Hereditäre Pankreatitis

Die hereditäre Pankreatitis (familiäre oder genetische Pankreatitis) ist eine seltene familiär auftretende Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), die charakterisiert ist durch

  • frühes Auftreten schon in jugendlichem Alter,
  • wiederholte akute Schübe und
  • die Entwicklung einer chronischen Verlaufsform [1].

→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Genetik

Es gibt offenbar verschiedene genetisch bedingte Formen einer Pankreatitis.

  • Die hereditäre Pankreatitis wird autosomal dominant vererbt [2]. Sie ist durch eine Mutation des kationischen Trypsinogen-Gens auf Chromosom 7 bedingt (PRSS1-Gen). Bisher sind 2 Punktmutationen bekannt (R122H oder N29I Mutation). Die Mutationen bewirken, dass Trypsin im Pankreas nicht deaktiviert wird und dort verlängert wirkt. [3] Es wird vermutet, dass dadurch das Risiko der Entstehung einer Pankreatitis steigt. Allerdings scheint die 122H-Mutation nicht in jedem Fall zu einer Pankreatitis zu führen [4].
  • Auch eine Mutation des Trypsininhibitors SPINK1 kann für eine hereditäre Pankreatitis verantwortlich sein. SPINK 1 findet sich nicht nur in der Bauchspeicheldrüse, sondern auch in Leber, Lungen, Nieren, Brustdrüsen und Ovarien.
  • Eine Mutation (N34S) im Serin-Protease-Inhibitor-Kazal-Typ-1-Gen führt ebenfalls zu einer verlängerten Wirkung von Trypsin und ist mit einer hereditären Pankreatitis assoziiert. [5]
  • Inzwischen ist eine Reihe weiterer genetischer Varianten bekannt geworden, die zu einem deutlich erhöhten Risiko für eine Pankreatitis führen siehe hier.
  • Anatomische Anomalien (wie Pankreas divisum und anomale Einmündungen des Pankreashauptgangs in den Gallengang sind seltene Ursachen einer rezidivierenden und chronischen Pankreatitis mit wohl genetischer Fixierung.

In seltenen Fällen finden sich mehrere genetische Ursache kombiniert [6].

Pathogenese

Normalerweise wird das in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildete Trypsinogen (eine inaktive Vorstufe des Eiweiß verdauenden Enzyms Trypsin) erst im Dünndarm zu Trypsin aktiviert. Eine vorzeitige Aktivierung bereits in der Bauchspeicheldrüse führt zur Selbstverdauung des Organs.

Vor einer solchen Selbstverdauung schützt sich das Pankreas, indem es Inaktivatoren in ausreichender Menge produziert. Mangelt es jedoch genetisch bedingt an Trypsin-Inhibitoren, kommt es zu einer vorzeitigen Aktivierungn und verlängerten Wirkung von Trypsin, die bei der Entwicklung einer Pankreatitis eine entscheidende Rolle spielt.

Auch bei Patienten mit empfindlicher Reaktion des Pankreas auf Alkohol (oder andere Noxen) spielt möglicherweise ein Mangel an Trypsin-Inhibitoren eine entscheidende Rolle. [7]

Klinik

Die Pankreatitis macht sich bereits in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter durch erste Schübe bemerkbar. Die Symptomatik entspricht im wesentlichen der einer chronisch alkoholischen Pankreatitis. Schübe sind bereits durch verhältnismäßig geringe Mengen Alkohol auslösbar. Schädigende Noxen wie Alkohol und Nikotin sollten daher vollständig gemieden werden. Es kann vermutet werden, dass die Bereitschaft, eine Post-ERCP-Pankreatitis zu bekommen, ebenfalls durch solche genetischen Faktoren mitbestimmt ist.

Therapie

Die Behandlung entspricht im Wesentlichen der der akuten Pankreatitis. Die totale Pankreatektomie (operative Bauchspeicheldrüsenentfernung) kann in fortgeschrittenen Stadien sowohl wegen zunehmender Bauchschmerzen als auch zu Krebsvorsorge bei erhöhtem Risiko für ein Pankreaskarzinom diskutiert werden. Heute wird dabei zur Prophylaxe eines pankreopriven Diabetes (Zuckerkrankheit durch Insulinmangel nach Pankreasentfernung) oft schon eine gleichzeitige Transplantation eigener Inselzellen vorgenommen [8].

Mehr dazu siehe hier.

Literatur

  1. ? Best Pract Res Clin Gastroenterol. 2008;22(1):115-30
  2. ? J Gastroenterol Hepatol. 2008 Sep;23(9):1339-48
  3. ? Gut. 2002 May;50(5):687-92
  4. ? Gut. 2006 May;55(5):728-31
  5. ? Scand J Gastroenterol. 2007 Aug;42(8):1000-5
  6. ? Korean J Pediatr. 2013 May;56(5):227-30
  7. ? Gut. 2002 May;50(5):687-92
  8. ? J Am Coll Surg. 2014 Apr;218(4):530-43

Verweise

Fachinfos

Patienteninfos