Milch als Risikofaktor für Krankheiten

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Milch gilt im allgemeinen als gesund. Für Säugling ist sie unentbehrlich. Heute wird jedoch Milch für Erwachsene als möglicher Risikofaktor für Krankheiten diskutiert.

Allgemeines

Milch ist für die Ernährung Neugeborener praktisch unersetzlich. Sie wirkt auf vielfältige Weise wachstumsfördernd und günstig auf das Immunsystem (siehe hier). Jenseits des Kleinkindesalters jedoch beginnt dauerhafter Milchkonsum möglicherweise problematisch für die Gesundheit zu werden. Menschen mit Veranlagung zu Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Krebskrankheiten beispielsweise sind durch zusätzlichen Milchkonsum vermehrt krankheitsgefährdet. Die bisher bekannt gewordenen zugrunde liegenden Pathomechanismen untermauern bereits bekannte statistische Zusammenhänge. Offenbar spielen die in der Milch vorhandenen Wachstumsfaktoren dabei eine gewisse Rolle. Ein anhaltender und vor allem hoher Milchkonsum im Erwachsenenalter ist daher differenziert und für bestimmte Gruppen kritisch zu betrachten.

Milch als Risikofaktor für Diabetes mellitus und andere Zivilisationserkrankungen

Westliche hochkalorische Ernährung zusammen mit anhaltendem Milchkonsum über das Kindesalter hinaus wird als wesentliche Ursache für die große Zivilisationskrankheit, den Diabetes mellitus, angesehen. Die ständige zusätzliche Stimulierung der Insulinproduktion durch Faktoren der Milch (verzweigtkettige Aminosäuren und mikroRNA) führt bei Menschen mit bereits ständiger Überstimulation, wie es beim metabolischen Syndrom der Fall ist, zu einer beschleunigten Erschöpfung der Inselzellen. Es wird daher geraten, dass vor allem Diabetes-gefährdete Menschen, auf Milchkonsum verzichten. Auch zu anderen Zivilisationserkrankungen, wie der Adipositas, dem arteriellen Hypertonus und der Akne bestehen pathogenetische Verbindungen über eine Dauerstimulation des m-TORC1-Weges. 1)Nutr J. 2013 Jul 25;12:103. doi: 10.1186/1475-2891-12-103

Milch als Risikofaktor für Krebs?

Faktoren der Kuhmilch fördern die Zellproliferation und bedeuten für Kleinkinder einen physiologischen Stimulus für Wachstum (siehe hier). Für Erwachsene jedoch gilt der ständige Wachstumsstimulus als ein potenzieller Risikofaktor für Krebskrankheiten. Der Mechanismus beinhaltet zentral den mTORC1-Stoffwechselweg, der durch miR und Leucin (eine verzweigtkettige Aminosäure, die in hoher Konzentration in Kuhmilch vorhanden ist) bei Milchtrinkern ständig angeregt wird. Leucin erhöht über diesen Weg beispielsweise die Produktion von Insulin und Insulin-like-Growth-Factor-1 (IGF-1). Auch das in der Milch vorhandene Tryptophan wirkt in ähnlicher Weise.

Die anhaltende Überstimulierung der Wachstumsfaktoren wird als Ursache für das bei Milchtrinkern erhöhte Risiko für Prostatakrebs angesehen. 2)J Nutr. 2013 Feb;143(2):189-96 Die in Kuhmilch vorhandene mikroRNA miR-21 gilt zudem als Onkogen und Risikofaktor für das Nierenzellkarzinom 3)PLoS One. 2012;12:e37366. doi: 10.1371 und das Prostatakarzinom. 4)Nutr Metab (Lond). 2012 Aug 14;9(1):74. doi: 10.1186/1743-7075-9-74. PMID: 22891897; PMCID: … Continue reading Dies ist ein weiterer Grund für eine inzwischen kritische Betrachtung von Milch und Milchprodukten als Nahrungsmittel für Erwachsene.

Andererseits wird moderater Milchkonsum mit einem vermindertem Risiko für Blasenkrebs in Zusammenhang gebracht, in einer Arbeit um 16%. 5)Nutr Cancer. 2011 Nov;63(8):1263-71. doi: 10.1080/01635581.2011.614716. Epub 2011 Nov 1. PMID: … Continue reading Bei hohem Verbrauch von Vollmilch wurde dagegen ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs (+21%) gegenüber niedrigem Verbrauch festgestellt. 6)Adv Nutr. 2019 May 1;10(suppl_2):S224-S238. doi: 10.1093/advances/nmy119. PMID: 31089737; PMCID: … Continue reading

Ein neuer Ansatz zur Bestimmung einer Assoziation von Milchkonsum und Krankheiten ist die Verwendung des genetischen Markers für eine Milchunverträglichkeit durch Laktasemangel (genetische Varianten rs4988235 oder rs182549): Eine Gruppe von Menschen mit diesen Genvarianten wurde mit einer Gruppe verglichen, die keinen Laktasemangel aufwiesen 7) BMC Med 18, 370 (2020). https://doi.org/10.1186/s12916-020-01839-9: es wurde festgestellt, dass

  • das Risiko für Darmkrebs in der Gruppe derjenigen, die Milch vertragen, um 5% niedriger war als in der Gruppe derjenigen mit Milchunverträglichkeit.
  • das Risiko für Blasenkrebs und das Mammakarzinom etwa gleich hoch wie in der Kontrollgruppe lag.
  • das Risiko für Prostatakrebs in einer Studiengruppe etwa gleich hoch, das in einer anderen (der Studiengruppe des FinnGen Konsortiums) um 7% höher als in der Gruppe derjenigen mit Milchunverträglichkeit lag.

Verweise

 

 

Literatur

Literatur
1 Nutr J. 2013 Jul 25;12:103. doi: 10.1186/1475-2891-12-103
2 J Nutr. 2013 Feb;143(2):189-96
3 PLoS One. 2012;12:e37366. doi: 10.1371
4 Nutr Metab (Lond). 2012 Aug 14;9(1):74. doi: 10.1186/1743-7075-9-74. PMID: 22891897; PMCID: PMC3499189.
5 Nutr Cancer. 2011 Nov;63(8):1263-71. doi: 10.1080/01635581.2011.614716. Epub 2011 Nov 1. PMID: 22043867.
6 Adv Nutr. 2019 May 1;10(suppl_2):S224-S238. doi: 10.1093/advances/nmy119. PMID: 31089737; PMCID: PMC6518155.
7 BMC Med 18, 370 (2020). https://doi.org/10.1186/s12916-020-01839-9