Soorösophagitis

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Soorösophagitis bedeutet Entzündung der Speiseröhre durch Befall mit dem Pilz Candida albicans. Eine Candidaösophagitis ist eine häufige Komplikation bei einer gestörten Immunabwehr des Körpers.

Entstehung

Blick in die Speiseröhre: Soorösophagitis als Zufallsbefund bei einer Gastroskopie

C. albicans ist normalerweise ein harmloser „Kommensale“, der nur unter bestimmten Bedingungen zu einem Krankheitserreger wird. Äußeres Zeichen dafür ist die Bildung von Hyphen. Die natürliche Abwehr durch das Immunsystem beruht auf der Funktionalität der T-Lymphozyten (speziell Th17-Zellen). Erforderlich sind Mustererkennungsrezeptoren (pattern recognition receptors, PRRs). Über sie werden Signalwege ausgelöst, die eine Abwehr der Hyphen ermöglichen. 1)Virulence. 2015;6(4):307-8. DOI: 10.1080/21505594.2014.1000752. Eine Störung in dem Gleichgewicht fördert den Übergang zu einem Krankheitserreger. 2)J Fungi (Basel). 2020 Jan 16;6(1):15. DOI: 10.3390/jof6010015


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Risikofaktoren

Eine Reihe von Krankheiten und Faktoren können eine Soorösophagitis auslösen oder ihre Entstehung fördern. 3)Cureus. 2022 Apr 20;14(4):e24312. DOI: 10.7759/cureus.24312. Zu ihnen gehören:

Symptomatik

Oft bestehen bei einer Soorösophagitis keine Beschwerden oder nur unspezifische Schluckbeschwerden (Dysphagie). Selten wird über Brennen hinter dem Brustbein und gelegentlich über Störungen des Schluckakts geklagt.

Diagnostik

Wegen der Symptomarmut wird eine Candidainfektion der Speiseröhre häufig nur zufällig im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie) aus anderen Gründen entdeckt. Oder sie wird gesucht, wenn ein Pilzbefall der Zunge und des Mundes (Mundsoor) mit weißlichen Belägen bemerkt wird. Eine Soorösophagitis kann vor allem dann verdächtigt werden, wenn Schluckbeschwerden und/oder Mudsoor zusammen mit einer Abwehrschwäche des Körpers vorliegen, wie es  z. B. in höherem Alter vorkommt oder bei einer konsumierenden Erkrankung (z. B. Krebserkrankung) oder einer Immunsuppression (z. B. AIDS, Tumorkrankheit, Diabetes mellitus, medikamentöse Therapie mit Kortison, Zytostatika, s. o.)

Die Diagnose wird durch eine Spiegelung (ÖGD) und Untersuchung einer Gewebeprobe (Histologie) gesichert. Bei einer Spiegelung sind bereits makroskopisch typische weißliche Beläge zu erkennen.

Die Diagnostik sollte die Funktionalität des Immunsystems (Blutbild, Immunglobuline etc.) und einen möglichen Befall innerer Organe mit einbeziehen.

Therapie

Antimykotika (z. B. orales Fluconazol) sind meist effektiv. Oft reicht nur eine orale Applikation; bei schwerwiegenden Risikofaktoren kann auch eine länger dauernde Behandlung erforderlich werden. Eine systemische Behandlung ist indiziert, wenn auch innere Organe befallen sind.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


Literatur

Literatur
1 Virulence. 2015;6(4):307-8. DOI: 10.1080/21505594.2014.1000752.
2 J Fungi (Basel). 2020 Jan 16;6(1):15. DOI: 10.3390/jof6010015
3 Cureus. 2022 Apr 20;14(4):e24312. DOI: 10.7759/cureus.24312.