Goodpasture-Syndrom

Das Goodpasture-Syndrom (engl.: anti-glomerular basement membrane (GBM) disease, anti-GBM disease) ist eine Autoimmunkrankheit, bei welcher Antikörper gegen Basalmembranen (Anti-GBM Antikörper) zu einer schweren Störung von Nieren und Lungen führen. Das führende Symptom ist Bluthusten. Die Nierenbeteiligung kann zu Blut im Urin und Hypertonie führen. Die Diagnose gründet sich auf den Nachweis von Antibasalmembran-Antikörpern und Immunglobulin-Ablagerungen auf Basalmembranen der Glomerula in der Nierenbiopsie. Die Behandlung gründet sich auf Immunsuppressiva und Glukokortikoide sowie auf eine Plasmapherese im akuten Stadium.


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Inzidenz

Das Goodpasture-Syndrom ist sehr selten; geschätzt werden 1 Erkrankung auf 1 Mio Einwohner, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Es wurden Erkrankungsfälle zwischen 10 und 90 Jahren berichtet; es gibt zwei Erkrankungsgipfel bei 30 und 60 Jahren; der Gipfel bei 60 Jahren soll vorwiegend aus Frauen bestehen, die vorwiegend mit einer Nierenerkrankung auffällig wurden [1]. Ältere Menschen mit Goodpasture-Syndrom haben laut einer chinesischen Studie einen milderen Verlauf [2].

Ätiopathogenese

Die Ursache des Goodpasture-Syndroms ist ungeklärt; es gibt offenbar eine Reihe von Auslösern [3]. Offenbar spielen Virusinfektionen wie die Grippe (im Fall der Erstbeschreibung durch Ernest Goodpasture 1919 war es eine Influenza-Infektion) und andere Infektionen eine Rolle. Es wurden Assoziationen mit einer Lungentuberkulose beschrieben [4]. Es kommt im Rahmen einer allergisch-hyperergen Typ-2-Reaktion zur Bildung von Autoantikörpern (meist IgG1 und IgG4, in 1/3 der Fälle auch IgA und IgM) gegen das Typ-IV-Kollagen der Basalmembranen in den Nierenkörperchen (Glomerula) und den Lungen, die zu einer Schädigung der kleinsten Blutgefäße (Kapillaren) führen. In den Lungen kommt es so zu Blutungen ins Lungengewebe und Bluthusten, in den Nieren zu Blutaustritt in den Primärharn.

Symptomatik

In den Anfangsstadien bei noch niedriger Antikörperproduktion sind kaum Symptome vorhanden. Der Urinbefund kann eine Mikrohämaturie erkennen lassen. Es kann zu einer renalen Hypertonie kommen, die selbst wieder Symptome und Komplikationen nach sich ziehen kann. Meist wird jedoch eine konsequente Diagnostik erst dann eingeleitet, wenn die Krankheit bereits fortgeschritten ist und Bluthusten auftritt. Im Urin ist in frühen Stadien eine Mikrohämaturie erkennbar, später kann sich der Urin rötlich verfärben.

Diagnostik

Bei Lungenbluten mit Bluthusten zusammen mit einer rasch zunehmenden Niereninsuffizienz mit Hämaturie muss an ein Goodpasture-Syndrom gedacht werden. Am schnellsten und sichersten kann die Diagnose durch die Bestimmung zirkulierender Anti-GBM Antikörper und durch eine Nierenbiopsie diagnostiziert werden. Das histologische Bild eines Nierenpunktats entspricht einer rapid progressiven Glomerulonephritis; in der direkten Immunfluoreszenz mit fluoreszierenden Antikörpern gegen menschliches Immunglobulin findet man eine lineare Fluoreszenz an der glomerulären Basalmembran. In selteneren Fällen dominiert eine rasch fortschreitende Niereninsuffizienz ohne dass bis dahin Bluthusten aufgetreten ist. Unter den Laborwerten steigen die Nierenwerte rasch und stark an.

Verlauf

Die Schwere der Symptome hängt von der Menge der gebildeten Antikörper ab. Kommt es erst einmal zu Bluthusten, ist schon ein spätes Stadium erreicht, das einer sofortigen Diagnose und Therapie bedarf. Bei stürmischem (foudroiantem) Verlauf mit hoher Antikörperbildung treten eine Ateminsuffizienz und eine Niereninsuffizienz innerhalb kurzer Zeit auf. Der Blutverlust führt zu einer schweren Anämie und die zunehmende Nierenbeteiligung zu Hypertonie und Niereninsuffizienz. Früher war die Erkrankung in der Regel letal. Unter heutiger Therapie besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit einer Beherrschung der Lungenkrankheit, während sich die Nieren nicht erholen. Bei einer schweren Niereninsuffizienz muss u. U. verbessert eine Nierenersatztherapie oder eine Nierentransplantation die Prognose.

Therapie

Die Grundlage der Behandlung des Goodpasture-Syndroms besteht in Immunsuppressiva (wie Cyclophosphamid) und Glukokortikoiden und einem Plasmaaustausch, um die zirkulierenden Antikörper zu entfernen. Das Überleben nach 1 Jahr beträgt in einer britischen retrospektiven 100% und das Überleben der Nieren 95% [5].

Eine wirkungsvolle Ergänzung der Behandlung besteht nach neueren Erkenntnissen in Antikörpern, die in das immunologische Geschehen eingreifen. Der Antikörper Rituximab (MabThera®) gegen ein Oberflächenantigen der B-Lymphozyten und Prä-B-Lymphozyten führt offenbar zu einer Verbesserung der Prognose [6].

Verweise

Literatur

  1. ? Br Med J. 1986;292:301-4
  2. ? Am J Kidney Dis. 2011 Apr;57(4):575-82
  3. ? IJKD 2012;6:1-8
  4. ? Ren Fail. 2012;34(9):1177-80
  5. ? Ann Intern Med. 2001;134:1033-42
  6. ? Semin Arthritis Rheum. 2013 Jan 24. pii: S0049-0172(12)00264-8. doi: 10.1016/j.semarthrit.2012.10.007. [Epub ahead of print]