Von-Gierke-Glykogenose

Als Von-Gierke-Glykogenose wird die Glykogenspeicherkrankheit (Glykogenose) Typ 1 (glycogen storage disease type 1, GSD1) bezeichnet. Sie ist genetisch bedingt und durch eine Lebervergrößerung durch Einlagerung von Glykogen in die Leber sowie einer Neigung zu Unterzuckerungen und Übersäuerungen des Körpers gekennzeichnet.

Zu Glykogenosen siehe hier.


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Entstehung

Bei der Von-Gierke-Glykogenose ist der Abbau des Glukose-6-Phosphats (G6P) gestört. Es ist eine autosomal rezessive Stoffwechselkrankheit, die durch einen Aktivitätsverlust der Glucose-6-Phosphatase gekennzeichnet ist. Dies ist ein Enzymkomplex, der aus 2 Membranproteinen besteht, aus dem Entzymanteil (G6Pase) und einem Transporter (G6PT). Die G6Pase wird auf Chomosom 17q21 kodiert, der Glucose-6-Phosphat Transporter (G6PT) auf Chromosom 11q23.  Der Transporter transportiert G6P vom Zytoplasma ins endoplasmatische Retikulum (ER) und die G6Pase hydrolysiert G6P und bildet daraus Glukose und Phosphat. 1) 2001 Mar;1(1):25-44

Es existieren verschiedene Typen:

  • beim Typ 1a ist die Glukose-6-Phosphatase (G6Pase) verändert,
  • beim Typ 1b das Glucose-6-Phosphat-Transportprotein (G6PT). Es wurde eine Reihe von Mutationen des für das Enzym verantwortlichen Gens auf Chromosom 17 beschrieben [1].

Beim Abbau von Glykogen durch die Glykogenphosphorylase entsteht zunächst Glukose-1-Phosphat (G1P), das durch die Phosphoglukomutase zu Glukose-6-Phosphat (G6P) umgewandelt wird. Auch entsteht G6P aus der Glukoneogenese (aus speziellen Aminosäuren).

Von G6P wird normalerweise unter Wirkung der Glukose-6-Phosphatase Phosphat abgespalten, und es entsteht Glukose, das in den Energiestoffwechsel eingeschleust werden kann. Bei der Von-Gierke-Glykogenose dagegen funktioniert der weitere Abbau von G6P nicht.

Stoffwechselauswirkungen: Das bedeutet, dass Betroffene nicht die Möglichkeit haben, durch eigenen Stoffwechsel Glukose zu bilden,

  • weder durch Glykogenabbau,
  • noch durch Glukoneogenese.

Klinische Auswirkungen: Glykogen kann auf- aber nicht abgebaut werden; in kritischen Hungersituationen kann der Körper zu niedrigen Blutzucker nicht eigenständig restaurieren. Der Glykogengehalt in Hepatozyten der Leber steigt. Die Leber vergrößert sich; es kommt zur klinisch nachweisbaren Hepatomegalie. 2) 2011 May 20;6:27. doi: 10.1186/1750-1172-6-27.

Symptomatik

Da die Energiegewinnung (durch Nutzbarmachung von G6P) nicht bedarfsgerecht funktioniert, kommt es zu Episoden von Hypoglykämien und Übersäuerungen des Bluts (durch Milchsäure, Laktatazidose) bereits bei Säuglingen sowie zu muskulärer Schwäche und einer Wachstumsverzögerung.

Diagnostik

Der Verdacht auf die Von-Gierke-Glykogenose beruht auf der Konstellation von Unterzuckerungen, Azidose und Lebervergrößerung beim Säugling.

Die Diagnose wird durch den genetischen Nachweis einer Mutation des Glucose-6-Phosphatase-Gens (G6PC) gesichert.

Therapie

Bei Verbrauch der Blutglukose durch die Körperzellen kommt es zur Hypoglykämie und Azidose, da der Körper selbst keine Glukose nachproduzieren kann. Sie zu vermeiden ist das Ziel der Therapie. Tags sind häufige kleinere kohlenhydratreiche Mahlzeiten, nachts ist meist eine Sondenernährung erforderlich. Es wird auf eine balancierte und ausreichende Zufuhr essentieller Nahrungsbestandteile Wert gelegt [2]. Die sehr differenzierte diätetische Einstellung wird am besten in Fachzentren vorgenommen.


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Verweise

Literatur

  1. ? Hum Mutat. 2008 Jul; 29(7):921-30
  2. ? J Inherit Metab Dis. 2011 Jun;34(3):621-9


Literatur   [ + ]

1. 2001 Mar;1(1):25-44
2. 2011 May 20;6:27. doi: 10.1186/1750-1172-6-27.