Tofacitinib

Tofacitinib ist ein oral wirksamer Januskinase-Inhibitor, der überwiegend JAK3 hemmt. Er vermindert die Aktivität einer rheumatoiden Arthritis in Dosen von 5 und 10 mg (2x täglich) [1]. Zulassungen sind nur in wenigen Ländern erfolgt (z. B. USA und Schweiz).

Mehr zu Januskinase-Hemmern siehe hier.


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Das Wichtigste

Kurzgefasst
Tofacitinib ist ein Medikament, welches die Behandlungsmöglichkeiten einer mittelschweren bis schweren rheumatoiden Arthritis und anderer Autoimmunkrankheiten erweitert. Es kommt als Option in Betracht, wenn die Standardtherapie mit Methotrexat nicht anschlägt. Auch chronisch entzündliche Darmkrankheiten sprechen gut an. Wegen des Nebenwirkungsprofils, in dem auch die Reaktivierung einer Tuberkulose und ein etwas erhöhtes Risiko für Lymphome enthalten sind, ist bei der Indikation Vorsicht geboten. Tofacitinib ist nicht in allen Ländern zugelassen.

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Indikationen

Tofacitinib kommt als Option für Fälle einer mittelschweren bis schweren rheumatoiden Arthritis in Betracht, in denen die Standardtherapie mit Methotrexat nicht oder unzureichend anschlägt.

Wirkungen

  • Rheumatoide Arthritis:
    • In einer Phase-3-Studie 2012 [2] wurden Patienten mit rheumatoider Arthritis, die unzureichend auf Methotrexat (MTX) ansprachen (nach 3 Monaten Behandlung weniger als 20% Verbesserung der geschwollenen und schmerzhaften Gelenken), mit entweder Adalimumab, Tofacitinib oder Placebo behandelt. Nach 6 Monaten Behandlung lag die Ansprechrate unter 5 und 10 mg Tofacitinib bei 51.5% und 52.6%, unter Adalimumab (alle 2 Wochen 40 mg) bei 47.2% und unter Placebobehandlung bei 28.3%.
    • In einer Studie 2014 [3], die die Wirksamkeit von Tofacitinib im Vergleich mit der von Methotrexat an Patienten mit rheumatoider Arthritis untersucht, wird festgestellt, dass Tofacitinib dem MTX bezüglich Verbesserung der Symptome überlegen ist. Eine über 70-prozentige Verbesserung der Symptome (nach den Kriterien des American College of Rheumatology, ACR) hatten nach 6 Monaten 25,5% der 5 mg-Gruppe und 37,7% der 10 mg-Gruppe, dagegen nur 12,0% der MTX-Gruppe.
    • Die theraierefraktäre Psoriasis-Arthritis reagiert auf den Januskinase-Inhibitor günstig. 1) 2019 Jan 11;5(1):e000806. doi: 10.1136/rmdopen-2018-000806.
    • Eine Cochrane-Auswertung von Studien besagt, dass der JAK-Hemmer zu einer bedeutsamen Verbesserung der Symptome führt, auch im Vergleich zu Methotrexat und konventionellen DMARDs. 2) 2017 Mar 10;3:CD012591. doi: 10.1002/14651858.CD012591.
  • Colitis ulcerosa und Morbus Crohn: In einer Studie 2012 zur Wirkung von Tofacitinib bei mittelschwerer und schwerer Colitis ulcerosa kam es unter der Wirkung von 5 und 10 mg 2x täglich zu einer klinischen Remission nach 8 Wochen in 33 und 48% der Teilnehmer verglichen mit 10% bei einer Placebo-Behandlung [4]. Im Gegensatz zur Colitis ulcerosa reagiert der Morbus Crohn in mittelschwerer und schwerer Ausprägung kaum auf Tofacitinib [5]. In einer Auswertung von Fällen der allgemeinen Praxis mit mittelschwerer bis schwerer, anti-TNF-resistenter IBD (Real-World Experience) wurde ein klinisches Ansprechen bei 69% der Patienten erzielt. Nach einem Behandlungsjahr waren 27% waren in klinischer, steroidfreier Remission. 3) 2019 Feb 7. doi: 10.1007/s10620-019-05492-y.
  • Abstoßungsprophylaxe nach Nierentransplantation: In einer Zusammenstellung der bisherigen Studien wird festgestellt, dass Tofacitinib die Abstoßung einer Nierentransplantats verhindern kann, dass jedoch das erhöhte Risiko einer Reaktivierung von Virusinfektionen, so einer CMV– und EBV-Infektion, sowie einer Anämie und Leukopenie bedacht werden muss [6].
  • Alopezie (A. totalis und universalis): Die Alopezie reagiert mäßig gut auf Tofacitinib. Nach 6 Monaten erreichten “44,4% der Patienten in der Tofacitinib-Gruppe und 37,5% in der konventionellen oralen Behandlungsgruppe sowie 11,1% in der Diphenylcyclopropenon-Gruppe eine 50% ige Verbesserung des Severity of Alopecia Tool-Scores”. 4) 2019 Jan 1;99(1):41-46. doi: 10.2340/00015555-3057.

Nebenwirkungen

Es sind einige Nebenwirkungen von Tofacitinib zu beachten, unter denen auch schwerwiegende sind, wie Anstieg der Nierenwerte, des Cholesterins und der Transaminasen sowie eine Abwehrschwäche mit Senkung der neutrophilen Leukozyten und ein erhöhtes Risiko für Virusinfektionen (wie Herpes zoster und Cytomegalie-Infektion) und Tuberkulose sowie vor allem ein erhöhtes Risiko für Lymphome [7]. Dennoch wird Tofacitinib für im Vergleich mit anderen krankheitsmodifizierenden antirheumatischen Medikamenten (DMARDs) als relativ effektiv und sicher angesehen [8]. Weniger schwere Nebenwirkungen betreffen Durchfall, nasale Reizungen, Kopfschmerzen und Infektionen der Atemwege.

Verweise

Literatur

  1. ? Clin Rheumatol. 2013; 32(10): 1415–1424
  2. ? N Engl J Med. 2012 Aug 9;367(6):508-19
  3. ? N Engl J Med. 2014 Jun 19;370(25):2377-86
  4. ? N Engl J Med. 2012 Aug 16;367(7):616-24
  5. ? Clin Gastroenterol Hepatol. 2014 Sep;12(9):1485-1493.e2
  6. ? Transplant Rev (Orlando). 2013 Jul;27(3):85-9
  7. ? N Engl J Med. 2014 Jun 19;370(25):2377-86
  8. ? Ann Pharmacother. 2013 Nov;47(11):1524-31

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. 2019 Jan 11;5(1):e000806. doi: 10.1136/rmdopen-2018-000806.
2. 2017 Mar 10;3:CD012591. doi: 10.1002/14651858.CD012591.
3. 2019 Feb 7. doi: 10.1007/s10620-019-05492-y.
4. 2019 Jan 1;99(1):41-46. doi: 10.2340/00015555-3057.