Pneumothorax

Pneumothorax bedeutet Luft im Pleuraspaltraum. Normalerweise liegen die Lungen mit ihrer äußeren Begrenzung, dem Lungenfell (Pleura visceralis) der inneren Wand des Thorax mit seinem Überzug (Pleura parietalis) eng an; der Spaltraum enthält keine Luft, sondern nur Feuchtigkeit zum Gleiten der Pleurablätter beim Atmen. Beim Pneumothorax ist Luft in diesen Spaltraum eingedrungen. Meist ist ein Defekt der Lungen die Ursache. Ein Pneumothorax hat die Tendenz, sich zu vergrößern, da die Lunge elastisch ist und sich in Richtung Hilus retrahieren will. Die Therapie besteht in der Anlage einer Drainage.


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Ursachen

Häufige Ursachen sind:

  • geplatzte Emphysemblase
  • traumatisch (z. B. Rippenfraktur mit Verletzung der Pleurablätter)

Häufig liegt beim Spontanpneumothorax Nikotinabusus vor. 1) 2014 May 19;1(4):195-199. doi: 10.1002/ams2.33.

Einteilung

  • Der Spontanpneumothorax: er ist dadurch gekennzeichnet, dass keine erkennbare Ursache für die Auslösung gefunden werden kann. Sie kommt nicht durch ein Trauma oder einen medizinischen Eingriff (iatrogen) zustande. Er lässt sich in zwei Formen unterteilen:
    • primär spontaner Pneumothrorax: diese Form kommt vor bei jungen Patienten ohne Lungenkrankheit vor,
    • sekundär spontaner Pneumothorax: Bei dieser Form liegt dem Pneumothorax eine prädisponierende Lungenkrankheit vor.
  • Der traumaische Pneumothorax: bedingt durch ein Trauma oder einen medizinischen Eingriff.

Symptomatik

Ein nur gering ausgeprägter Pneumothorax wird häufig nicht bemerkt. Je ausgedehnter er ist, desto eindrücklicher werden die Symptome: Atemnot mit dem Gefühl, nicht alles ausatmen zu können, Einschränkung der Belastbarkeit, manchmal Herzklopfen, Angstgefühle.

Diagnostik

Klinische Untersuchung: Für einen Pneumothorax charakteristisch ist das Fehlen eines Atemgeräuschs bei der Auskultation der betreffenden Thoraxseite zusammen mit dem Fehlen einer Dämpfung bei der Perkussion. Wäre eine Dämpfung nachweisbar, müsste das Fehlen des Atemgeräuschs anders interpretiert werden, z. B. als Pleuraerguss. Bei nicht übergewichtigen Menschen kann perkutorisch im Gegenteil ein im Vergleich zur kontralateralen Lunge ein hypersonorer Klopfschall festgestellt werden.

Das Herz liegt bei einem ausgeprägten Pneumothorax verschoben, bei einem rechtsseitigen nach links, bei einem linksseitigen nach rechts unter das Brustbein, wo es kaum noch perkutorisch abgrenzbar ist.

Bei einem Spannungspneumothorax, bei dem das Mediastinum durch einen Überdruck im Pneumothoraxbereich zur Gegenseite verschoben ist, kann eine ausgeprägte obere Einflussstörung mit Halsvenenstauung festgestellt werden.

Röntgenbild: Beweisend für einen Pneumothorax ist meist bereits das Röntgenübersichtsbild der Lungen. Es lässt sich ein mehr oder weniger breiter Randsaum um die betreffende Lunge erkennen, der völlig frei von Lungenstruktur ist.

Therapie

Die Hauptziele der Behandlung des Pneumothorax 2) 2013 Feb;16(2):186-92. doi: 10.1093/icvts/ivs445. sind

  • die Entfaltung der Lunge, sofern die Atemfläche wirksam eingeschränkt ist (ein schmaler Randpneumothorax kann meist zunächst belassen und „beobachtet“ werden), und
  • die Vorbeugung eines Relapses, d.h. eines erneuten Pneumothorax.

Beobachtendes Zuwarten: Dies wird für ennige Zeit als vertretbar angesehen. 3) 2014 May 19;1(4):195-199. doi: 10.1002/ams2.33.

Bülau-Drainage: Der betroffene Lungenflügel wird durch eine Saugdrainage (Bülau-Drainage) wieder ausgedehnt. Häufig wird gleichzeitig eine Thorakoskopie durchgeführt, um die Art des Defekts untersuchen zu können. Bei der Ausdehnung der kollabierten Lunge kann es in seltenen Fällen zu einem Ödem der betroffenen Lungenhälfte kommen; ist es ausgeprägt, kommt es zu Atemnot, Tachykardie, einem Abfall des Sauerstoffdrucks im Blut und einem Anstieg des Hämatokrits. Die Häufigkeit wird mit etwa 1-14% angegeben. 4)Chest 1991;100:1562-6 5)J Accid Emerg Med. 1999 November; 16(6): 454–455 Die Empfehlung lautet daher, eine rasche Lungenentfaltung durch zu starken Unterdruck zu vermeiden und die Lungen sich langsam ausdehnen zu lassen. 6) 2013 Feb;16(2):186-92. doi: 10.1093/icvts/ivs445.

Eine ambulante Behandlung durch Thoraxdrainage mit Ventil wird zunehmend propagiert 7) 2019 Jan 11;19(1):4. doi: 10.1186/s12873-018-0213-2.

Pleurodese: Da Pneumothorax-Rezidive möglich sind; daher wird bei thorakoskopischer Anlage der Drainage meist eine Pleurodese (Verklebung der Pleurablätter) durchgeführt, besonders wenn es sich nicht um den ersten Spontanpneumothorax handelt.

Notfalltherapie bei Spannungspneumothorax: Der Spannungspneumothorax (s.o.) ist eine lebensbedrohliche Ausprägung des Pneumothorax, die sofort behandelt werden muss. Dazu sollte der Überdruck im Pleuraspalt rasch abgelassen werden, was durch die Einführung einer großlumigen Kanüle, die zwischen den Rippen eingeführt wird, erfolgen kann. Wenn zur Hand, kann das äußere Ende der Kanüle durch den Finger eines Gummihandschuhs abgedichtet werden, der so perforiert wird, dass ein Ventil entsteht , durch das Luft zwar hinaus, jedoch nicht mehr hinein gelangen kann. Die definitive Therapie erfolgt dann in einer Klinik.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. 2014 May 19;1(4):195-199. doi: 10.1002/ams2.33.
2, 6. 2013 Feb;16(2):186-92. doi: 10.1093/icvts/ivs445.
3. 2014 May 19;1(4):195-199. doi: 10.1002/ams2.33.
4. Chest 1991;100:1562-6
5. J Accid Emerg Med. 1999 November; 16(6): 454–455
7. 2019 Jan 11;19(1):4. doi: 10.1186/s12873-018-0213-2.