Persönlichkeitstypen

Artikel aktualisiert am 27. Juli 2023


Persönlichkeit

Als Persönlichkeit kann die Gedanken- und Gefühlswelt und der innere Fundus angesehen werden, aus dem die typischen Gewohnheiten, Eigenschaften, Empfindungen und Reaktionen eines Menschen entspringen. Die Persönlichkeit ist ein innerer Kern, der einen Menschen identifizierbar macht und von anderen über die Zeit hinweg unterscheidet. (1)Psychol Assess. 1992;4(1):5–13. doi: 10.1037/1040-3590.4.1.5. Es lassen sich verschiedene Persönlichkeitstypen unterscheiden.

Persönlichkeitsmerkmale

Die meisten westlichen Psychologen beurteilen Menschen nach fünf wesentlichen Persönlichkeitsmerkmalen („big five“ der Persönlichkeitstypen): (2)J Pers. 1992 Jun;60(2):329-61. doi: 10.1111/j.1467-6494.1992.tb00976.x.

  • Neurotizismus (emotionale Labilität),
  • Extraversion (Geselligkeit),
  • Offenheit (Aufgeschlossenheit für Neues),
  • Verträglichkeit (Rücksichtnahme, Mitgefühl, Kooperativität) und
  • Gewissenhaftigkeit (Verlässlichkeit, Verantwortungsgefühl).

Persönlichkeitstypen

Je nach ihrer Kombination lassen sich 3 Persönlichkeitstypen grob unterscheiden: widerstandsfähig, überkontrolliert und unterkontrolliert.

  • Rollenmodell-Typ: Widerstandsfähige (resiliente) Menschen können mit ihren Emotionen umgehen und sich von Tiefschlägen leichter erholen. Sie sind besonders sozial verträglich. Ihre Haupteigenschaften sind Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit, dagegen kaum Neurotizismus.
  • Überkontrollierter Typus: Überkontrollierte Individuen wirken distanziert, oft schüchtern und gefühlsarm. Dieser Typ zeigt überdurchschnittliche Werte in Bezug auf Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit und relativ niedrigere Werte in den anderen.
  • Unterkontrollierter Typus: Menschen mit zu geringer Kontrolle; eher egozentrisch und besonders emotional und impulsiv, was auch in Aggressivität umschlagen kann. Haupteigenschaft ist Extraversion; die anderen Persönlichkeitsmerkmale sind unterrepräsentiert.

Die Auswertung eines großen Datensatzes von insgesamt 1,5 Mio Teilnehmern (3)nature human behaviour 17 September 2018 DOI https://doi.org/10.1038/s41562-018-0419-z ergab einen weiteren Persönlichkeitstypen, den „durchschnittlichen Typus“.

  • „Durchschnittliche“ Menschen haben etwas überdurchschnittliche Werte für emotionale Empfindlichkeit (Neurotizismus), Extraversion, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Sie weisen gegenüber dem „Rollenmodell-Typus“, dem sie ansonsten ähneln, eine geringere Offenheit und einen höheren Neurotizismus auf.

Wandel des Persönlichkeitstypus

Die Persönlichkeitstypen können sich mit Alter, Einsicht und Erfahrung und durch Übung wandeln. Jüngere Menschen haben eher einen egozentrischen Persönlichkeitstyp, ältere dagegen tendieren zum „role model type“ mit Vorbildcharakter. Frauen bewältigen diesen Übergang schneller als Männer, wie Autoren in Nature Human Behaviour anmerken, wobei Frauen über 60 Jahren den höchsten Anteil am Vorbildtypus unter den Befragten ausmachen. (4)Social Sciences doi:10.1126/science.aav4499 Unklar ist, ob diese Typen interkulturell sind. Die Auswertung der Datensatzes zeigt auch, dass bei blinder Anwendung von „Big Data“- Auswertemethoden falsche Cluster erzeugt werden können, was die Grenzen der Aussagekraft solcher Ansätze aufzeigt. (5)nature human behaviour 17 September 2018 DOI https://doi.org/10.1038/s41562-018-0419-z

Persönlichkeit und spezielle Eigenschaften

Eine breite Forschung beschäftigt damit, wie die Persönlichkeit mit besonderen Eigenschaften und psychologischen Fähigkeiten einer Person zusammenhängen, beispielsweise mit der Empathie (6)BMC Med Educ. 2019 Feb 14;19(1):57. DOI: 10.1186/s12909-019-1485-2 oder dem Perfektionismus (7)Pers Soc Psychol Rev. 2019 Sep/Oct;23(4):367-390. doi: 10.1177/1088868318814973.. Sie untersucht welche Persönlichkeitstypen sich zu bestimmten Berufen, beispielsweise den eines Chirurgen (8)Surgery. 2022 Nov;172(5):1358-1363. doi: 10.1016/j.surg.2022.08.003, hingezogen fühlen oder welche zu Drogenabusus (9)Acta Psychol (Amst). 2022 Nov;231:103794. doi: 10.1016/j.actpsy.2022.103794. oder Vereinsamung im Alter (10)J Psychol. 2020;154(1):60-74. doi: 10.1080/00223980.2019.1653250. neigen. Dies sei hier nur angedeutet, um den Wert einer Unterscheidung von Persönlichkeitstypen darzustellen.


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Verweise

 

 


Autor: Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (s. Impressum)


Literatur

Literatur
1Psychol Assess. 1992;4(1):5–13. doi: 10.1037/1040-3590.4.1.5.
2J Pers. 1992 Jun;60(2):329-61. doi: 10.1111/j.1467-6494.1992.tb00976.x.
3nature human behaviour 17 September 2018 DOI https://doi.org/10.1038/s41562-018-0419-z
4Social Sciences doi:10.1126/science.aav4499
5nature human behaviour 17 September 2018 DOI https://doi.org/10.1038/s41562-018-0419-z
6BMC Med Educ. 2019 Feb 14;19(1):57. DOI: 10.1186/s12909-019-1485-2
7Pers Soc Psychol Rev. 2019 Sep/Oct;23(4):367-390. doi: 10.1177/1088868318814973.
8Surgery. 2022 Nov;172(5):1358-1363. doi: 10.1016/j.surg.2022.08.003
9Acta Psychol (Amst). 2022 Nov;231:103794. doi: 10.1016/j.actpsy.2022.103794.
10J Psychol. 2020;154(1):60-74. doi: 10.1080/00223980.2019.1653250.