Ernährung bei Morbus Crohn

Die Ernährung spielt für Entstehung und Unterhaltung des Morbus Crohn wie für seine Therapie eine entscheidende Rolle.

Siehe auch Morbus Crohn Therapie.


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Was man wissen sollte

Kurzgefasst

Die Ernährung bei Morbus Crohn hat einen sehr viel höheren Stellenwert, als früher angenommen.

Eine Allergenreduktion in der Kost kann die Entzündungsaktivität im Darm deutlich senken.  Im Akuten Schub hat sich ganz entsprechend eine allergenfreie bzw. stark allergenreduzierte Elementardiät als günstig herausgestellt. Sie kann zur Erreichung einer Remission entscheidend beitragen.

Zur Aufrechterhaltung einer Remission scheint eine gesunde, halbelementare, ballaststoffreiche Kost günstig zu wirken.

Grundlagen

Die Entstehung des Morbus Crohn ist multifaktoriell: Gene bestimmen die Empfänglichkeit und die Umwelt liefert die Auslöser. Insbesondere die durch die Ernährung stark beeinflusste Zusammensetzung der Darmflora, das “Mikrobiom“, scheint eine wesentliche Bedeutung für die Auslösung zu spielen. Die westliche Kost mit ihrem Reichtum an tierischem Eiweiß und tierischem Fett sowie an freiem Zucker und der Armut an Ballaststoffen ist mit einer erhöhten Crohn-Inzidenz (Zahl der Neuerkrankungen innerhalb eines Zeitraums) assoziiert. Die Inzidenz nimmt weiter zu 1)Scand J Gastroenterol. 2015 Aug;50(8):942-51; in Europa wird – wohl wegen der unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten – ein West-Ost-Gefälle konstatiert 2)Gut. 2014 Apr;63(4):588-97.

Die Beeinflussung der Bakterienflora des Darms durch eine Kostart kann zu einer Verschlechterung und durch eine andere Kostart zu einer Verbesserung des Verlaufs führen. Eine Umstellung der Ernährung kann zu einem deutlich günstigeren Verlauf führen (s. u.).

Einfluss der Ernährung auf die Crohn-Entstehung

Spezielle Nahrungsfaktoren sind bisher nicht als direkte Auslöser einer Entzündung und als Ursache für die erhöhte Crohn-Inzidenz gefunden worden. Daher mangelt es bisher auch an diätetischen Empfehlungen bei der Behandlung des Morbus Crohn. Die neuen Erkenntnisse legen vielmehr nahe, dass es nicht darauf ankommt, bestimmte Faktoren in der Nahrung zu vermeiden, sondern insgesamt eine allergenarme Kost zu verwenden.

Die Untersuchungen richten sich nun vor allem darauf, wie die  Mikroflora des Darmkanals durch die Ernährung günstig beeinflusst werden kann, so dass sie zu einer Reduktion der Entzündungsmediatoren beiträgt [1][2].

Darmkeime bei Morbus Crohn

Beim Erwachsenen überwiegen obligate Anaerobier unter den Darmbakterien. Sie leben mit dem Menschen durch evolutionäre Adaptationen [3] symbiotisch zusammen. Der Darm stellt ihnen eine optimale Umgebung zur Verfügung, und sie übernehmen für den Menschen Stoffwechselaufgaben (z. B. Synthese bestimmter Vitamine, Abbau unverdaulicher Kohlenhydrate und von Oxalaten, Abbau konjugierter Gallensäuren).

Die Darmflora (Mikrobiom des Darms) beim Morbus Crohn unterscheidet sich von der gesunder Menschen deutlich. Bestimmte Bakterienspezies finden sich vermehrt, andere vermindert. Das Bakterium Faecalibacterium prausnitzii, ein Butyrat-produzierender Darmkeim (wichtig für die Ernährung der Schleimhautzellen der Darmwand), ist beispielsweise bei Crohn-Patienten deutlich vermindert [4][5]. Ihm wird ein Schleimhaut schützender und entzündungshemmender Einfluss zugeschrieben [6][7].

Eine „Dysbiose“ dieser Art führt bei genetisch empfänglichen Menschen zu einer Veränderung der Immunregulation in der Darmwand mit dem Effekt einer erhöhten Entzündungsbereitschaft [8].

