Yersiniose

Was üblicherweise als Yersiniose bezeichnet wird, ist eine Durchfallerkrankung mit Beteiligung des unteren Intestinaltrakts und multiplen extraintestinalen Manifestationen. Sie wird durch das Bakterium Yersinia enterocolitica hervorgerufen. Die Erkrankung verläuft meist prolongiert, ist aber meist selbstlimitierend. Gelegentlich werden Antibiotika erforderlich.

Die Erreger

Unter den vielen Spezies der Yersinien sind drei für den Menschen pathogen (krankheitserregend: Y. pestis (der Erreger der Pest), Y. pseudotuberculosis (der Erreger eines tuberkuloseähnlichen Verlaufs) und Y. enterocolitica (der Erreger der Yersiniose). Sie sind Gram-negativ, können fakultativ anaerob leben und sind wegen einer endständigen Geißel (Flagelle) beweglich. Die Erreger unterscheiden sich je nach Serotyp in der Bildung von Virulenzfaktoren, die für die Toxizität und Vermehrungsfähigkeit verantwortlich sind.


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Infektionsquellen

Die Yersiniose ist eine Zoonose; das Erregerreservoir für die Infektion des Menschen sind Haustiere (vor allem Schweine, Schafe, Ziegen, Hasen). Auch eine Infektion über infizierte Hunde und Katzen, die sich z. B. über Schweinefleisch anstecken können, ist möglich. 1)Lett Appl Microbiol. 2001 Jun; 32(6):375-8. Yersinia enterocolitica wird über kontaminierte Nahrungsmittel wie Milch, Fleisch oder Gemüse und Wasser aufgenommen. Die Hauptquelle scheint rohes Schweinehack (Hackepeter) zu sein. 2)rki, Epidemiologisches Bulletin 6/2012 Selbst pasteurisierte Milch kann infektiöse Yersinien enthalten und für einen lokalen Ausbruch verantwortlich sein. 3)J Infect Dis. 2000 May; 181(5):1834-7 Es muss eine relativ große Inokulationsdosis aufgenommen werden, damit es zu einer Infektion kommt. 4) 2011;2011:239391. doi: 10.4061/2011/239391.

Entwicklung

Die Keime erreichen nach oralen Aufnahme den untersten Teil des Dünndarms (terminales Ileum) und infizieren dort die Peyerschen Plaques, wo sie sich vermehren. Von dort breiten sie sich in mesenteriale Lymphknoten aus, die anschwellen. Das Yersinien-Enterotoxin ähnelt dem E.coli-Enterotoxin und ist für die Diarrhö verantwortlich. Bei der Entwicklung einer reaktiven Arthritis und eines Erythema nodosum spielen immunologische Mechanismen des Körpers eine Rolle.

Symptome, klinisches Bild und Befunde

Nicht jede Infektion führt zu Symptomen. Asymptomatische Verläufe oder Verläufe mit nur geringfügiger Symptomatik kommen nicht zu selten vor. Die in Deutschland gemeldeten Fälle sind Einzelfälle gewesen ohne Bezug zu anderen Fällen; es wurde 2010 von keinem endemischen Ausbruch berichtet. Die Häufigkeit lag bei 6,5 – 8 / 100000 pro Jahr.  5) 2010 Jun 14;10:337. doi: 10.1186/1471-2458-10-337.

Die Hauptmanifestation der klinisch manifesten Yersiniose ist Durchfall (Diarrhö), bedingt durch eine Dickdarmentzündung (Kolitis), Entzündung von Dünn- und Dickdarm (Enterokolitis) oder nur des untersten Teils des Dünndarms (terminale Ileitis). Meist ist sie selbstlimitierend und endet nach 1-2 Wochen; sie kann aber auch mehrere Monate dauern.

  • Eine rechtsseitige Unterbauchsymptomatik kann eine “Blinddarmentzündung” (Appendizitis) vortäuschen (Pseudoappendizitis).
  • Im Ultraschallbild können große Lymphknoten im Bauchraum (Abdomen) zur Differentialdiagnose maligner Erkrankungen führen. Das endoskopische Bild bei einer Dickdarmspiegelung kann an eine Colitis ulcerosa oder einen Morbus Crohn denken lassen.
  • Eine lokale Verdickung der Wandung des terminalen Ileums fördert die Neigung zu einer Intussusception mit Subileus und Ileussymptomatik, die besonders bei Kindern auftritt. 6) 2014 Feb;50(2):91-5. doi: 10.1111/jpc.12240. 7) 2012;51(18):2545-9.
  • Es können Gelenkbeschwerden (reaktive Arthritis) auftreten und ein Erythema nodosum hinzukommen.
  • Eine Yersinien-induzierte Herzmuskelentzündung (Myokarditis) macht sich durch Rhythmusstörungen und vorübergehende unspezifische EKG-Veränderungen bemerkbar.
  • Seltene Begleitmanifestationen betreffen eine Urethritis (Entzündung der Harnröhre), Augensymptome im Sinne einer Konjunktivitits und/oder Uveitis (Reiter Syndrom) und eine Nierenbeteiligung als Glomerulonephritis.

Diagnostik

Stuhlprobe: Der Keim kann durch eine Stuhlkultur auf Spezialagar nachgewiesen werden.

Nachweis von Antikörpern gegen Yersinia enterocolitica im Blut.

Ein immunologischer Test (ELISA-Test) lässt die Erkenkung relativ rasch nachweisen. 8) 2018 Dec;37(12):2301-2306. doi: 10.1007/s10096-018-3373-9.

Der NAAT (nucleic acid amplification test) ist sehr sensitiv. ( 2019 Mar 5;6(4):ofz116. doi: 10.1093/ofid/ofz116.))

Therapie

Da die Yersiniose in der Regel selbstlimitierend verläuft, braucht ein Antibiotikum nicht verabreicht zu werden. Antibiotika (Ciprofloxacin, Aminoglykoside oder 3.Generations-Cephalosporine) können aber indiziert sein bei immungeschwächten und älteren Menschen und bei schwerem, kompliziertem und prolongiertem Verlauf.

Es ist nicht nachgewiesen, dass eine Antibiotikatherapie eine in Gang gesetzte reaktive Arthritis bessert. 9) 2017;56(10):1239-1242. doi: 10.2169/internalmedicine.56.7888.

Meldepflicht

Der Nachweis einer Infektion mit Yersinia enterocolitica ist meldepflichtig.

Verweise


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).



Literatur   [ + ]

1. Lett Appl Microbiol. 2001 Jun; 32(6):375-8.
2. rki, Epidemiologisches Bulletin 6/2012
3. J Infect Dis. 2000 May; 181(5):1834-7
4. 2011;2011:239391. doi: 10.4061/2011/239391.
5. 2010 Jun 14;10:337. doi: 10.1186/1471-2458-10-337.
6. 2014 Feb;50(2):91-5. doi: 10.1111/jpc.12240.
7. 2012;51(18):2545-9.
8. 2018 Dec;37(12):2301-2306. doi: 10.1007/s10096-018-3373-9.
9. 2017;56(10):1239-1242. doi: 10.2169/internalmedicine.56.7888.