Virtuelle Koloskopie

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Virtuelle Koloskopie bedeutet rechnergestützte Nachahmung einer Dickdarmspiegelung. Dabei werden die Grenzfläche der Schleimhaut des Dickdarms zum Darmlumen mit Hilfe der Computertomographie dargestellt. Das Darmlumen muss dabei durch Gasinsufflation stark aufgebläht werden (CT-Kolonographie, Pneumokolon-CT). Die Schnittbilder werden aneinandergesetzt und die benachbarten Grenzen mit einander zu einer Fläche verbunden. Es entsteht das Bild einer Röhre als Abbild der inneren Oberfläche des Kolons. Dieses virtuelle Gebilde kann man – ebenfalls virtuell – „durchfliegen“ und von innen besichtigen.

Die Kosten sollen (in den USA) im Durchschnitt fast 1/3 günstiger sein als bei einer optischen Koloskopie. (1)Abdom Imaging. 2015 Oct;40(8):2966-76. DOI: 10.1007/s00261-015-0538-1

Die Sensitivität ist erst ab einer Neoplasmagröße über 5 mm akzeptabel hoch. (2)Clin Endosc. 2022 Mar;55(2):183-190. doi: 10.5946/ce.2021.254.


Aussagefähigkeit und ihre Einschränkungen

Virtuelle Koloskopie: Polyp
Virtuelle Koloskopie: Darstellung eines gestielten Polypen, der in einer zweiten Sitzung unter Ausnutzung der guten Darmsauberkeit mit Hilfe einer herkömmlichen Koloskopie problemlos entfernt wurde (Polypektomie).

Mit der virtuellen Koloskopie können Unregelmäßigkeiten der Darmwand erkannt werden. Bei typischer Ausbildung lassen sich Polypen oder sonstige Tumorbildungen differenzieren. Die örtliche Auflösung entspricht der Auflösekraft des CT-Geräts. Eine farbliche Klärung der Veränderungen sind nicht möglich.

Voraussetzung für eine gute Beurteilbarkeit des Kolons ist eine gute Säuberung durch Abführmaßnahmen. Sie erfolgt in gleicher Weise wie für die Dickdarmspiegelung (siehe hier). Damit ist die Möglichkeit gegeben, direkt im Anschluss an eine virtuelle Koloskopie eine herkömmliche Koloskopie anzuschließen, um gleich eventuell erforderliche Gewebeproben entnehmen oder Polypen entfernen zu können.

Empfindlichkeit und Spezifität

Die Sensitivität für Adenome über 6 mm Größe liegt bei 89%, die Spezifität bei 75%. Je kleiner die Adenome sind, desto schlechter ist die Aussagekraft. (3)Eur Radiol. 2014 May;24(5):1049-58. DOI: 10.1007/s00330-014-3106-0

Nachteile

  • Fehlende Möglichkeit zur Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) oder zur Abtragung von Polypen (Polypektomie),
  • Mangelnde Differenzierung von Verunreinigungen und kleinen sessilen Polypen und
  • Fehlende Erkennbarkeit von flachen Tumoren, entzündlichen Schleimhautveränderungen oder von Gefäßmissbildungen (Angiodysplasien).

Indikationen

  • Untersuchung des Kolons, wenn eine Spiegelung (Koloskopie)
    • kontraindiziert ist,
    • vom Patienten abgelehnt wird,
    • unvollständig war.
  • Beurteilung des Kolons inklusive seiner Wandung (z. B. zur Erkennung von invasivem Wachstum eines Tumors (Kolonkarzinom) ) und benachbarter Strukturen.

Kontraindikationen

Kontraindikationen sind Bedingungen mit erhöhter Perforationsgefahr (z. B. nach Polypektomie, bei Divertikulitis, ggf. bei dringender Indikation in Operationsbereitschaft)

Alternative

Die Kolon-Kapselendoskopie ist eine nicht invasive Methode ohne Sedierung und ohne Gasinsufflation zur Dehnung des Darms eine Darmdiagnostik durchzuführen. Diese Methode ermöglicht auch eine farbliche Darstellung der Oberfläche, nicht aber eine Beurteilung der Wandbeschaffenheit bezüglich Wanddicke, invasives Wachstum eines Tumors und Nachbarschaftsbeziehungen (siehe hier).

Verweise

Literatur

Literatur
1 Abdom Imaging. 2015 Oct;40(8):2966-76. DOI: 10.1007/s00261-015-0538-1
2 Clin Endosc. 2022 Mar;55(2):183-190. doi: 10.5946/ce.2021.254.
3 Eur Radiol. 2014 May;24(5):1049-58. DOI: 10.1007/s00330-014-3106-0