Gichtarthritis

Die Gichtarthritis (Arthritis urica) ist eine Manifestation der Gicht an Gelenken. Meist tritt sie im Rahmen eines akuten Gichtanfalls an nur einem Gelenk auf und ist sehr schmerzhaft. Im akuten Stadium führen Colchicin, NSAR und Glukokortikoide in der Regel rasch zur Schmerzfreiheit. Chronische Stadien der Gichtarthritis bedürfen einer langfristigen Therapie. In jedem Fall muss die Ursache diagnostiziert und behandelt werden.


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Entstehung

Die Gichtarthritis ist eine Komplikation der Gicht, einer Stoffwechselkrankheit, bei der ein zu hoher Harnsäurespiegel im Blut vorliegt (Hyperurikämie).

Harnsäurekristalle fallen bevorzugt in saurem Milieu aus (Niere, saure Mukopolysaccharide des Knorpels, bradytrophe Gewebe); es kommt zur Gewebszerstörung und Freisetzung von Entzündungsmediatoren. Die Harnsäurekristalle können sich in Form von Tophi in der Haut oder in Knochen ablagern.

Klinik

Meist manifestiert sich die Gicht als erstes durch einen akuten Gichtanfall an einem Gelenk.

Die akute Gichtarthritis bei primärer Gicht findet sich typischerweise bei Männern über 25 Jahren; er wird oft ausgelöst durch opulente Mahlzeiten, Alkohol (die dadurch ausgelöste Laktatazidose hemmt die Harnsäureausscheidung) oder Saluretika (sie hemmen die Harnsäureausscheidung).

Der akute Gichtanfall beginnt meist an einem Gelenk mit starker Rötung, Schwellung und Schmerzhaftigkeit. Es können verschiedene Gelenke befallen sein; folgende Lokalisationen sind relativ häufig :

  • Podagra: Manifestation am Großzehengrundgelenk
  • Chiragra: Manifestation an Gelenken der Hand
  • Omagra: Manifestation an der Schulter

 

Spätfolgen der Gichtarthritis sind Gelenkzerstörungen.

Differentialdiagnosen der Gichtarthritis sind alle Monarthritiden (z.B. Gonorrhoe-Arthritis, Lyme-Arthritis, Arthritis bei Morbus Bechterew, Arthritis bei infektiösen Darmkrankheiten (z. B. Yersiniose) und chronisch entzündliche Darmerkrankungen).

Therapie

Die akute Gichtarthritis ist meist außerordentlich schmerzhaft und bedarf einer sofortigen antientzündlichen Therapie.

  • Colchicin (klassisches Medikament für die akute Gicht) führt zu rascher Besserung der Gelenkschmerzen. Nebenwirkungen: Diarrhö und toxische Knochenmarksuppression. Daher wird häufig auf Colchicin selbst im akuten Gichtanfall verzichtet.
  • NSAR sind wirksam (Nebenwirkungen Magenulkus und gelegentlich eine akutes Nierenversagen). Coxibe sind wirksam (auf kardiale Nebenwirkungen achten!)
  • Glukokortikoide sind wirksam und unterdrücken die Entzündung; ggf. intraartikuläre Injektion (cave: Pyarthros, Sepsis).
Parallel wird der Harnsäurespiegel durch Allopurinol gesenkt. Diätetisch wird auf "kernreiche Kost" (Innereien, Fleisch) verzichtet (s.u.).

Vorbeugung des Gichtanfalls: purinarme Kost: Vermeidung von Innereien und Fleisch. Normalisierung des Körpergewichts. Vermeidung von Alkohol und unnötigen Saluretika. Senkung des Harnsäurespiegels mit Allopurinol. Alkalisierung des Urins und viel Flüssigkeit zur Steinprophylaxe.

Prognose

Die Gichtarthropathie lässt sich durch eine suffiziente Senkung des Harnsäurespiegels aufhalten.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).