Spezielle Ernährung bei Morbus Crohn

Die Ernährung bei Morbus Crohn ist bei der Therapie in den Vordergrund gerückt. Studien belegen, dass sich diätetische Maßnahmen günstig auf den Verlauf der Erkrankung auswirken. Allerdings ist das jeweils zugrunde liegende Konzept unterschiedlich. Die Tendenz geht dahin, dass im akuten Schub eine Elementardiät am effektivsten zur Remission verhilft, und dass in der Remission eine ballaststoffreiche Semi-Elementardiät einen neuerlichen Schub am besten verhindert oder hinausschiebt (siehe auch hier).

  • Eine Reduktion von Allergenen in der Nahrung bessert der Crohn-Verlauf 3)Can J Gastroenterol Hepatol. 2015 Oct; 29(7): 351–356. . Die günstige Wirkung wurde schon 1980 in einer kleinen Studie festgestellt, bei der eine allergenfreie Elementardiät in 29 von 31 Fällen eines akuten Schubs innerhalb von 4 Wochen auch zur Remission (klinische und laborchemische Normalisierung) führte 4)Br Med J. 1980 Nov 1; 281(6249): 1173–1175.
  • Eine enterale Ernährung während einer Infliximab-Therapie (Elemantardiät-Infusionen nachts plus fettarme Kost tagsüber) verbesserte in einer single-center-Studie den Verlauf nicht signifikant gegenüber freier Kost [9]. Eine neuere multizentrische Studie jedoch fand eine positive Korrelation [10].
  • Eine halb-elementare Diät (zur Hälfte Elementardiät, zur anderen Hälfte uneingeschränkte Kost) vermindert das Risiko eines erneuten Crohn-Schubs deutlich (nach 1 Jahr 35% statt 64% [11]) [12][13].
  • Ballaststoffreiche Kost: Während die hergebrachten Empfehlungen eine gut ausnutzbare, ballaststoffarme Diät favorisierten, die den Darm nicht zu belasten, so beginnt sich diese Sichtweise inzwischen zu ändern [14]. Eine neuere Arbeit konstatiert, dass ballaststoffreiche Kost nicht nur nicht schädlich sondern sogar günstig für die Crohn-Krankheit ist („High Amount of Dietary Fiber Not Harmful But Favorable for Crohn Disease”) [15]. In einer Studie wird der Verlauf einer Crohn-Erkrankung in Remission unter begleitender semivegetarischen Kost (versus freier Kost) über 2 Jahre untersucht. Im Beobachtungszeitraum ist die Remission bei 15 von 16 Patienten aufrecht erhalten geblieben, wohingegen bei 2 von 6 der Gruppe mit freier Kost einen Relaps erlitten [16].

Verweise

Infos für Patienten

Literatur

  1. ? Inflamm Bowel Dis. 2008 Mar;14(3):367-73
  2. ? Science. 2011 Oct 7;334(6052):105-8
  3. ? Annu Rev Microbiol. 2011;65:411-29
  4. ? Gastroenterol Res Pract. 2014;2014:872725. doi: 10.1155/2014/872725.
  5. ? J Gastroenterol Hepatol. 2013 Apr;28(4):613-9
  6. ? Proc Natl Acad Sci U S A. 2008 Oct 28;105(43):16731-6
  7. ? Pol J Microbiol. 2013;62(1):91-5
  8. ? Curr Opin Gastroenterol. 2012 Jul;28(4):314-20
  9. ? J Gastroenterol. 2010;45(1):24-9
  10. ? Dig Dis Sci. 2013 May;58(5):1329-34
  11. ? Aliment Pharmacol Ther. 2006 Nov 1;24(9):1333-40
  12. ? Dig Liver Dis. 2009 Jun;41(6):390-4
  13. ? Dig Dis Sci. 2013 May;58(5):1329-34
  14. ? World J Gastroenterol. 2010 May 28;16(20):2484-95
  15. ? Perm J. 2015 Winter;19(1):58-61
  16. ? World J Gastroenterol. 2010 May 28;16(20):2484-95

Literatur   [ + ]

1. Scand J Gastroenterol. 2015 Aug;50(8):942-51
2. Gut. 2014 Apr;63(4):588-97
3. Can J Gastroenterol Hepatol. 2015 Oct; 29(7): 351–356.
4. Br Med J. 1980 Nov 1; 281(6249): 1173–1175