Leberadenom

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Das Leberadenom ist eine umschriebene gutartige Wucherung von Lebergewebe, die allerdings ein Entartungspotenzial in sich birgt. Es ist von anderen Raumforderungen der Leber abzugrenzen, insbesondere von der fokal-nodulären Hyperplasie und dem hepatozellulären Karzinom. Es kommt hauptsächlich bei jungen Frauen vor, die orale Kontrazeptiva einnehmen.  Bei Männern ist es mit der Einnahme von Anabolika assoziiert.  (1) World J Gastroenterol. 2022 Apr 14;28(14):1384-1393. DOI: 10.3748/wjg.v28.i14.1384


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Einteilung

Das Leberadenom lässt sich in verschiedene Subtypen einteilen, die sich molekularbiologisch unterscheiden lassen. Ein TYp, der durch ein mutiertes ß-Catenin charakterisiert ist, trägt das höchste Risiko für eine Blutung und für eine maligne Transformation. (2)World J Gastroenterol. 2019 May 28;25(20):2442-2449. DOI: 10.3748/wjg.v25.i20.2442 (3)World J Gastroenterol. 2022 Apr 14;28(14):1384-1393. DOI: 10.3748/wjg.v28.i14.1384

Klinik

Kleine oder mittelgroße Leberadenome brauchen keine Beschwerden zu bereiten. Größere Raumforderungen können zu Oberbauchbeschwerden, Übelkeit und Brechreiz führen, vor allem wenn Einblutungen stattfinden. Leberadenome sind häufig besonders gefäßreich.

Komplikationen

Das Leberadenom neigt bei Größenzunahme zu Blutungen (Blutung in die freie Leibeshöhle) sowie zu einer Entartung zum hepatozellulären Karzinom (im Gegensatz zur FNH).

Pathologie

Das Adenom der Leber ist sehr gut durchblutet (vaskularisiert). Das Adenomgewebe ist nicht in der Lage, Galle zu bilden. Es fehlen funktionsfähiges Lebergewebe und funktionsfähige Gallenwege. Damit kann das Adenomgewebe auch keine hepatobiliäre Transportfunktion von Kontrastmitteln übernehmen, es ist hinsichtlich biliärer Ausscheidungsprozesse stumm.

Diagnostik

Sonographie

Sonographisch imponiert eine hypoechogene Raumforderung (dunkler als das umgebende Gewebe) ohne kapselartige Randstrukturen. Größere Adenome weisen oft eine unregelmäßige Binnenstruktur wegen Blutungen oder Nekrosen auf.

HIDA-SCAN

Das Leberadenom nimmt wegen nicht funktionsfähiger Leberzellen 99mTc-HIDA schlecht auf und scheidet es auch nicht biliär aus. Sowohl in der Früh- als auch in der Parenchym- und der Spätphase ergeben sich Unterschiede zur FNH (siehe hier).

MRI

Das Magnetresonanz-Imaging (MRI) ermöglicht eine strahlenfreie Diagnostik mit hoher Unterscheidungskraft für verschiedene andere Raumforderungen in der Leber. Auch lassen sich über ein MRI HCAs in bis zu 80 % subtypisieren.  Eine Identifizierung von 1α-mutiertem HCA oder entzündlichem HCA ist jeweils mit einer Spezifität von > 90 % erreichbar. (4)World J Gastroenterol. 2019 May 28;25(20):2442-2449. DOI: 10.3748/wjg.v25.i20.2442

Therapie

Antikonzeptiva bzw. Anabolika sollten abgesetzt werden. Wegen der Gefahr von Blutungen mit Ruptur sowie der Möglichkeit einer malignen Transformation zu Leberkrebs wird ab einer Größe von 5 cm eine operative Resektion empfohlen, alternativ – je nach Größe und Erreichbarkeit – eine Katheterablation oder Elektrokoagulation. Bei Tumoren < 5 cm des H-HCA-Subtyps oder solchen, die entweder entzündlich oder β-Catenin-negativ sind, kann nach Empfehlung konservativ zugewartet werden. Für Männer wird wegen generell höherem Krebsrisiko in jedem Fall eine Entfernung empfohlen. (5)World J Gastroenterol. 2022 Apr 14;28(14):1384-1393. DOI: 10.3748/wjg.v28.i14.1384

Differentialdiagnosen

Die wichtigste Differenzialdiagnse bei einer Leberraumforderung bei einer jungen Frau ohne Leberzirrhose ist die fokale noduläre Hyperplasie (FNH). Es ist eine gutartige, nicht maligne degenerierende Wucherung in der Leber, die im Gegensatz zum Adenom prinzipiell zur Gallebildung befähigt ist.

Diagnosealgorithmus

Die Kontrastmittelsonographie der Leber unterscheidet meist bereits das Leberadenom von der FNH und dem HCC.

Eine Magnetresonanztomographie schließt sich heute an; sie vermag bereits viele Differenzialdiagnosen sicher auszuschließen und den HCA-Typ mit großer Sicherheit festzustellen (s. o.).

Der 99mTc-HIDA-Scan ist eine sehr aussagekräftige Methode zur Unterscheidung zwischen Leberadenom und FNH.

Röntgenmethoden mit Hilfe gallegängiger Kontrastmittel (CT oder MRT) ergeben ebenfalls eine Aussage darüber, ob der Tumor – wie bei der FNH – Galle bildet oder – wie beim Leberadenom – nicht.

Verweise


Literatur

Literatur
1 World J Gastroenterol. 2022 Apr 14;28(14):1384-1393. DOI: 10.3748/wjg.v28.i14.1384
2 World J Gastroenterol. 2019 May 28;25(20):2442-2449. DOI: 10.3748/wjg.v25.i20.2442
3 World J Gastroenterol. 2022 Apr 14;28(14):1384-1393. DOI: 10.3748/wjg.v28.i14.1384
4 World J Gastroenterol. 2019 May 28;25(20):2442-2449. DOI: 10.3748/wjg.v25.i20.2442
5 World J Gastroenterol. 2022 Apr 14;28(14):1384-1393. DOI: 10.3748/wjg.v28.i14.1384