Medizinische Wirkungen von Lecithin

Lecithin wird zur Bildung aller Zellmembranen benötigt und ist lebensnotwendig. Zu seiner Bildung wird Cholin benötigt, welches der Körper in den erforderlichen Mengen nicht selbst herstellen kann. Ein Lecithinmangel durch einseitige Ernährung oder Mangelernährung führt, ähnlich wie ein Vitaminmangel, zu schwerwiegenden Symptomen wie Gedächtnisstörungen, Leberverfettung, Regenerationsstörungen oder Entzündungsneigung. Das Wissen über die Bedeutung einer ausreichenden Zufuhr von Lecithin wurde durch jüngste Forschung wesentlich erweitert.


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Das Wichtigste

Kurzgefasst
Lecithin wird schon seit vielen Jahrzehnten eine günstige Wirkungen auf das Gehirn nachgesagt. Nun erweist es sich im Licht der neueren Forschung als in vielerlei Hinsicht günstig:

  • es verbessert das Gedächtnis und vermag die Symptomatik bei früher Alzheimer-Demenz hinauszuschieben,
  • Lecithin vermindern die Cholesterinresorption im Darm,
  • Lecithin erhöht die HDL-Bildung (HDL: gutes Cholesterin) und schützt damit vermutlich vor Herzinfarkt und Schlaganfall,
  • Lecithin schützt die Leber vor Verfettung,
  • Lecithin wirkt antientzündlich und hat möglicherweise einen positiven Einfluss auf die rheumatoide Arthritis.

Lecithinquellen

Die Aufnahme von Lecithinen (Phospholipide: Phosphatidylcholin, Phosphatidylinositol, Phosphatidylserin, Phosphatidyletanolamin) mit der Nahrung beträgt um 2-8 Gramm pro Tag. Quellen in der Nahrung sind Eier, tierische Organe, Fisch, Samen und Getreide. Der Gehalt an Lecithin von Eigelb liegt bei 10g/100g, von Sojabohnen bei 2,3 g/100g, von Rindfleisch und Erdnüssen je bei 600mg/100g. In Blattgemüse, Obst und Kartoffeln ist Lecithin nur gering enthalten [1]. Lecithin aus Soja ist als Lipostabil® im Handel.

Medizinische Effekte von Lecithin

Lecithine haben eine Vielzahl günstiger Eigenschaften für die Zellen des Körpers. Die Effekte einer erhöhten Lecithinzufuhr sind trotz bereits jahrzehntelangen Erfahrungen mit Handelspräparaten (wie Buer-Lecithin oder Lipostabil) noch immer nicht in jeder Beziehung durch große Studien geklärt. Im Folgenden ist eine Auswahl neuerer Ergebnisse zusammen gestellt.

Hemmung der Cholesterinresorption im Darm

Lecithin hemmt die Cholesterin-Resorption im Darm [2]. Zur Cholesterinresorption ist Galle notwendig. Cholesterin kann nur in nicht veresterter Form in die Mizellen der Galle, die von der Leber in den Darm sezerniert wird, inkorporiert und mit ihnen durch die „unstirred water layer“ zur Oberfläche der Enterozyten gelangen. Die Fähigkeit der Mizellen zur Aufnahme von Cholesterin hängt von ihrem Phospholipidgehalt ab. Allerdings gibt es dafür ein Optimum, über das hinaus die Cholesterinmenge, die pro Mizelle gelöst und resorbiert werden kann, wieder abnimmt [3]. Lecithine aus Eiern hemmen bei Ratten die Cholesterinresorption um 20%, wohingegen Lecithine aus Sojabohnen kaum Effekt zeigen [4].

Steigerung der HDL-Bildung

Phosphatidylinositol (aus Soja) vermag die HDL-Produktion zu steigern. Es wird ein günstiger Effekt auf das Herz bei erhöhtem kardiovaskuläre Risiko erwartet [5].

Verbesserung des Gedächtnisses

Phosphatidylserin aus Rindergehirn verbessert (in den Studien meist ab 300 mg/Tag) das Gedächtnis, wie schon seit einiger Zeit bekannt ist. Beispielsweise wurde 1992 in einer doppelt verblindeten und gekreuzten Studie an Patienten mit früher Demenz vom Alzheimer-Typ eine signifikante Verbesserung festgestellt [6], ebenso in einer Studie 2010 an älteren Japanern mit Gedächtnisproblemen im ersten Stadium einer Demenz (hier Phosphatidylserin aus Soja) [7] sowie in einer israelischen Studie 2012 [8].

Antientzündlicher Effekt

In einem tierexperimentellen Modell einer rheumatoiden Arthritis zeigt die Zufuhr von Phosphatidylcholin eine entzündungshemmende Wirkung [9]. In einem anderen Modell einer induzierten Entzündung kam es durch Phospholipide aus Soja ebenfalls zu einer Reduzierung der Entzündungsparameter
[10].

