Ekzem

Das Ekzem (engl. eczema) ist eine nicht-infektiöse entzündliche Hauterkrankung mit Neigung zu chronischem Verlauf. Manchmal wird der Begriff Ekzem mit „Dermatitis“ (Hautentzündung) gleichgesetzt (bes. im angloamerikanischen Sprachgebrauch). Allerdings umfasst der Begriff Dermatitis ein breiteres Spektrum entzündlicher Hauterkrankungen.


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Symptome

Ekzeme gehen mit unterschiedlicher Ausprägung folgender Hauterscheinungen einher:

  • Rötung der Haut,
  • Vergröberung des Hautreliefs (Lichenifikation),
  • Bläschenbildung,
  • Nässen,
  • übermäßige Verhornung (Hyperkeratose) und Schuppung („seborrhoisches Ekzem“, oft am Kopf, beim Säugling „Grind“ oder „Kopfgneis“),
  • Bildung von Krusten,
  • Juckreiz.

Die Hauterscheinungen treten oft phasenhaft auf und können nebeneinander unterschiedliche Reifegrade (Rötung – Bläschenbildung – Nässen – Krusten) aufweisen. Eine verminderte Barrierefunktion der Haut, insbesondere bei nässenden Ekzemen, fördert bakterielle Superinfektionen, insbesondere durch Staphylokokkus aureus. Die wiederum führt zu einem pH-Anstieg und einer Aktivierung entzündlicher Reaktionen [1].

Eine Ausprägung mit übermäßiger Schuppung wird als seborrhoisches Ekzem bezeichnet. Es kann beim Säugling besonders auf der Kopfhaut auftreten und mit Milchschorf (siehe auch unter Neurodermitis) verwechselt werden.

Formen des Ekzems

  • Atopisches Ekzem (atopische Dermatitis), auch als Neurodermitis bekannt (siehe hier),
  • allergisches Kontaktekzem (allergische Kontaktdermatitis, ACD): ausgelöst durch Kontakt mit Allergenen der Umwelt (Naturstoffe), z. B. mit Pflanzenteilen oder Tierhaaren,
  • toxisches Kontaktekzem (Reiz-Kontaktekzem, ICD): ausgelöst durch häufigen (chronischen) Einfluss hautreizender toxischer Stoffe (z.B. Metallionen von Kobalt, Chrom, Nickel, Palladium), typisch ist eine Hautverdickung.

Diagnostik

Das atopische Ekzem ist meist durch Anamnese und klinischem Befund nahe liegend (siehe hier).

Die Differenzierung der Kontaktekzeme kann schwieriger sein. Die Unterscheidung einer allergischen von einer toxischen Ursache eines Kontaktekzems ist allerdings für die Therapie wesentlich. Anamnese, Allergietests und Hautbiopsie führen meist zur wahrscheinlichen Diagnose. Eine neue Methode stellt die hoch auflösende optische Kohärenztomographie dar, die eine Struktur- und Zellanalyse der Haut bis in eine Tiefe von 570 µm und so eine nichtinvasive Differenzierung von ACD und ICD ermöglicht [2].

Therapie

In der Regel werden Ekzeme lokal durch sanfte Waschungen und Salben behandelt. Bei nässenden Ekzemen wird eine fettige Grundlage gewählt, beim seborrhoischen Ekzem eine eher fettarme, feucht haltende Salben. Eine tägliche aufweichende Cremebehandlung sollte ein integraler Bestandteil der Erhaltungstherapie sein; sie reduziert ein Wiederaufflammen der Entzündung signifikant [3]. Günstige Wirkungen werden mit kortisonfreien und rezeptfreien Hautschutzprodukten, wie Eucerin®
-haltigen Cremes, erzielt [4]. Cremes auf wässriger Basis werden nicht empfohlen.

Beim seborrhoischen Ekzem kann eine Absenkung des Haut-pH-Werts (z. B. durch Nachwaschung mit Apfelessig) zur Besserung beitragen (verschlechtert die Wachstumsbedingungen für Bakterien, insbesondere Staphylococcus aureus [5], und Hautpilze). Der günstige Einfluss einer leicht sauren Hautoberfläche wird durch eine Studie mit Textilien mit leicht saurer Oberfläche (mit Zitronensäure chemisch gecoated, pH 5,5-6,5) unterstrichen. Sie ergab eine gute Verträglichkeit der Wäsche sowie eine Besserung der Ekzeme [6]. Ob “saure Wäsche” die Behandlungskonzepte der Ekzemkrankheit erweitern wird, muss abgewartet werden.

In schwereren Fällen können Glukokortikoid-haltige Salben (bei allergischer Genese) und lokale Antibiotika (bei Superinfektionen) sinnvoll sein.

Auslöser (Allergene? Toxische Substanzen? Pilzinfektionen?) sollten identifiziert und gemieden bzw. behandelt werden.

Die Behandlung des Juckreizes ist subjektiv oft besonders dringlich. Dazu werden individuell je nach Lokalisation und Ausprägung lokale Salbenanwendungen mit Glukokortikoiden oder, in schweren Fällen, auch systemische Gaben von Glukokortikoiden angewendet. Antihistaminika sind nicht sicher wirksam. Beim atopischen Ekzem kann Tacrolimus eine Option sein (siehe hier).

Zur Behandlung des atopischen Ekzems (atopische Dermatitis) siehe hier.

Vorbeugung

Als wirksame Vorbeugung von Ekzemen können tägliche Hautbehandlungen mit aufweichenden Lotionen / Cremes angesehen werden. In einer Studie wurden Neugeborene mit hohem Risiko für ein atopisches Ekzem systematisch täglich mit einer hautschützenden Mixturen behandelt, so beispielsweise mit Präparaten auf Sonnenblumenöl-Basis, die sich bakanntermaßen günstig auf die Barrierefunktion der Haut auswirkt [7]. In der Studie wurde nach 6 Monaten eine signifikante Reduktion der Ekzeminzidenz von 43% (in der Kontrollgruppe) auf 22% in der Behandlungsgruppe festgestellt. Die Reduktion des Ekzemrisikos betrug damit 50% [8]!

Verweise

Literatur

  1. ? Curr Opin Allergy Clin Immunol. 2004 Oct;4(5):373-8
  2. ? Arch Dermatol Res. 2015 Jan;307(1):11-22
  3. ? J Drugs Dermatol. 2015 May 1;14(5):478-85
  4. ? J Dermatol Nurses Assoc. 2015 Jan;7(1):17-24
  5. ? Curr Opin Allergy Clin Immunol. 2004 Oct;4(5):373-8
  6. ? Acta Derm Venereol. 2014 Jun 23. doi: 10.2340/00015555-1916
  7. ? Pediatr Dermatol. 2013 Jan-Feb;30(1):42-50
  8. ? J Allergy Clin Immunol. 2014 Oct;134(4):818-23