Amyloidose

Die Amyloidose ist eine Krankheit, die durch die Ablagerung des Proteins Amyloid in verschiedenen Organen und Geweben des Körpers charakterisiert ist. Durch sie kommen Störungen der Funktion von Organen bis hin zum Organausfall zustande. Es wird eine primäre von einer sekundären Form unterschieden.


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Pathogenese der Amyloidose

  • Eine zentrale Rolle in der Amyloidbildung spielt das Transthyretin (TTR). Es ist ein tetrameres Protein, welches im Blut Thyroxin und das Retinol bindende Protein (ein Komplex) bindet und transportiert [1]. Es gilt als ein Anti-Akutphaseprotein, dessen Konzentration durch Entzündungen im Körper beeinflusst wird.
  • Bei der systemischen Altersamyloidose (senile systemic amyloidosis, SSA), der sporadischen Amyloidose älterer Menschen, spielt offenbar die Dissoziation des Transthyretin (TTR) Tetramers vom Wildtyp eine entscheidende Rolle. Über ein monomeres amyloidogenes Intermediat bilden sich Amyloidfibrillen.
  • Die Entstehung einer familiären Amyloidose (autosomal dominante hereditäre systemische Amyloidose) wird einer Variante des TTR (Transthyretin) zugeschrieben [2], die früher als die SAA (senile Form) auftritt. Die familiäre Amyloidose kann verschiedene Organe betreffen, so z. B. die familiäre Amyloid-Polyneuropathie (FAP) und die familiäre Amyloid-Kardiomyopathie (FAC). Inzwischen wurde durch genetische Analyse eine Gen-Variante eines Microglobulins als eine Ursache festgestellt [3].
  • Die zerebrale Amyloidangiopathie (CAA) findet sich gelegentlich in Assoziation mit Morbus Alzheimer und verstärkt die Demenz. Sie ist durch Ablagerung von Amyloid-Beta-Protein charakterisiert. Die mit Alzheimer assoziierte Form weist kapilläre Ablagerungen auf und ist assoziiert mit einer genetischen Variante (Apolipoprotein E (APOE)-epsilon-4-Allel) [4].
  • Sekundäres Amyloid ist eine Ablagerung von AA-Fibrillen, die aus zirkulatorischem Serum-A-Protein (SAA) entstehen. Eine genetische Veranlagung scheint zu bestehen: der Nachweis des SAA 1.3 Allels gilt als Risikofaktor und prognostischer Hinweis auf einen schweren Verlauf. Die sekundäre AA-Amyloidose entwickelt sich vorzugsweise in der Folge chronischer Entzündungen, wie bei der rheumatoiden Arthritis [5].
  • Die durch Immunglobuline ausgelöste Amyloidose (AL-Amyloidose) ist eine systemische Erkrankung, die alle Organe des Körpers betreffen kann [6]. Sie nimmt in der Regel einen schweren Verlauf; Herzversagen ist oft begrenzend.

Symptomatik

Je nach Organbefall finden sich unterschiedliche Beschwerden und Komplikationen. Es finden sich beispielsweise neurologische, kardiale, gastroenterologische oder hepatische Folgen, die einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen können.

Diagnostik

Das Wichtigste ist, an die Diagnose bei Erkrankungen mit chronisch verlaufenden Erkrankungen zu denken. Funktionsstörungen von Organen im Rahmen beispielsweise einer rheumatoiden Arthritis oder anderen chronisch entzündlichen Krankheit oder eines multiplen Myeloms oder Plasmozytoms müssen an eine Amyloidose denken lassen.

Eine tiefe Rektumbiopsie kann den Amyloidnachweis histologisch erbringen. Vielfach wird die Diagnose zufällig durch die Histologie einer Probe aus einem Organ (z. B. Leber oder Niere) gestellt. Bei Verdacht auf eine Amyloidose sollten bei Biopsien jedoch Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden um Blutungskomplikationen zu vermeiden, da der Stichkanal sich wegen der Rigitität des Gewebes nicht gut verschließt.

Therapie

Die Behandlung der Amyloidose ist schwierig. Oft gelingt es nur, ein Fortschreiten zu verlangsamen. Die medikamentöse Therapie basiert meist auf Melphalan [7]. Auch wurde in Japan Etanercept bei der Amyloidose im Rahmen einer rheumatioden Arthritis mit gewissem Erfolg eingesetzt [8].

Eine Kasuistik, bei der durch regelmäßigen Genuss von bis zu 2 l grünem Tee täglich (reich an Epigallocathechin-3-gallat) eine im Rahmen einer AL-Amyloidose durch Amyloid induzierte Herzinsuffizienz rückläufig war [9], ist interessant und bedarf aber weiterer Beobachtungen und Studien.

Neue Strategien zur medikamentösen Behandlung (u. a. mit Abkömmlingen der Cyclooxygenasehemmer) werden in einem Review-Artikel besprochen [10].

Gelegentlich wird bei der Amyloidose des Herzens oder der Leber die Indikation für eine Herztransplantation oder eine Lebertransplantation gestellt.

Verweise

Literatur

  1. ? Curr Pharm Des. 2008;14(30):3219-30
  2. ? Lab Invest. 2004 May;84(5):545-52
  3. ? N Engl J Med 2012; 366:2276-2283
  4. ? Acta Neuropathol. 2008 Jun;115(6):599-609
  5. ? Mod Rheumatol. 2008;18(2):109-18
  6. ? Blood. 2008 Nov 15;112(10):4009-16
  7. ? N Engl J Med. 2007 Sep 13;357(11):1083-93
  8. ? Clin Exp Rheumatol. 2007 Jul-Aug;25(4):518-22
  9. ? Blood, 15 September 2007, Vol. 110, No. 6, pp. 2216
  10. ? Curr Pharm Des. 2008;14(30):3219-30