Yersiniose

Die Yersiniose ist eine zoonotische Durchfallerkrankung mit Beteiligung des Dünn- und Dickdarms. Die Erkrankung verläuft meist  nach 1-2 Wochen selbstlimitierend, gelegentlich jedoch auch über mehrere Wochen prolongiert. Antibiotika können in schweren Fällen erforderlich werden. In einigen Fällen treten vielfältige Symptome außerhalb des Darms auf: solche „extraintestinale Manifestationen“ sind meist durch eine besonders starke und fehlgeleitete Immunantwort der Patienten bedingt. 1)Epidemiologisches Bulletin Nr. 6/2012 des RKI


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Infektionsquellen

Yersinia enterocolitica ist ein Gram-negativer Keim, der über kontaminierte Nahrungsmittel wie Milch, Fleisch oder mit Viehdung gedüngtem Gemüse und Wasser aufgenommen wird. Hauptreservoire sind hierzulande wahrscheinlich Schweine; rohes Schweinehack (Hackepeter) ist eine der Hauptquellen einer Infektion. 2)Epidemiologisches Bulletin Nr. 6/2012 des RKI Es muss eine relativ große Inokulationsdosis aufgenommen werden, damit es zu einer Infektion kommt.

Entstehung

Die Yersiniose ist eine Zoonose, d. h. eine Erkrankung, deren Erreger von Tieren auf den Menschen übergehen. Sie entsteht durch Krankheitserreger, die über kontamilierte Nahrungsmittel  (s. o.) oral aufgenommen werden. Da sie über Tiere verbreitet wird, gehört sie zu den Zoonosen.

Es sind 6 Biotypen (1A, 1B, 2, 3, 4, 5) und mehr als 70 Serotypen des Keims bekannt. Verschiedene Virulenzmarker, wie YadA ( Yersinien-Adhäsin) oder Yops (Yersinia outer membrane proteins) oder  Yst (Yersinia-stable toxin) bestimmen ihre Pathogenität. 3)Genes (Basel). 2018 May 3;9(5):235. doi: 10.3390/genes9050235. PMID: 29751540; PMCID: PMC5977175. Bestimmte Stämme des Keims bilden über das Ail-Gen ein Membranprotein, welches seine Zellbindung und -invasion fördert; sie sind hochpathogen. 4)Int J Food Microbiol. 2018 Mar 23;269:46-51. doi: 10.1016/j.ijfoodmicro.2018.01.016. Epub 2018 Feb … Continue reading

Die Keime gelangen im unteren Dünndarm, dem terminalen Ileum, in die Schleimhaut und dort insbesondere in die Peyerschen Plaques (Ansammlung von Immunzellen), wo sie sich vermehren. Von dort breiten sie sich in mesenteriale Lymphknoten aus. Diese können so anschwellen, dass sie ein Tumorgeschehen imitieren.

Y. enterocolitica bildet ein Enterotoxin, welches dem von E. coli-Bakterien ähnelt; es ist für den Durchfall (Diarrhö) verantwortlich.

Im Abstand von 1-2 Wochen können sich pathologische (krankhaft fehlgeleitete) Immunreaktionen entwickeln, so eine reaktive Gelenkentzündung (Arthritis) und ein Erythema nodosum. 5)Intern Med. 2017;56(10):1239-1242. doi: 10.2169/internalmedicine.56.7888. Epub 2017 May 15. PMID: … Continue reading

Symptomatik und Verlauf

Die Hauptmanifestation ist mehr oder weniger heftiger Durchfall, bedingt durch eine Kolitis, Enterokolitis und/oder terminalen Ileitis. Sie kann 1-2 Wochen, aber selten auch mehrere Monate dauern.

Differenzialdiagnosen:

Während des Verlaufs einer Yersiniose können unterschiedlich ausgeprägte Symptome entstehen, die verschiedene diagnostische Überlegungen veranlassen:

  • Eine rechtsseitige Unterbauchsymptomatik kann eine Appendizitis vortäuschen (Pseudoappendizitis).
  • Im Sonogramm können große Lymphknoten im Abdomen (Bauchraum) zur Differentialdiagnose maligner (bösartiger) Erkrankungen führen.
  • Das endoskopische Bild kann an eine Colitis ulcerosa oder einen Morbus Crohn denken lassen.
  • Gelenkbeschwerden lassen an eine rheumatoide Arthritis denken. Es können eine reaktive Arthritis und ein Erythema nodosum hinzukommen.
  • Eine Herzmuskelentzündung (Karditis), die durch die Yersinien ausgelöst wird, kann zunächst an viele Ursachen denken lassen (siehe hier). Sie macht sich durch Rhythmusstörungen und vorübergehende unspezifische EKG-Veränderungen bemerkbar.
  • Weitere seltene Begleitmanifestationen betreffen eine Urethritis, eine Augenbeteiligung mit Konjunktivitits oder Uveitis (Reiter Syndrom) und eine Glomerulonephritis. Yersinien lassen sich als deren Ursache wahrscheinlich machen, wenn sie im Rahmen einer Yersinienenteritis auftreten.

Besonders bei Kindern können die Symptome eines vor allem im rechten Unterbauch gelegenen Schmerzes so ausgeprägt sein, dass sie an die Notwendigkeit einer chirurgischen Intervention (Appendektomie) denken lassen. 6)Pediatr Surg Int. 2006 Jul;22(7):589-92. DOI: 10.1007/s00383-006-1703-y. Epub 2006 Jun 13. PMID: … Continue reading

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt über eine Stuhlkultur auf Spezialagar.

Ein ELISA-Test (enzyme-linked immunosorbent assay) kann Antikörper gegen das Bakterium im Serum nachweisen. 7)BMC Microbiol. 2017 May 25;17(1):125. doi: 10.1186/s12866-017-1035-1. PMID: 28545413; PMCID: … Continue reading

Therapie

Da die Erkrankung in der Regel selbstlimitierend verläuft, braucht meist kein Antibiotikum verabreicht zu werden.

Antibiotika (Ciprofloxacin, Aminoglykoside oder 3.Generations-Cephalosporine) können jedoch bei immungeschwächten und älteren Menschen und bei schwerem Verlauf sinnvoll sein.

Meldepflicht

Der Nachweis einer Infektion mit Yersinia enterocolitica ist meldepflichtig.


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Verweise

 


Autor der Seite ist Dr. Konrad Buscher (siehe Impressum).


 

Literatur

Literatur
1, 2 Epidemiologisches Bulletin Nr. 6/2012 des RKI
3 Genes (Basel). 2018 May 3;9(5):235. doi: 10.3390/genes9050235. PMID: 29751540; PMCID: PMC5977175.
4 Int J Food Microbiol. 2018 Mar 23;269:46-51. doi: 10.1016/j.ijfoodmicro.2018.01.016. Epub 2018 Feb 2. PMID: 29421357.
5 Intern Med. 2017;56(10):1239-1242. doi: 10.2169/internalmedicine.56.7888. Epub 2017 May 15. PMID: 28502944; PMCID: PMC5491824.
6 Pediatr Surg Int. 2006 Jul;22(7):589-92. DOI: 10.1007/s00383-006-1703-y. Epub 2006 Jun 13. PMID: 16770604.
7 BMC Microbiol. 2017 May 25;17(1):125. doi: 10.1186/s12866-017-1035-1. PMID: 28545413; PMCID: PMC5445397.