Effekt gegen Leberkrankheiten

  • Fettleber: Die Phospholipide eines Milchextraks schützen im Tierexperiment vor der Entwicklung einer Fettleber und einer Erhöhung der Blutfette. Es wird vermutet, dass phospholipidreiche Milchextrakte auch beim Menschen eine schützende Wirkung auf die Leber und auch auf das Herz entfalten können [11]. Welche Phospholipide dabei die Hauptrolle spielen, ist unklar.
  • Toxische Cholestase: Eine Diät, die mit Lecithin aus Milch angereichert ist, vermindert im Tierversuch eine Leberschädigung durch Cholsäure ganz erheblich [12].
  • NASH:Es wurde vermutet, dass ein niedriger Spiegel an Phosphatidylcholin (PC) zur Entstehung einer nicht-alkoholischen Fettleberhepatitis (NASH) beiträgt. Eine Untersuchung an Mäusen ergibt, dass eine Anhebung des hepatischen PC-Spiegels zwar die Verfettung der Leber reduziert, nicht aber die Entwicklung einer NASH [13].
  • Leberregeneration: Die Regeneration nach einer Leberteilresektion von 70% verläuft überraschenderweise unvermindert, wenn der Phosphatidylcholin-Spiegel in der Leber experimentell reduziert wird [14].

Schutz vor Alkoholschaden des Darms

  • Alkohol schädigt Darmepithelzellen in Zellkultur und erhöht ihre Durchlässigkeit für Endotoxine. Phosphatidylcholin (zusammen mit konjugierten Gallensäuren) hebt diesen Effekt auf und wirkt protektiv [15].

Lecithin und Krebs

  • Phosphatidylcholin reduziert in vitro die chemisch ausgelöste Bildung von Leberkrebs indem es den programmierten Zelltod (Apoptose) induziert [16]. Dasselbe wird auch für den Darmkrebs bestätigt [17].
  • Phosphatidylcholin wird in fortgeschrittenem Darmkrebsgewebe in erhöhter Konzentration gefunden (wohl wegen der Aktivierung der Lyso-PC-Acyltransferase (LPCAT) im Krebsgewebe) und erweist sich als ein Tumor-Biomarker, der für eine Bildgebung eingesetzt werden könnte. Denn die Imaging-Massenspektrometrie (MS) ist in der Lage, einen vermehrten Gehalt an Phospholipiden aufzuzeigen [18]. Dasselbe wurde für das papilläre Schilddrüsenkarzinom aufgezeigt [19].
  • Mit Lecithin lassen sich Liposomen (kleinste Fettvacuolen, s. o.) bilden, deren wässriger Inhalt mit gelösten Medikamenten gefüllt werden kann. In Liposomen verpackte Zytostatika lassen sich zur Krebstherapie einsetzen. Dies konnte für einige Krebsarten im Tierversuch nachgewiesen werden [20] [21] [22] [23].

→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Verweise

Literatur

  1. ? Weihrauch J.L., Son Y.S. The phospholipid content of foods. JAOCS. 1983;60:1971–1978
  2. ? Nutrients. 2010 Feb;2(2):116-27
  3. ? J. Physiol. 1973;229:505–514
  4. ? J. Nutr. 2001;131:2358–2363
  5. ? Biochemistry. 2008 Feb 12;47(6):1579-87
  6. ? Eur Neuropsychopharmacol. 1992 Jun;2(2):149-55
  7. ? J Clin Biochem Nutr. 2010 Nov;47(3):246-55
  8. ? Clin Interv Aging. 2013;8:557-63
  9. ? Ther. 2009;11(2):R43. doi: 10.1186/ar2651
  10. ? Eur Surg Res. 2009;42(1):40–48
  11. ? Atherosclerosis. 2009 Jul;205(1):144-50
  12. ? Pediatr Res. 2007 Feb;61(2):185-90
  13. ? Biochim Biophys Acta. 2011 Dec;1811(12):1177-85
  14. ? Can J Physiol Pharmacol. 2012 Oct;90(10):1403-12
  15. ? Alcohol Clin Exp Res. 2009 Mar;33(3):557-62
  16. ? Hepatogastroenterology. 2009 Mar-Apr;56(90):481-4
  17. ? Nutr Res. 2008;28(9):635–640
  18. ? Cancer Sci. 2013 Jul 2. doi: 10.1111/cas.12221. [Epub ahead of print]
  19. ? PLoS One. 2012;7(11):e48873. doi: 10.1371/journal.pone.0048873. Epub 2012 Nov 6
  20. ? Planta Med. 2013 Apr;79(6):447-51
  21. ? Int J Nanomedicine. 2010 Oct 21;5:811-23
  22. ? Int J Pharm. 2008 Apr 2;353(1-2):251-9
  23. ? Arch Pharm Res. 2005 May;28(5):626-35