Kapselendoskopie

Kapselendoskopie bedeutet Besichtigung des Verdauungstraktes mit Hilfe einer in einer kleinen Kapsel untergebrachten Kamera, die ihre Bilder kontinuierlich einem Empfänger, der auf dem Körper getragen wird, sendet (PillCam = Kamera in Form einer Pille, besser Kapsel).


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Aussagefähigkeit

Solange die Kapsel nahen Kontakt zur Schleimhaut hat, sind gute Bilder erwartbar. Beeinträchtigt wird die Aussagefähigkeit durch

  • zu rasche Passage der Kapsel über eine (vielleicht wichtige) Stelle,
  • Magen-/Darminhalt

Klassisches Ziel der Untersuchung ist der Dünndarm, aber es können auch Aussagen getroffen werden zur Speiseröhre (Ösophagus) (z. B. zur Klärung von Ösophagusvarizen [1][2]) oder zum Dickdarm (Kolon)[3][4], das jedoch zuvor durch Abführmaßnahmen gereinigt werden muss.

Normale Dünndarmschleimhaut mit erkennbaren Zotten.

Offenbar werden pathologische Strukturen nicht alle angezeigt. Dies ist aus dem Befund zu schließen, dass die Hauptpapille des Gallengangs (Papilla maior) in kaum 50% der Fälle gesehen wird 1) 2016 Mar 14;22(10):3066-8. doi: 10.3748/wjg.v22.i10.3066..

Neue Entwicklungen (Ballonenteroskopie) ermöglichen die Erreichung der durch die Kapselendoskopie entdeckten entfernten krankhaften Schleimhautbezirke für Biopsien oder eine Laserkoagulation.

Indikationen

  • Suche von verborgenen Blutungsquellen oder eines Tumors, insbesondere in Bereichen, die der konventionellen Endoskopie (Gastroskopie, Koloskopie) nicht oder nur schwer zugänglich sind, wie im mittleren und unteren Teil des Dünndarms,
  • Ausbreitungsdiagnostik beim Morbus Crohn (alternativ oder ergänzend zum MR-Sellink),
  • Untersuchung des Intestinaltrakts bei Kontraindikationen oder Ablehnung der konventionellen Endoskopie durch den Patienten.

Komplikationen

Insgesamt sind Komplikationen sehr selten.

Die Hauptkomplikation betrifft eine Darmverengung (Stenose): Obwohl die Kapsel relativ groß ist, kann sie ähnlich einer großen Medikamentenkapsel in der Regel gut geschluckt werden. Sie löst sich jedoch allerdings nicht im Darmkanal auf und kann an einer höhergradigen Engstellung (Stenose, z. B. beim Morbus Crohn) hängen bleiben und zum Darmverschuss (Ileus) führen. Bei einem symptomatischen Morbus Crohn sollte eine solche Stenose vor einer Kapseluntersuchung weitgehend ausgeschlossen sein. Eine in einer Stenose stecken gebliebene Kapsel muss operativ entfernt werden. Dies ist dann nicht nachteilig, wenn die Stenose sowieso operativ angegangen werden muss. Eine entsprechende Aufklärung ist erforderlich.

Entwicklungen

Die Auswertung der Videosequenzen einer Dünndarmpassage ist zeitaufwändig. Um sie zu automatisieren, müssen Bilderkennungsalgoritmen gefunden werden, die eine mindestens ebenso gute Detektion z. B. von Angiodysplasien, Entzündungen, Polypen und Tumoren wie der menschliche Untersucher gewährleisten. Erste Untersuchungen dazu sind erfolgversprechend 2). 2017 Jun; 5(6): E477–E483. doi:  10.1055/s-0043-105488.

Verweise

Literatur

  1. ? Endoscopy. 2006 Jan;38(1):31-5
  2. ? Endoscopy. 2006 Jan;38(1):36-41
  3. ? Endoscopy. 2006 Oct;38(10):963-70
  4. ? Endoscopy. 2006 Oct;38(10):971-7


Literatur   [ + ]

1. 2016 Mar 14;22(10):3066-8. doi: 10.3748/wjg.v22.i10.3066.
2. . 2017 Jun; 5(6): E477–E483. doi:  10.1055/s-0043-105488