MERS

MERS ist eine schwer verlaufende Virusinfektion der unteren Atemwege, die vor allem in der Golfregion des Mittleren Ostens auftritt. MERS bedeutet „Middle East respiratory syndrome” und wird durch ein Coronavirus (MERS-CoV) hervorgerufen.


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Erreger

Das Virus wurde 2012 entdeckt [1] [2]. Es ist ein langes einzelsträngiges RNA-Virus, das mit SARS-CoV verwandt ist. Es führt im Körper zu einer Zytokin-Dysregulation. Ähnlich wie SARS-CoV führt eine Infektion nicht zu einer frühen Typ-1-Interferon-Antwort, was der Infektion zugute kommt [3] [4].

Epidemiologie

MERS-Infektionen beim Menschen treten endemisch auf, haben aber befördert durch Fernreisen das Potential zu einer Pandemie.

Als Überträger von MERS-CoV gilt das Dromedar [5] [6]. MERS-CoV wurde in fast der Hälfte von 12 Kamelmilch-Proben gefunden [7]. Auch Fledermäuse werden als Reservoir vermutet [8] [9].

Eine Ausbreitung von Mensch zu Mensch ist nach der Beobachtung eines Ausbruchs in einem Krankenhaus 2013 als sicher anzusehen [10]. Durch Tröpfcheninfektion sind (wie bei Grippe) Menschen in der Umgebung Infizierter gefährdet.

MERS-Ausbruch in einem Krankenhaus 2013

Ein MERS-Ausbruch in Jeddah (Saudi Arabien) 2014 wurde systematisch untersucht, wobei alle Fälle, die dem Gesundheitsministerium gemeldet wurden, erfasst wurden. Von 255 Patienten mit MERS-CoV-Infektion starben 93 (36,5%); 64 (51,1%) waren asymptomatisch. Etwa 40% der symptomatischen Patienten waren Gesundheitspersonal. 109 Patienten, steckten sich an Gesundheitspersonal an. Der Hospital-Ausbruch von MERS war eindeutig über Kontakt mit infizierten Schwestern, Pflegern und Ärzten zustande gekommen [11]. Dies unterstreicht die Bedeutung einer dringlichen Isolation der Infizierten zu einem möglichst frühen Zeitpunkt.

MERS-Ausbruch in Südkorea 2015

Im Mai/Juni 2015 ist es zu einer epidemischen Ausbreitung des MERS-CoV in Südkorea gekommen, die durch mangelhafte und zu spät eingeleitete Schutzmaßnahmen nicht aufgehalten wurde [12]. Ausgangspunkt war wahrscheinlich ein infizierter Arzt, der an einem Symposium teilnahm und damit über 1500 andere Teilnehmer gefährdete und einige von ihnen infizierte [13].

Symptomatik

MERS ruft ein akutes respiratorisches Distress-Syndrom (ARDS) hervor und verläuft mit etwa 40% Todesfällen deutlich gefährlicher als SARS (severe acute respiratory syndrome) mit etwa 10% Todesfällen. Es werden auch milde oder asymptomatische Verläufe beobachtet [14].

Die Symptome beinhalten eine rasch zunehmende Atemnot, Fieber und gastrointestinale Symptome. Bei einem MERS-Ausbruch in einem Hospital im mittleren Osten wurden folgende Symptome gefunden: Fieber und Husten bei 20 Patienten (87%), Atemnot bei 11 Patienten (48%) und Magendarmsymptome bei 8 Patienten (35%). Bei 20 Patienten (87%) fanden sich Lungeninfiltrationen im Röntgenbild [15].

Diagnostik

Die akute Verschlechterung einer unteren Atemwegsinfektion, bei der kein Hinweis auf eine bakterielle Genese vorliegt, muss an eine schwerwiegende Virusinfektion denken lassen.

Die definitive Diagnose erfolgt durch den Virusnachweis per Reverse-Transcriptions-PCR [16].

Therapie

Die Behandlung erfolgt symptomatisch. Genügend Erfahrung mit Virustatika besteht noch nicht [17]. (Vergleiche auch SARS.)
Eine wesentliche Maßnahme besteht in einer systematischen Isolation möglicherweise infizierter Menschen (Quarantäne, ggf. Schließung von Schulen etc.).

Es werden Impfstoffe entwickelt und in Studien getestet. 1) 2018 Feb 1;14(2):304-313. doi: 10.1080/21645515.2017.1389362.

Verweise

Literatur

  1. ? Euro Surveill. 2012 Oct 4;17(40):20290.
  2. ? N Engl J Med. 2012 Nov 8;367(19):1814-20
  3. ? MBio. 2013 Feb 19;4(1):e00611-12. doi: 10.1128/mBio.00611-12
  4. ? J Virol. 2013 May;87(9):5300-4
  5. ? MBio. 2014 Jul 22;5(4):e01450-14
  6. ? Paediatr Respir Rev. 2015 Apr 18. pii: S1526-0542(15)00031-7. doi: 10.1016/j.prrv.2015.04.002.
  7. ? Euro Surveill. 2014 Jun 12;19(23). pii: 20829
  8. ? Emerg Infect Dis. 2013 Oct;19(10):1697-9
  9. ? Virus Res. 2015 May 18;205:1-6
  10. ? N Engl J Med. 2013 Aug 1;369(5):407-16
  11. ? N Engl J Med. 2015 Feb 26;372(9):846-54
  12. ? BMJ. 2015 Jun 5;350:h3095. doi: 10.1136/bmj.h3095
  13. ? , CNN-Bericht 8.6.2015
  14. ? Clin Microbiol Infect. 2014 May;20(5):469-74.
  15. ? N Engl J Med. 2013 Aug 1;369(5):407-16
  16. ? Clin Microbiol Rev. 2015 Apr;28(2):465-522
  17. ? PLoS Pathog. 2013;9(9):e1003595. doi: 10.1371/journal.ppat.1003595


Literatur   [ + ]

1. 2018 Feb 1;14(2):304-313. doi: 10.1080/21645515.2017.1389362.