Dysphagie

Dysphagie bedeutet Schluckbeschwerden, Missempfindung beim Schlucken, Störung des Schluckakts.

Einteilung

  • oropharyngeale Dysphagie: Störung des Schluckaktes bis zum Eintritt in den Ösophagus, meist bedingt durch eine neuromuskuläre Störung
  • ösophageale Dysphagie: Störung des Schluckaktes im Bereich des Ösophagus, die durch ein mechanisches Hindernis, entzündlich, neuromuskulär oder psychisch verursacht sein kann. Wenn die Störung schmerzhaft ist, wird sie als Odynophagie bezeichnet.

Ursachen und Differentialdiagnosen

Wenn Schluckbeschwerden neu auftreten, so ist am häufigsten eine Rachen- und Kehlkopfentzündung im Rahmen eines Virusinfekts (grippaler Infekt) die Ursache. Eine Reihe weiterer Ursachen ist diagnostisch zu berücksichtigen, von denen einige schwerwiegend sein können und einer genauen Diagnostik bedürfen.

Ursachen der oropharyngealen Dysphagie

  • Organische Störung:
    • Tumor im Halsbereich,
    • Zenker-Divertikel,
    • Struma,
    • zervikale Osteophyten der Wirbelsäule

Ursachen der ösophagealen Dysphagie

  • Organische Störung: Ösophaguskarzinom, membranöse Ringbildung (Schatzki-Ring), entzündliche Stenose (bei Refluxösophagitis, nach Verätzungen), ösophageales Divertikel (z. B. Zenker-Divertikel), Cardiakarzinom, Aortenaneurysma, extraösophagealer Tumor, Fundoplikatio, Druck durch atypisch verlaufende Gefäße (Dysphagia lusoria, meist bedingt durch eine aus der Aorta descendens abgehende Arteria subclavia dextra)
  • Entzündung: Ösophagitis (bedingt beispielsweise durch Reflux, Soor, CMV)
  • Verkrampfung der Muskulatur: unkoordiniertes Schlucken bei hastigem Essen (Globusgefühl),  spastische Kontraktion um mangelhaft gekaute Speisebrocken;
    • in extremer Ausprägung: „Nussknackerösophagus“ 1)Neurogastroenterol Motil. 2018 May;30(5):e13276. DOI: 10.1111/nmo.13276. Epub 2017 Dec 21. PMID: … Continue reading. Oft liegt dem Phänomen ein „hyperkontraktiler Ösophagus“ zugrunde. 2)Am J Gastroenterol. 2021 Feb 1;116(2):263-273. DOI: 10.14309/ajg.0000000000001061. PMID: 33273259.
    • hypertrophierter und zu Spastik neigender unterer Ösophagussphincter
  • in der Speiseröhre festsitzender Fremdkörper, Speisebolus

Schweregrad

Grad 1 Auslösung nur durch feste Nahrungsbestandteile
Grad 2 auch weichgekaute Speisen können nicht geschluckt werden, Notwendigkeit pürierter Kost
Grad 3 Notwendigkeit flüssiger Kost
Grad 4 Flüssigkeitsaufnahme nicht ausreichend möglich

Auswirkungen

Eine höhergradige Dysphagie wirkt sich auf die Gewichtsentwicklung negativ aus. Es kommt je nach Ausprägung zu einer mehr oder weniger starken Gewichtsabnahme. Bei akuter Dysphagie mit Regurgitation von Geschlucktem kann Hustenreiz entstehen; bei Aspiration kann es zu einer Aspirationspneumonie kommen.

Diagnostik

Eine funktionelle Dysphagie ist ein solitäres Ereignis ohne besondere Krankheitsbedeutung, dem nicht unbedingt diagnostisch sofort nachgegangen werden muss. Treten die Ereignisse häufiger auf, sind besonders ausgeprägt, führen zu Komplikationen oder lösen sich nicht gleich wieder, so ist eine Diagnostik erforderlich.

Eine Unterscheidung zwischen oropharyngealer und ösophagealer Ursache ist anamnestisch bereits gut möglich, wenn  nach Stimmveränderungen und Halsschmerzen (oropharyngeale Ursache) sowie nach Aspiration, Husten und dem Gefühl einer Verkrampfung hinter dem Brustbein beim /nach einem Schluckakt (ösophageale Ursache) gefragt wird.

Anamnese

Folgende Informationen lassen auf die Ursache einer Dysphagie schließen:

Technische Untersuchungen

  • Ösophagogastroskopie: die Gastroskopie ist obligat: Nachweis von obstruierenden, entzündlichen oder tumorösen Veränderungen mit Gewinnung von Gewebeproben für die Histologie
  • Ösophagusbreischluck (Ösophagographie): als einfache Funktionsbeobachtung oft unerlässlich
  • Endosonographie: Durch sie Nachweis infiltrativer Prozesse; Indikation bei endoskopischem Verdacht
  • pH-Metrie: Durch sie Nachweis von saurem Reflux; kann Bedeutung haben zur Erkennung des zugrunde liegenden Pathomechanismus und zur Quantifizierung
  • Provokationstests bei Verdacht auf einen hypermotilen Ösophagus 3)F1000Res. 2019 Aug 29;8:F1000 Faculty Rev-1527. DOI: 10.12688/f1000research.18900.1. PMID: … Continue reading

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Schweregrad. 4)F1000Res. 2019 Aug 29;8:F1000 Faculty Rev-1527. DOI: 10.12688/f1000research.18900.1. PMID: … Continue reading

Liegt ein Bolusverschluss (steckengebliegener Bissen) der Speiseröhre vor, so kann er i.d.R. endoskopisch behoben werden. Bei der Gelegenheit kann auch gleich die Ursache des Steckenbleibens diagnostiziert werden, so beispielsweise ein hyperkontraktilen unteren Ösophagssphicter, eine Achalasie, eine Ösophagitis oder ein Ösophaguskarzinom.

Liegt ein hyperkontraktiler Ösophagus bzw. ein spastisch reagierender und hypertrophierter unterer Ösophagussphincter (Achalasie) vor, so kann eine endoskopische Bougierung und / oder eine Botulinumtoxin-Injektion dort eine zeitweilige Verbesserung herbeiführen. 5)Am J Gastroenterol. 2021 Feb 1;116(2):263-273. DOI: 10.14309/ajg.0000000000001061. PMID: 33273259.

Liegt eine eosinophile Ösophagitis vor, so kann eine Anti-IL-5-Therapie wirksam sein (siehe hier).

Bei Schweregrad 3 und 4 werden Maßnahmen zur ausreichenden Zufuhr von Kalorien und Flüssigkeit über eine nasogastrale Ernährungssonde, eine PEG-Sonde oder Witzel-Fistel (operativ angelegter Magenzugang durch die Bauchdecke) oder über Infusionen erforderlich.


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Verweise

Fachinfos

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 Neurogastroenterol Motil. 2018 May;30(5):e13276. DOI: 10.1111/nmo.13276. Epub 2017 Dec 21. PMID: 29266608.
2, 5 Am J Gastroenterol. 2021 Feb 1;116(2):263-273. DOI: 10.14309/ajg.0000000000001061. PMID: 33273259.
3, 4 F1000Res. 2019 Aug 29;8:F1000 Faculty Rev-1527. DOI: 10.12688/f1000research.18900.1. PMID: 31508201; PMCID: PMC6719674.