MAS-Anfall

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Der MAS-Anfall (Morgagni-Adams-Stokes-Anfall) ist eine durch eine schwerwiegende Herzrhythmusstörung bedingte plötzlich auftretende kurze Bewusstlosigkeit (kardiale Synkope). Sie birgt die Gefahr eines neuerlichen Anfalls mit tödlichem Ausgang in sich und sollte daher umgehend diagnostiziert und behandelt werden. 1)Clin Case Rep. 2019 Sep 30;7(12):2295-2299. DOI: 10.1002/ccr3.2384.


Entstehung

Ursprünglich war das Syndrom plötzlicher kurzer Bewusstlosigkeiten auf Herzaussetzer (Asystolie) zurückgeführt worden. Den gleichen Effekt haben auch kurze Phasen von Kammerflimmern, die von selbst sistieren.

Durch eine Herzrhythmusstörung mit einem viel zu schnellen oder aussetzenden Herzschlag kommt es zu einer vorübergehenden Unterbrechung der Pumpleistung und dadurch zu einer Unterbrechung der Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns. Folge ist eine blitzartige Bewusstlosigkeit ohne Vorboten (Prodromi), die erst endet, wenn das Herz wieder ausreichend zu pumpen beginnt.

Als Ursachen müssen differenziert werden:

  • Asystolie: fehlender Herzschlag durch fehlende Erregung der Herzmuskulatur durch ein Sick-Sinus-Syndrom,
  • av-Block 3. Grades im EKG: vollständige Überleitungsstörung der Erregung vom Vorhof in die Kammern,
  • lange VES-Salve: salvenartige ventrikuläre Extrasystolen ohne ausreichende Pumpleistung (da die Zeit für eine neue Kammerfüllung mit Blut nicht ausreicht),
  • Episode von Kammerflattern/flimmern, Torsade-de-pointes-Tachykardie: gleicher Mechanismus (mangelnde Zeit für Kammerfüllung)

Diagnostik

Der MAS-Anfall birgt die Gefahr einer Wiederholung in sich. Daher ist eine rasche Abklärung erforderlich.

Anamnese:

  • bradykardisierende Medikation (Betablocker, Digitalis)?
  • Orthostasereaktion (Bewusstlosigkeit beim Aufstehen)?
  • Vorgeschichte epileptischer Anfälle?

EKG und Langzeit-EKG (Holter-monitoring):

  • Extrasystolen (supraventrikulär, ventrikulär, uni- oder multifokal)?
  • Pausen (bes. >3 Sekunden)? av-Block (bes. Grad 3)?
  • Schenkelblock (z.B. bibranchialer Block posterioren Typs)?
  • R-auf-T-Phänomen? Präexzitationssyndrom (LGL-Syndrom, WPW-Syndrom)?
  • Salven von Kammerkomplexen?

Echokardiographie

  • Myokardiale Erkrankung?

Laborwerte:

  • niedriges Serum-Kalium?
  • Kalzium? Blutzuckerprofil, ggf.
  • Blutzuckerbelastungstest: Hypoglykämie?

Herzecho:

  • Vorhofthromben?
    • Herzwandaneurysma (mit Thromben)?

Eventrekorder:

  • implantierbare Eventrekorder melden Herzrhythmusstörungen an eine zentrale Auswerte- und Überwachungsstelle. Sie registrieren die Art der Rhythmusstörung.

Weiterführende Diagnostik

Bei unklarer Länge der Bewusstlosigkeit werden zusätzlich weitere Abklärungen notwendig:

  • Duplexsonographie der Karotiden: kritische Verengungen (Stenosen)? Unruhige Plaquestruktur mit Gefahr einer Ruptur?
  • Zerebrales Computertomogramm (CCT): Infarktherd? Lakunäre Herde?

Therapie

Elektrolytstörungen müssen ausgeglichen und ihre Ursache diagnostiziert werden.

Die Therapie richtet sich ansonsten nach der Ursache der Synkope:

  • bei Asystolie oder bradykarder Rhythmusstörung:
  • bei tachykarder Rhythmusstörung:
    • medikamentöse Prophylaxe mit z. B. Antiarrhythmika, Digitalis,
    • bei Kammerflattern Defibrillation,
    • bei hohem Rezidivrisiko Implantation eines implantierbaren Kardioverters/Defibrillators (ICD).

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Verweise

Patienteninfos

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 Clin Case Rep. 2019 Sep 30;7(12):2295-2299. DOI: 10.1002/ccr3.2384.