Crigler-Najjar-Syndrom

Das Crigler-Najjar-Syndrom ist eine genetisch bedingte angeborene Gelbsucht. Ursache ist eine Störung des Bilirubinstoffwechsels in der Leber: es kann nicht wie normal mit Glukuronsäure konjugiert werden um es wasserlöslich und damit ausscheidungsfähig zu machen. Damit bleibt es im Körper und sammelt sich in lut, Geweben und Organen an. Im Blut wird es an Albumin gebunden und kann daher nur als “indirektes” Bilirubin bestimmt werden.


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Einteilung

  • Crigler-Najjar-Syndrom Typ I
    Das Konjugationsenzym (Bilirubin-UDP-Glukuronyltransferase) fehlt vollständig. Folge Hyperbilirubinämie (>20fach), Kernikterus mit neurologischen Störungen und Tod als Säugling. Therapie: Lebertransplantation (kurativ)
  • Crigler-Najjar-Syndrom Typ II (Synonym: Arias-Syndrom)
    Das Konjugationsenzym ist in seiner Aktivität deutlich herabgesetzt. Der Ikterus (Bilirubin auf <20fach erhöht) tritt erst in höherem Alter auf; meist keine klinische Symptomatik; gute Prognose. Neigung zu Bilirubinatgallensteinen. Therapie: Verminderung des Ikterus durch Enzyminduktion (z.B. mit Phenobarbital) möglich (zur Differentialdiagnose zum Typ I verwertbar)

Diagnostik

Zur Diagnostik der beiden Criggler-Najjar-Typen werden vor allem das Alter der Manifestation und die Laborbefunde herangezogen.

Beim Typ I imponiert ein zunehmender Neugeborenerikterus, wobei das Bilirubin über das 5-fache des oberen Normalwerts erhöht, ganz überwiegend “indirekt” reagiert (“indirektes Bilirubin“)  und keine (!) Zeichen eine Hämolyse bestehen, die dafür verantwortlich gemacht werden könnte.

Beim Typ II ist die Diagnose schwieriger, da die Gelbsucht erst später im Leben auftritt und selten an eine angeborene Stoffwechselstörung gedacht wird. Ein Ikterus, der mit erhöhtem indirektem Bilirubin und ohne Hämolysezeichen einhergeht, sollte jedoch an diesen Typ denken lassen. Die Bestätigung erfolgt molekulargenetisch (UGT1A1-Mutation). 1). 2012 May-Aug; 18(2): 233–234.

Sonographie

Die Hyperbilirubinämie geht mit einem hohen Risiko von Gallensteinen einher. Es handelt sich um Bilirubinatsteine, die im Ultraschallbild der Gallenwege gut erkennbar sind. Sie können Ursache eines Verschlussikterus sein, der als Differenzialdiagnose mitbedacht werden muss.

→ Mehr zur Sonographie der Gallenwege siehe hier.

Therapie

  • Beim Typ II sollte zur Vermeidung eines Kernikterus eine Enzyminduktion mit Phenobarbital erwogen werden. 2). 2012 May-Aug; 18(2): 233–234.
  • Phototherapie: Ziel ist die Vermeidung eines Kernikterus (Ikterus der neuronalen Kerngebiete im Gehirn). Im Serum sollte daher das molare Bilirubin / Albumin-Verhältinis bei Neugeborenen <0.5 und bei älteren Kindern <0.7 gehalten werden.
  • Medikamente, mit eigener starker Bindung an Albumin, die Bilirubin aus seiner Bindung an Albumin verdrängen, müssen vermieden werden.
  • Cholecystektomie und Bereinigung der Gallenwege: bei Gallensteinbildung und Galleabflussstörung.
  • Lebertransplantation: sie führt zur Heilung. 3)

    doi:  10.1007/978-1-4939-6506-9_1

  • Leberzelltransplantation: sie wurde an Gunn-Ratten ausprobiert und bei einem Jungen eingesetzt: sie führte zu einer Erniedrigung der Bilirubinspiegels. 4)N Engl J Med 1998; 338:1422-1427 DOI: 10.1056/NEJM199805143382004
  • Gentherapie: scheint aussichtsreich zu sein; erfolgreiche Tierversuche [1]

Verweise

Literatur

  • Zur Therapie: Eur J Pediatr. 2006 Jan 25;:1-14
  • Zur Genetik und Biochemie: Methods Enzymol. 2005;400:1-22
  1. ? Mol Ther. 2006 Feb;13(2):374-81

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Literatur   [ + ]

1, 2. . 2012 May-Aug; 18(2): 233–234.
3.
4. N Engl J Med 1998; 338:1422-1427 DOI: 10.1056/NEJM199805143382004