Paradoxe Diarrhö

Artikel aktualisiert am 5. Januar 2024

Als paradoxe Diarrhö wird durchfälliger Stuhl bezeichnet, der trotz eines Hindernisses (Stenose) im Enddarmbereich (unteres Sigma und Rektum) auftritt.

Stenosierendes Rektumkarzinom
Stenosierendes Rektumkarzinom. Die Lumenverengung kann zu einer Koprostase (Stau von Darminhalt vor dem Hindernis) führen. Der Darm hilft sich, indem er den Stuhl soweit verflüssigt, dass er passieren kann. Es entsteht eine paradoxe Diarrhö.

Die Schleimhaut des Dickdarms verflüssigt den sich vor dem Hindernis anstauenden Stuhl durch Schleimsekretion so, dass er passieren kann.


Ursachen

Das ursächliche Hindernis für die Passage des Darminhalts kann ein fast lumenverschließender Tumor (Dickdarmkarzinom) oder ein großer verhärteter Kotballen (Skybala) sein. Dieser kann durch Flüssigkeitsentzug des Stuhls im Enddarm entstehen. Häufig tritt er im Rahmen einer Koprostase (Stillstand des Enddarminhalts) bei Darmträgheit und Austrocknung (Exsikkose) auf. Alte und bettlägrige Menschen sind davon häufiger betroffen, besonders wenn eine Zuckerkrankheit mit einer intestinalen Neuropathie vorliegt. Ohne technische Hilfsmittel sind Skybala oft nicht zu entfernen.

Diagnostik und Therapie

Um die Ursache erkennen zu können, ist eine digitale Austastung des Enddarms (Rektum) und anschließend eine Spiegelung (Endoskopie) erforderlich. Wenn bei einer digitalen Austastung große Skybala (Kotverfestigungen, Kotsteine) gefunden werden, können sie meist auch digital zerkleinert und ausgeräumt werden; ansonsten muss dies endoskopisch erfolgen. Der Nachweis von Kotballen im Rektum schließt einen Tumor nicht aus, sodass in jedem Fall eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie) folgen sollte.

→ Mehr zur Enddarmuntersuchung siehe hier.


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Verweise