Milch als Risikofaktor für Krankheiten

Milch gilt im allgemeinen als gesund. Heute wird in bestimmten Beziehungen jedoch Milch als Risikofaktor für Krankheiten diskutiert.

Milch ist für die Ernährung Neugeborener praktisch unersetzlich. Sie wirkt auf vielfältige Weise wachstumsfördernd und günstig auf das Immunsystem (siehe hier). Jenseits des Kleinkindesalters jedoch beginnt dauerhafter Milchkonsum zunehmend problematisch für die Gesundheit zu werden. Menschen mit Veranlagung zu Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Krebskrankheiten beispielsweise sind nach neueren Erkenntnissen möglicherweise durch zusätzlichen Milchkonsum vermehrt gefährdet. Die inzwischen erforschten zugrunde liegenden Pathomechanismen untermauern bereits bekannte statistische Zusammenhänge. Damit ist ein anhaltender Milchkonsum im Erwachsenenalter kritisch zu betrachten.

Milch als Risikofaktor für Diabetes mellitus und andere Zivilisationserkrankungen

Westliche hochkalorische Ernährung zusammen mit anhaltendem Milchkonsum über das Kindesalter hinaus wird als wesentliche Ursache für die große Zivilisationskrankheit, den Diabetes mellitus, angesehen. Die ständige zusätzliche Stimulierung der Insulinproduktion durch Faktoren der Milch (verzweigtkettige Aminosäuren und mikroRNA) führt bei Menschen mit bereits ständiger Überstimulation, wie es beim metabolischen Syndrom der Fall ist, zu einer beschleunigten Erschöpfung der Inselzellen. Es wird daher geraten, dass vor allem Diabetes-gefährdete Menschen, auf Milchkonsum verzichten. Auch zu anderen Zivilisationserkrankungen, wie der Adipositas, dem arteriellen Hypertonus und der Akne bestehen pathogenetische Verbindungen über eine Dauerstimulation des m-TORC1-Weges [1].

Milch als Risikofaktor für Krebs?

Faktoren der Kuhmilch fördern die Zellproliferation und bedeuten für Kleinkinder einen physiologischen Stimulus für Wachstum (siehe hier). Für Erwachsene jedoch gilt der ständige Wachstumsstimulus als ein potenzieller Risikofaktor für Krebskrankheiten. Der Mechanismus beinhaltet zentral den mTORC1-Stoffwechselweg, der durch miR und Leucin (eine verzweigtkettige Aminosäure, die in hoher Konzentration in Kuhmilch vorhanden ist) bei Milchtrinkern ständig angeregt wird. Leucin erhöht über diesen Weg beispielsweise die Produktion von Insulin und Insulin-like-Growth-Factor-1 (IGF-1). Auch das in der Milch vorhandene Tryptophan wirkt in ähnlicher Weise. Die anhaltende Überstimulierung der Wachstumsfaktoren wird als Ursache für das bei Milchtrinkern erhöhte Risiko für Prostatakrebs angesehen [2]. Die in Kuhmilch vorhandene mikroRNA miR-21 gilt zudem als Onkogen und Risikofaktor für das Nierenzellkarzinom [3] und das Prostatakarzinom [4]. Dies ist ein weiterer Grund für eine inzwischen kritische Betrachtung von Milch und Milchprodukten als Nahrungsmittel für Erwachsene.

Andererseits wird Milchkonsum mit einem um 16% vermindertem Risiko für Blasenkrebs in Zusammenhang gebracht. 1) 2011 Nov;63(8):1263-71. doi: 10.1080/01635581.2011.614716.

16% reduction bladder cancer risk in milk consumers [], no effect on ovarian cancer risk [], and a 11% increased in prostate cancer risk

Verweise

Literatur

  1. ? Nutr J. 2013 Jul 25;12:103. doi: 10.1186/1475-2891-12-103
  2. ? J Nutr. 2013 Feb;143(2):189-96
  3. ? PLoS One. 2012;12:e37366. doi: 10.1371
  4. ? Nutr Metab (Lond) 2012;12:74. doi:10.1186/1743-7075-9-74


Literatur   [ + ]

1. 2011 Nov;63(8):1263-71. doi: 10.1080/01635581.2011.614716.