Cholinmangel

Ein Cholinmangel entsteht, wenn die Nahrung zu wenig Cholinquellen enthält, denn der menschliche Körper ist nicht imstande, selbst ausreichend Cholin zu bilden. In „reichen“ westlichen Ländern kommt ein Cholinmangel hauptsächlich bei Mangelernährung aus Krankheitsgründen und im Rahmen eines Alkoholabusus zustande. In Dritte-Welt-Ländern kann ein Cholinmangel dagegen zur multiplen Symptomatik der allgemeinen Unterernährung beitragen.

Der Cholinbedarf ist aus genetischen Gründen individuell unterschiedlich [1], zudem führt ein erhöhter Östrogenspiegel zu einem verminderten Bedarf an Cholin (siehe hier). Mangelzustände beginnen daher entsprechend bei unterschiedlichen Grenzkonzentrationen.

Ein relativer Mangel an Cholin-Quellen kann zustande kommen, wenn der Protein bedarf erhöht ist, wie beispielsweise in der fetalen Entwicklung, der kindlichen Wachstumsphase und bei schweren Erkrankungen.


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Auswirkungen, Symptome

Ein Mangel an Cholin führt zu einer Reihe von Störungen [2].

  • Fettleber: Eine Cholin-arme Kost führt zur Leberverfettung und zu Muskelstörungen [4]. Ein Cholinmangel kann – je nach Genotyp und Östrogenstatus – bei der Entstehung einer nichtalkoholischen Fettleber (NAFLD) eine bedeutende Rolle spielen [5].
  • Tumore: Zum Tumorwachstum gehört eine erhebliche Neusynthese von Phospholipiden für Zellmembranen, was einen hohen Cholinbedarf bewirkt. Das lässt sich zur Tumorsuche durch Positronenemissionstomographie (PET) ausnutzen. Das 11C-Cholin-PET erweist sich für viele Tumore als empfindlich [6] [7].
  • Demenz: Bei Demenzerkrankungen kann im Gehirn ein Cholinmangel vorliegen. Entsprechend bessert sich die Gedächtnisleistung bei der Alzheimer-Demenz durch Zufuhr von Cholin signifikant [8]. Auch bei nicht dementen Menschen ist eine höherer Cholinaufnahme im Rahmen der normalen Ernährung zu einer verbessersten Gedächtnisleistung führen (siehe hier).
  • Entwicklungsstörungen des Fetus: Cholinmangel führt in der fetalen Entwicklung zu einem erhöhten Risiko für Neuralrohrdefekte und Störungen der Hirnentwicklung, was gut in Tierexperimenten belegbar ist [9]. Der Hirnleistungsdefekt mit Gedächtnisstörung neugeborener Ratten von Müttern mit alkohol-bedingtem Cholinmangel ließ sich nach der Geburt durch Cholinsupplementierung mildern [10]. Eine Untersuchung beim Menschen ergab eine signifikante positive Korrelation zwischen der Cholinkonzentration schwangerer Mütter und der Hirnleistungsfähigkeit der Kinder gemessen an kognitiven Tests [11]. Entsprechend wird für schwangere Frauen während einer Schwangerschaft eine Kost mit ausreichenden Cholinquellen empfohlen [12]. Allerdings wurde in einer Studie festgestellt, dass eine Cholin-Supplementierung schwangerer Frauen in Form von Phosphatidylcholin (Lecithin) die Gehirnfunktionen ihrer Kinder nicht erhöhte [13]. Es wird jedoch angemerkt, dass dieses Ergebnis möglicherweise nicht für Länder der Dritten Welt gilt, in denen es an hochwertiger ausgeglichener Ernährung und möglicherweise damit an Cholin mangelt.

Cholin-Substitution

Cholin kann in der Nahrung sehr effizient über Eigelb zugeführt werden, das besonders viel Phophatidylcholin (Lecithin) enthält. Weitere gute Cholin-Quellen sind Milch und Fleisch.

Verweise

Literatur

  1. ? FASEB J. 2006 Jul; 20(9):1336-44
  2. ? Nutr Rev. 2009 Nov;67(11):615-23
  3. ? JAMA. 2002 Oct 23-30; 288(16):2015-22
  4. ? Am J Clin Nutr. 2007 May; 85(5):1275-85
  5. ? Curr Opin Gastroenterol. 2012 Mar;28(2):159-65
  6. ? J Nucl Med. 1997;38:842–847
  7. ? J Nucl Med. 2008 Aug;49(8):1245-8
  8. ? Clin Ther. 2003 Jan;25(1):178-93
  9. ? FASEB J. 2007 May; 21(7):1311-23
  10. ? Behav Neurosci. 2007 Feb;121(1):120-30
  11. ? PLoS One. 2012;7(8):e43448. doi: 10.1371/journal.pone.0043448. Epub 2012 Aug 20
  12. ? Int J Womens Health. 2013 Apr 22;5:193-9
  13. ? Am J Clin Nutr. 2012 Dec;96(6):1465-72