Lebensqualität

Lebensqualität (quality of life) ist die subjektive Wahrnehmung der Qualität, die man nach eigener Beurteilung seinem Leben zumisst. Vielfach wird sie allerdings rein ökonomisch betrachtet. In der englischsprachigen Literatur wird die Lebensqualität oft mit „life satisfaction“ oder „well-beeing“ in Zusammenhang gebracht, da sie für viele Menschen die Grundlage für die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben darstellt.

Lebensqualität, Lebenszufriedenheit und subjektives Wohlbefinden

Die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben wird definiert als Einschätzung der Lebensqualität nach selbst gewählten Kriterien [1]. Betont wird, dass es subjektive Beurteilungskriterien sind, die in die Lebenszufriedenheit einfließen. Für die einzelnen Menschen können die Kriterien A, B, C (z. B. Geld, Freizeit, soziale Kontakte, Kinder…) jeweils unterschiedlich große Bedeutung besitzen. Die Lebenszufriedenheit kann daher hoch sein, auch wenn es an körperlicher Gesundheit oder materiellem Wohlstand, die zu der „Lebensqualität“, wie sie Ökonomen messen (s.u.), mangelt. „Glück benötigt Befriedigung mit dem Leben als Ganzem“ [2].

Bestimmung der Lebenszufriedenheit

Wegen ihrer zentralen Bedeutung für die Einschätzung individueller psychiatrischer Krankheitsverläufe wie auch der Befindlichkeit kleinerer oder größerer Gruppen von Menschen wurden Skalen der subjektiven Lebenszufriedenheit entwickelt.

Ein Beispiel ist die „Satisfaction With Life Scale (SWLS)“. Darin werden in strukturierten Fragebögen folgende Aussagen zur Beurteilung vorgestellt [3]

  • Mein Leben entspricht überwiegend meinen Idealvorstellungen (In most ways my life is close to my ideal).
  • Meine Lebensumstände sind ausgezeichnet (The conditions of my life are excellent).
  • Ich bin mit meinem Leben zufrieden (I am satisfied with my life).
  • Bisher habe ich das Wesentliche im Leben erreicht (So far I have gotten the important things I want in life).
  • Zurückblickend würde ich in meinem Leben fast nichts anders machen (If I could live my life over, I would change almost nothing).

Beurteilt wird nach einer 1-7-Skala: 1 =starke Ablehnung, 2 = Ablehnung, 3 = geringe Ablehnung, 4 = neutral, 5 =geringe Zustimmung, 6 =Zustimmung, 7 =starke Zustimmung.

Die Skala berücksichtigt die affektive Komponente der Lebenszufriedenheit nicht. Sie wird beispielsweise mit der Skala des Affectometers (s.u.) einbezogen [4].

Die SWLS kann als Instrument nicht nur zur Bestimmung und Verlaufsbeobachtung individueller Befindlichkeitsstörungen im medizinischen Bereich, sondern auch zur Bestimmung der bevölkerungsbezogenen psychischen Gesundheit verwendet werden [5] (s.u.).

Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität

Die gesundheitsbezogene Lebensqualität kann durch strukturierte Fragebögen mehr oder weniger gut “gemessen” werden. Die Scores können

  • einerseits zur individuellen Verlaufsbeurteilung bei psychischen Erkrankungen und
  • andererseits zur Beurteilung des Wohlbefindens einer Bevölkerung

dienen und haben in dieser Funktion Auswirkungen auf die Gesundheitspolitik. Im Folgenden werden Beispiele angeführt:

Affectometer: In der revidierten Fassung erweist sich die Skala des Affectomerters als ein Instrument zur Bestimmung der psychischen Gesundheit einer Population [6].

Health-Survey Skalen: Das „36-item-Health-Survey”-Skala (SF36) wurde zur Beurteilung der gesamtheitlichen körperlichen und geistigen Gesundheit in einer Bevölkerung entwickelt und bereits 1999 in Deutschland zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität herangezogen [7].

Im SF36 werden 8 Komplexe zu Gesundheitsfragen erhoben:

  • Körperliche Funktionsfähigkeit (Fragen zur Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit)
  • Auswirkung des körperlichen Befindens in Bezug zu den Anforderungen (Fragen zur Beeinträchtigung im Alltag und Berufsleben wegen körperlicher Gesundheit)
  • Schmerz (Fragen zur Auswirkung auf körperliche Funktionsfähigkeit im Alltag)
  • Allgemeine Gesundheitswahrnehmung
  • Vitalität (wie man sich in dieser Beziehung einschätzt)
  • Funktionsfähigkeit in Bezug zu sozialen Kontakten (Fragen zur Beeinträchtigung sozialer Kontakte durch körperliche oder psychische Probleme)
  • Auswirkung des psychischen Befindens (Fragen zur Beeinträchtigung der Funktionen im Alltag oder Beruf durch psychische Probleme)
  • Psychisches Wohlbefinden (Fragen nach Glück, Traurigkeit, Gelassenheit etc).

Die SF12 und SF-6D sind kompaktere Nachfolger. Sie dienen zusammen mit anderen Messsystemen (z. B. mit EQ-5D) zur Beurteilung relativ breiter Gesundheitsdomainen [8]. Sie können zur Beurteilung der allgemeinen Gesundheit und sozialer Funktionen in einer Bevölkerung benutzt werden [9][10].

Lebensqualität und Gesundheit

Wesentliche Grundlage der individuellen Lebensqualität ist die eigene Gesundheit. Sie wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sehr breit definiert:

„ Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur der Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen.“ (orig: “Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.” Zitat aus Veröffentlichung der WHO); die Definition ist seit 1946 nicht verändert worden.

