Scabies

Scabies (Krätze) ist eine entzündliche Parasiteninfektion der Haut, die durch Milben (Sarcoptes scabiei var. hominis) hervorgerufen und von Mensch zu Mensch übertragen wird.


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Ausbreitung

Die Ausbreitung der Scabies wird durch enges Zusammenleben und mangelhafte Hygiene gefördert. Gehäuft findet sie sich in tropischen Ländern, wo sie vielfach endemisch auftritt. Weltweit kommt es nach Schätzungen jährlich zu 100 – 300 Millionen Neuinfektionen. Die höchsten Infektionraten finden sich auf den Pazifischen Inseln und bei den Australischen Aborigines. Kinder sind häufiger als Erwachsene betroffen 1)Lancet 2012;380:2163-2196 2)Int J Dermatol. 2014 Jun;53(6):739-45 3)Lancet Infect Dis. 2015 Aug;15(8):960-7. In Europa ist Scabies selten. In Massenunterkünften sind Flüchtlinge einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt.

Mit der Scabiesinfektion geht eine Veränderung der Bakterienzusammensetzung der Haut einher. Es kommt auf der Haut des Schweins zu einem starken Anstieg von Staphylokokken, wobei die Staphylokokkenpopulation von kommensalen S. hominis zu potentiell pathogenen S. chromogensis shiftet 4)PLoS Negl Trop Dis. 2014 May 29;8(5):e2897. doi: 10.1371/journal.pntd.0002897. Die könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Milbe sich ein Umfeld schafft, in dem es dem Angriff des Körpers trotzen kann.

Erscheinungsbild

Scabies 01 MC
Schmerzhafte und juckende Hautknötchen um den Nabel herum. Die lokale Behandlung mit Permethrin-Creme führte schon nach 1 Tag zu einer Erleichterung und nach 5-7 Tagen zum Verschwinden.

Die Milben mit einer Größe von unter 0,2 mm graben sich kleine Gänge in die Haut, in denen sie Kot und Eier ablegen. Es werden juckende kleinknotige und konfluierende Entzündungen (Impetigo) ausgelöst. Sie können sich negativ auf Allgemeinbefinden, Schlaf und soziale Kontakte auswirken.

Scabies 02 MC
Bei einer Scabies findet man häufiger einen Befall auch zwischen den Fingern. Dort sollte man gezielt nachsuchen.

Die Scabies-Effloreszenzen finden sich praktisch überall am Körper, besonders häufig jedoch im Bereich feuchtwarmer Stellen, so am Unterleibs und den Oberschenkel, im Intimbereich und auch zwischen den Fingern.

Komplikationen

Die Scabies-bedingten Hautinfektionen verlaufen meist lokal, werden zufällig entdeckt oder durch Juckreiz. Sie können jedoch auch durch systemische Auswirkungen zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Berichtet wird über Septikämie, Nierenkrankheiten und rheumatischen Herzkrankheiten 5)Lancet Infect Dis. 2015 Aug;15(8):960-7.

Therapie

Die Behandlung der Scabies erfolgt

  • lokal der Haut mit Permethrin (z. B. InfectoScarb ® als Creme) oder Ivermectin (Soolantra ® als Creme, zugelassen für die Rosacea),
  • systemisch mit Ivermectin (Stromectol ® als Tablette, in Deutschland nicht zugelassen). Der Juckreiz verschwindet innerhalb von 2-4 Tagen.

Bezüglich der Wirksamkeit gibt es kaum Unterschiede zwischen den Präparaten; topisches Permethrin und systemisches Ivermectin sind in etwa gleich effektiv 6)Dtsch Arztebl Int. 2016 Nov 14;113(45):757-762. doi: 10.3238/arztebl.2016.0757.

Kleider, Schuhe und Bettwäsche sollten desinfiziert werden (auch 60-Grad-Wäsche).

In Endemiegebieten und gelegentlich auch in Massenunterkünften ist die Behandlung der Scabies wegen der Reinfektionsgefahr problematisch. Enge Familienangehörige und Freunde sollten untersucht und ggf. mitbehandelt werden.

Bei hoher Durchseuchung ist eine „Massenapplikation“ der Medikamente gegen Scabies Erfolg versprechend, wie eine NEJM-Arbeit anhand von Erfahrungen auf den Fiji-Inseln nachweist. Die Impetigo-Prävalenz sank in der Ivermectin-Behandlungsgruppe innerhalb 12 Monaten von 24,6 auf 8,0 % 7)N Engl J Med. 2015 Dec 10;373(24):2305-2313. In einer anderen Studie wurde eine Reduktion von 23,7 auf 9,5% erzielt 8)Int J Dermatol. 2014 Jun;53(6):739-45.


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Verweise


Literatur   [ + ]

1. Lancet 2012;380:2163-2196
2, 8. Int J Dermatol. 2014 Jun;53(6):739-45
3, 5. Lancet Infect Dis. 2015 Aug;15(8):960-7
4. PLoS Negl Trop Dis. 2014 May 29;8(5):e2897. doi: 10.1371/journal.pntd.0002897
6. Dtsch Arztebl Int. 2016 Nov 14;113(45):757-762. doi: 10.3238/arztebl.2016.0757
7. N Engl J Med. 2015 Dec 10;373(24):2305-2313