten lag die Pankreatitishäufigkeit unter präprozeduraler Indometacin-Applikation bei 3% und unter postprozeduraler Prophylaxe bei 6%; gastrointestinale Blutungen traten in beiden Gruppen in etwa 1% auf; das Risiko biliärer Infektionen sank geringfügig auf etwa 2% (vs. 3%).  1)Lancet. 2016 Apr 28. pii: S0140-6736(16)30310-5. doi: 10.1016/S0140-6736(16)30310-5. .

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Literatur

  1. ? World J Gastroenterol 2007 July 14;13(26): 3567-3574
  2. ? Gastrointest Endosc 1998; 48: 1-10
  3. ? Gastrointest Endosc 2001; 54: 425-434
  4. ? Clin Gastroenterol Hepatol. 2007 Nov;5(11):1354-65
  5. ? Gastrointest Endosc. 2007 Jun;65(7):960-8
  6. ? Gastrointest Endosc 2003; 57: 291-294
  7. ? Gut 2008; 57: 1262-1267
  8. ? J Gastroenterol. 2012 Aug;47(8):912-7

Verweise

Akute Pankreatitis
Chronische Pankreatitis
Hereditäre Pankreatitis
Eosinophile Pankreatitis
IgG4-assoziierte Pankreatitis
Alkoholpankreatitis

Genetische Grundlagen der Pankreatitis

Chronische Pankreatitis in Bildern

Patienteninfos

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. Lancet. 2016 Apr 28. pii: S0140-6736(16)30310-5. doi: 10.1016/S0140-6736(16)30310-5.