Kryptogene cerebrale Ischämie

Kryptogene cerebrale Ischämie bedeutet Minderdurchblutung des Gehirns ohne erkennbare Ursache. Ischämische cerebrale Insulte (transitorisch ischämische Attacke (TIA) oder Schlaganfall) ohne erkennbare Ursache kommen nicht zu selten vor. Neuere Untersuchungen zeigen, dass intermittierendes Vorhofflimmern, das bei konventionellen Untersuchungen unerkannt bleibt, eine wesentliche Ursache darstellen kann.

Studien

  • In einer Studie wurden 572 Patienten im Alter von mindestens 55 Jahren untersucht, die innerhalb der letzten 6 Monate eine unerklärte cerebrale Ischämie erlitten hatten. Die Überwachung von 280 von ihnen durch einen 30-Tage-Rekorder erbrachte in 16,1% der Fälle einen Nachweis von Vorhofflimmern von mindestens 30 Sekunden Dauer; Episoden von mindestens 2,5 Minuten Dauer waren in 9,9% der Fälle nachweisbar. In der Kontrollgruppe mit Standardtests inklusive einem 24-Stunden-EKG wurden in nur 3,2 bzw. 2,5% der Fälle Episoden von Vorhofflimmern gefunden [1].
  • In einer weiteren Studie wurde ein ähnliches Ergebnis mit Hilfe eines implantierbaren Herzminitors erzielt: in 8,9% (vs. 1,4% in der Kontrollgruppe mit konventionellen Nachuntersuchungen) fand sich ein intermittierendes Vorhofflimmern [2].

Bedeutung

Diese Befunde deuten darauf hin, dass auch bei einem kryptogenen ischämischen cerebralen Geschehen eine sehr sorgfältige kardiale Untersuchung durchgeführt werden muss, bei der ein konventionelles Speicher-EKG nicht ausreichend ist. Der Nachweis von intermittierendem Vorhofflimmern hat insofern therapeutische Konsequenzen, als in diesen Fällen eine Antiarrhythmikatherapie und eine verlängerte Antikoagulation erforderlich sein wird. Auch muss die Ursache der Neigung zur absoluten Arrhythmie untersucht werden: Latente Hyperthyreose? Koronare Herzkrankheit? Herzklappenkrankheit? Mehr dazu siehe hier.

Verweise

Patienteninfos

Literatur

  1. ? N Engl J Med. 2014 Jun 26;370(26):2467-77.
  2. ? N Engl J Med. 2014 Jun 26;370(26):2478-86