An anderer Stelle wird von der WHO insbesondere die psychische Gesundheit als der entscheidende Hauptfaktor für das individuelle Wohlbefinden und damit für die subjektive Lebensqualität hervorgehoben (Übertragung aus dem Englischen):
„Psychische Gesundheit (mental health) ist ein Zustand des Wohlbefindens, in dem

  • ein Individuum seine oder ihre eigenen Fähigkeiten erkennt,
  • es die normalen Anforderungen des Lebens bewältigt,
  • produktiv arbeiten kann
  • und in der Lage ist, einen Beitrag zu seiner Gemeinschaft zu leisten.

In diesem positiven Sinn ist psychische Gesundheit die Grundlage für individuelles Wohlbefinden und das effektive Funktionieren einer Gemeinschaft.“

Lebensqualität und Lebensstandard

Lebensqualität beinhaltet nach allgemeiner Auffassung sowohl das körperliche als auch das seelische Wohlbefinden.

Zu beidem trägt eine Reihe einzelner Faktoren bei, so beispielsweise eine befriedigende soziale Einbettung und ausreichende ökonomische Lebensumstände (Lebensstandard) wie die Verfügbarkeit von Nahrung, Kleidung, Wohnung und anderer materieller Güter (je nach Anspruchshaltung und subjektiven Wunschvorstellungen).

Der Lebensstandard ist alleine, d.h. losgelöst von der individuellen Erwartungshaltung bezüglich der Lebensqualität, wenig aussagekräftig. Die Wirtschaftswissenschaften verwenden die Bezeichnung Lebensqualität jedoch gelegentlich dennoch im Sinne von ökonomischem „Lebensstandard“ und messen sie am Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung. Allerdings sind materieller Wohlstand und Reichtum nicht oder nicht die alleinigen Garanten für die Qualität, die man dem eigenen Leben zumisst.

Lebensqualität und Politik

Für die Politik spielte früher hauptsächlich der ökonomisch definierte Lebensstandard, heute zunehmend die durchschnittliche Lebensqualität in der Bevölkerung eine bedeutende Rolle. Die Lebensqualität beeinflusst maßgeblich aktuelle Entscheidungen und Planungen für die Zukunft sowohl im individuellen als auch im politischen Bereich.

Für die Politik ist bedeutsam, dass sich die Lebensqualität einer Bevölkerung in gewisser Weise an messbaren Kriterien, so beispielsweise an der Bevölkerungsentwicklung, der Arbeitslosenquote, der Scheidungsrate oder an der Kriminalität ablesen lässt. Auch Umfragen zum lokalen Freizeitwert oder dem Gefühl der Sicherheit oder politischen Stabilität spielen eine bedeutende Rolle.

Für bestimmte Bevölkerungsgruppen spielen besondere Faktoren eine herausragende Rolle hinsichtlich der Lebensqualität. Für Frauen sind Fragen zur Gleichberechtigung und Chancengleichheit von spezieller Bedeutung, für zugewanderte Bürger solche zur Integration und gesellschaftlichen Akzeptanz, den Ausbildungschancen und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten, für ältere Menschen solche zu sozialem Kontakt und zur Pflege und medizinischen Versorgung.

Lebensqualität in der Dritten Welt

Die Lebensqualität in Entwicklungsländern hängt wesentlich ab von der Sicherung von Nahrung und Trinkwasser, politischer Eigenständigkeit und den Bürgerrechten. Darunter sind hervorzuheben: Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Demonstrationsrecht, Informationsfreiheit, Schutz von Leib, Leben und Besitz, schulische und berufliche Ausbildung, Schutz vor Ausbeutung, Entfaltung der eigenen Persönlichkeit, Hygiene und medizinische Versorgung.

Die Zufriedenheit mit dem Leben („life satisfaction“) wird in verschiedenen Ländern der Erde mit Hilfe definierter Erhebungsbögen bestimmt. Die Umfrageergebnisse unterscheiden sich erheblich zwischen den OECD- und den Nicht-OECD-Ländern (Beispiel hier).

Die WHO (World Health Organization) betont, dass das Wohlbefinden der Menschen wesentlich von den Ökosystemen mitbestimmt wird, die wegen ihrer komplexen Auswirkung eines besonderen Schutzes bedürfen. Insbesondere sind es Nahrungsmittel, frisches Wasser, Energie, deren Verfügbarkeit geschützt werden müssen, und dies vor allem in den Entwicklungsländern. „.. a precautionary approach to environmental protection is most likely to protect and enhance health. Unavoidable uncertainties about the impacts of global environmental changes on public health should not be an excuse for delaying policy decisions.“ (siehe hier).

Verweise

Literatur

  1. ? Andrews, F. M., & Withey, S. B. (1976). Social indicators of well-being: Americas perception of life quality. New York: Plenum
  2. ? Tatarkiewicz, W. (1976). Analysis of- happiness. The Hague, Netherlands: Martinus Nijhoff
  3. ? Journal of Personality Assessment, 1985,49, 1
  4. ? Kammann, R., & Flett, R. (1983). Affectometer 2: A scale to measure current level of general happiness. Australian Journal of Psycholog1983; 35: 257-265
  5. ? Ostlie K et al. Disabil Rehabil. 2010 Dec 20. [Epub ahead of print]
  6. ? Qual Life Res. 2007 May;16(4):687-95
  7. ? Radoschewski, M; Bellach, B.-M. (1999) Der SF-36 im Bundes-Gesundheits-Survey Das Gesundheitswesen, 61 (1999), Sonderheft 2, S. 191-199
  8. ? Value Health. 2006 Jul-Aug;9(4):262-71
  9. ? Qual Life Res. 2010 Aug;19(6):853-64
  10. ? Mutebi A, Brazier JE, Walters SJ. Qual Life Res. 2011 Mar 11. [Epub ahead of print]