Osteosarkom

Artikel aktualisiert am 23. März 2023

Osteosarkom (engl.: osteosarcoma) bedeutet bösartiger Tumor des Knochens. Es ist der häufigste Knochentumor bei Kindern und Heranwachsenden.

Allgemeines


Beim Osteosarkom handelt es sich um einen malignen Tumor, der meist von den knochenbildenden Zellen der Metaphysen langer Röhrenknochen ausgeht. In etwa der Hälfte der Fälle liegt der Krebs in der Nähe des Kniegelenks, z.B. am distalen Femur oder der proximalen Tibia. Auch der proximale Oberarm kann betroffen sein.

Er betrifft genau wie das Ewing-Sarkom Kinder mit einem Altersgipfel bei 10 Jahren. Jungen sind etwas häufiger als Mädchen betroffen.

Je nach der Zellart, die maligne transfomiert ist, unterscheidet man zwischen Osteosarkomen, die von

  • fibroblastischen (Bindegewebszellen),
  • osteoklastischen (Knochen abbauende Zellen) oder
  • chondroblastischen (Knorpelzellen)

ausgehen.

Eine Hyperurikämie (zu hohe Harnsäurewerte im Blut) wirkt sich ungünstig auf den Verlauf aus. (1)Biol. 2016 Jan;37(1):1205-10. DOI: 10.1007/s13277-015-3830-3

Inzidenz

Das Osteosarkom ist sehr selten. Die Inzidenz liegt bei 2-3 Fällen auf 1 Mio pro Jahr.

Klinik, Symptome

Die Symptome ähneln stark dem Ewing-Sarkom. Auch die frühe Metastasierung in Lunge und Skelett findet man hier. Eine wichtige Differentialdiagnose ist die Osteomyelitis (Form einer Knochenentzündung).
Hauptbefunde:

  • Schmerzen mit Bewegungseinschränkung
  • Schwellung und Überwärmung, Rötung

Diagnostik

  • Röntgen: typische Zeichen sind Spiculae und ein senkrecht zum Knochen wachsender Tumor. Osteolysen (Knochenauflösungsherde) und Periostabhebungen. Ein Röntgen-Thorax dient zur Abklärung möglicher Lungenmetastasen.
  • Computertomographie
  • Skelettszintigraphie
  • Biopsie des Knochens (obligat!)

Nicht kodierende RNA als Prognosefaktoren

LncRNA TUG1 (long non-coding RNA Taurine up-regulated gene 1) wurde in den Osteosarkom-Geweben im Vergleich zu normalem Gewebe deutlich überexprimiert. Es reguliert die Apoptose und Proliferation von Osteosarkomzellen. Die TUG1-Expression kann durch eine quantitativen Polymerase-Kettenreaktion nachgewiesen werden. Bei wirksamer Therapie sinkt die Aktivität. Sie kann als Prognosefaktor dienen. (2)Tumour Biol. 2016 Apr;37(4):4445-55. DOI: 10.1007/s13277-015-4301-6 (3)J Cancer Res Ther. 2018 Jun;14(Supplement):S405-S409. DOI: 10.4103/0973-1482.172585. (4)Mol Med. 2021 May 26;27(1):51. doi: 10.1186/s10020-021-00312-4

Therapie

Das prinzipielle Therapieschema lautet, ähnlich wie beim Ewing-Sarkom: Präoperative (neoadjuvante) Chemotherapie zur Verkleinerung der Metastasen und des Primärtumors. Anschließend folgen Operation mit Amputation, Endoprothese und danach eine postoperative Chemotherapie zur Rezidivprophylaxe. Die meisten Therapieregime beinhalten Cisplatin, Doxorubicin und „high-dose“ Methotrexat. (5)Am Soc Clin Oncol Educ Book. 2015;35:e644-7. doi: 10.14694/EdBook_AM.2015.35.e644 In Sonderfällen eines extraossären Osteosarkoms wurde mit Gemcitabine plus Docetaxel ein Ansprechen über 14 Monate erzielt. (6)Oncol Lett. 2015 Jun;9(6):2567-2571

Als adjuvante Therapie wird Mifamurtid empfohlen (s. u.). Es verbessert Lebenserwartung und Lebensqualität junger Patienten mit resektablen Tumoren (siehe hier).

Immuntherapie: Ein neuer Ansatz betrifft eine Immuntherapie. Ausgangspunkt ist eine erhöhte Anzahl tumorinfiltrierender T-Lymphozyten sowie die erhöhte PD-L1-Expression in Metastasen im Vergleich zu Primärtumoren. Diese Strukturen können für T-Zellen attraktiv und einer T-Zell-basierten Immuntherapie zugänglich sein. (7)Cancer Immunol Immunother. 2017 Jan;66(1):119-128. doi: 10.1007/s00262-016-1925-3

Lokale Hyperthermie: Eine magnetische lokale Hyperthermie (erzeugt durch im Magnetfeld wirbelnde Mikromagneten) verbunden mit einer Immun-Checkpointblockade haben bereits exzellente kurative Ergebnisse erbracht. (8)Bioact Mater. 2023 Jan 23;25:73-85. DOI: 10.1016/j.bioactmat.2023.01.008.

Prognose

Bei intensiver Behandlung liegt die 5-Jahresüberlebenswahrscheinlichkeit für nicht metastasierte Osteosarkome bei etwa 60-70%, für metastasierte bei 30%. (9)Front Endocrinol (Lausanne). 2015 May 13;6:74. doi: 10.3389/fendo.2015.00074 Bei operablen Osteosarkomen führt eine anschließende Chemotherapie zu einer Verbesserung des Gesamtüberlebens; die krankheitsfreie Überlebensrate nach 25 Jahren lag bei Patienten, die eine adjuvante Chemotherapie bekamen, bei 28%, bei denen, die nur beobachtet wurden, bei 15%. (10)Cancer. 2012 Dec 1;118(23):5888-93

Mifamurtid (Mepact®) ist ein Immunmodulator mit Antitumoreigenschaften (11)Paediatr Drugs. 2010 Jun;12(3):141-53, dessen adjuvante Applikation bei der Chemotherapie des kindlichen Osteosarkoms die erwartbare Lebenszeit um 15% steigern soll. (12)Tumour Biol. 2014 Sep;35(9):8771-9 Dazu siehe hier.


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Verweise

 


Autor: Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (s. Impressum)


 

Literatur[+]