Pyoderma gangraenosum

Das Pyoderma gangraenosum ist eine seltene chronisch fortschreitende, nekrotisierende Hauterkrankung, die oft im Rahmen von autoimmunologischen Krankheiten auftritt und zu Relapsen (erneutem Auftreten) neigt.


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Pathogenese

Die Pathogenese ist nicht geklärt; wahrscheinlich spielen Immunkomplex-vermittelte Entzündungsreaktionen um Gefäße der Haut eine Rolle. TNF-alpha scheint eine zentrale Bedeutung zu haben, so dass heute Antikörper zur Unterdrückung dieses Cytokins therapeutisch verwendet werden.

Klinisches Bild

Das Pyoderma gangraenosum kann an jeder Hautstelle des Körpers auftreten, am häufigsten aber an den unteren Extremitäten. Es beginnt mit einer geröteten Papel, die zentral nekrotisch einschmilzt, ulzeriert und dunkelrot bis schwärzlich einblutet; die Ränder erscheinen dunkel rot-bläulich. Der Rand erscheint häufig etwas unterminiert. Benachbarte Knötchen und Ulcera können verschmelzen und größere Nekroseareale bilden. Häufig exacerbiert das Pyoderma im Rahmen des Aufflackerns einer mit ihm assoziierten Erkrankung, z. B. einer chronisch entzündlichen Darmkrankheit, wie der Colitis ulcerosa (s.u.) [1].

Assoziation mit anderen Krankheiten

Zu den Krankheiten, die häufig mit dem Auftreten eines Pyoderma gangraenosum assoziiert sind, zählen

Histologie

Es finden sich entzündliche neutrophile Infiltrationen Nekrosen und Abszessen und oft am Rand vaskulitische Veränderungen, die jedoch alle nicht spezifisch sind.

Diagnostik

Treten nekrotisierende Papeln im Rahmen einer Autoimmunkrankheit auf, so liegt die Diagnose eines Pyoderma gangraenosum nahe. Der Verdacht wird gestärkt, wenn die Nekrosen bläulich-rot scharf begrenzt und am Rande etwas unterminiert erscheinen.

Die Diagnose wird wahrscheinlich, wenn eine autoimmunologische Krankheit wie eine chronisch entzündliche Darmkrankheit eruiert werden kann, auch wenn sie zum Zeitpunkt des Pyoderma nicht floride sein muss.

Differenzialdiagnosen

Die Diagnose eines Pyoderma gangraenosum ist jedoch gelegentlich sehr schwierig; sie stellt dann eine Ausschlussdiagnose dar, wobei andere Ursachen nekrotisierender Hautdefekte in Betracht gezogen werden müssen, wie eine systemische Vaskulitis, Krebs oder eine lokale Hautinfektion [2].

Therapie

Standardtherapie

Die Behandlung des Pyoderma gangraenosum beruht im Wesentlichen auf der Unterdrückung einer überschießenden Immunreaktion durch Prednisolon und ggf. auch Cyclosporin, was als Erstlinientherapie gilt [3]. Die Behandlung des Pyoderma verbessert meist gleichzeitig die Symptomatik einer assoziierten autoimmunologischen Grundkrankheit, wenn sie aktuell floride ist.

Hemmung von TNF-alpha

Bei Nichtansprechen oder Unverträglichkeit von Steroiden und Cyclosporin kommen TNF-alpha-Hemmstoffe wie Thalidomid in Betracht.

Gute Erfolge wurden auch mit Infliximab und Adalimumab erzielt [4][5].

Die Unterdrückung von TNF-alpha, z. B. durch Etanercept [6], scheint ebenfalls zu einer Abheilung des Pyoderma gangraenosum zu führen [7].

Verlauf

Das Pyoderma gangraenosum neigt unabhängig von der Floridität einer evtl. assoziierten Grundkrankheit zu Relapsen, die, wie auch die Erstmanifestation, frühzeitig behandelt werden sollten, um Narbenbildungen zu vermeiden. Es auch dann wieder auftreten, wenn bei einer Colitis ulcerosa das Kolon operativ entfernt wurde.

Verweise

Literatur

  1. ? Arch Dermatol. 1989 Jan; 125(1):57-64
  2. ? Am J Clin Dermatol. 2012 Jun 1;13(3):191-211
  3. ? J Dtsch Dermatol Ges. 2007 Jul;5(7):560-4
  4. ? Gut. 2006;55(4):505-9
  5. ? Dermatol Online J. 2010 Aug 15;16(8):15
  6. ? Acta Dermatovenerol Croat. 2012;20(3):175-80
  7. ? QJM. 2010 Dec;103(12):917-28

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).