Nierenersatzverfahren

Nierenersatzverfahren sind technische Methoden zur Entfernung nierenpflichtiger Verbindungen aus dem Körper. Sie ersetzen oder unterstützen die Nierenfunktion vorübergehend oder dauerhaft; landläufig werden sie als „künstliche Niere“ bezeichnet.

  • Bei einem akuten Nierenversagen werden Nierenersatzverfahren vorübergehend bis zur Erholung der eigenen Nierenfunktion angewendet.
  • Bei einer terminalen Niereninsuffizienz als dem Endstadium einer chronischen Nierenkrankheit ist die Nierenersatztherapie eine Dauerlösung, die nur durch eine Nierentransplantation entbehrlich werden kann.

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Hämodialyse

Die Hämodialyse wird bei einer chronischen Niereninsuffizienz am häufigsten angewendet. Sie hat einen Austausch von kleinen Molekülen durch eine Dialysemembran zur Grundlage. Sie beruht auf Konzentrationsunterschieden der zu dialysierenden Substanzen, wie Harnstoff, Harnsäure, toxische Stoffe, Medikamente und weitere. Auf der einen Seite der Membran strömt Blut entlang, auf der anderen in Gegenrichtung das Dialysat. Von der Porengröße der semipermeablen (halbdurchlässigen) Dialysemembran hängt es ab, welche Moleküle hindurch diffundieren jnd entfernt werden können.

  • Kreatinin hat ein Molekulargewicht von 113, Harnstoff von 60; beide gehören zu den kleinen, gut dialysablen Substanzen.
  • Zytokine (um 17000 Dalton) gehören zu den mittelgroßen, ebenso Myoglobin (MW: 16000 Dalton).
  • Albumin gehört mit 60000 Dalton zu den großen Molekülen, die zurückbehalten werden müssen.
  • Blutkörperchen (wie Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten) sind in jedem Falle zu groß für eine Passage der Dialysemembran.

Die Dialyselösungen (Dialysat) sind in der Regel durch Bikarbonat gepuffert. Laktat hat den Nachteil, dass es von der Leber verstoffwechselt werden muss, was seine Anwendung einschränkt. Die Elektrolytkonzentration im Dialysat kann dem therapeutischen Ziel angepasst werden; d. h. zur Behandlung beispielsweise einer Hyperkaliämie wird dem Dialysat nur wenig Kalium zugegeben. Die Konzentrationen im Blut und im Dialysat gleichen sich im Verlauf der Dialyse aus.

Die Hämodialyse setzt einen arteriovenösen Shunt (operativ angelegter Kurzschluss, meist an einem Arm) voraus. Die möglichen Komplikationen betreffen lokale Schwierigkeiten an der Einstichstelle, einen thrombotischen Shuntverschluss, eine Shuntentzündung und eine Herzbelastung, die bei schwachem Herzen zur Dekompensation führen kann. Durch nicht adäquat gewählte Dialyseflüssigkeit kann während einer Dialyse ein pH- oder Elektrolytungleichgewicht eintreten, das eine Notfallsituation hervorruft. 1)Clin J Am Soc Nephrol. 2017 Feb 7;12(2):357-369. DOI: 10.2215/CJN.05260516. Epub 2016 Nov 9. … Continue reading

Hämofiltration

Bei der Hämofiltration wird dem Blut durch eine Filtermembran mit Hilfe einer Unterdruckpumpe Flüssigkeit entzogen. Sie wird zur Behandlung einer Überwässerung des Körpers eingesetzt. Die Hämofiltration beruht auf Druckunterschieden. Das entzogene Volumen kann bei Bedarf durch ein Substituat ersetzt werden. Als Substituat kommt eine gepufferte Bikarbonatlösung oder auch eine Laktat-haltige Lösung in Frage. Die Technik ist meist die einer langsamen kontinuierlichen Ultrafiltration (slow continuous ultrafiltration, SCUF) ohne Volumenbilanzierung. Wenn neben Flüssigkeit auch harnpflichtige Substanzen (Kreatinin, Harnstoff) entfernt werden, so wird eine Volumenbilanzierung erforderlich. Die Technik ist die der kontinuierlichen veno-venösen Hämofiltration (CVVH). Je nach Problematik werden auch andere Verfahren verwandt.

Peritonealdialyse

Die Peritonealdialyse (Bauchdialyse) ist ein Nierenersatzverfahren, bei dem Dialyseflüssigkeit durch einen Katheter in den Bauchraum eingebracht und nach einer gewissen Einwirkungszeit, wieder abgelassen wird. Das Bauchfell (Peritoneum dient als natürliche Dialysemembran. Die Peritonealdialyse ist oft ein Notfalleingriff und überbrückt die Entgiftung des Körpers bis zur „Reifung“ eines operativen Shunts für die geplante Hämodialyse. Sie ist bei ausgedehnten Verwachsungen im Bauchraum nicht durchführbar. Mögliche Komplikationen sind eine unzureichende Entfernbarkeit des Dialysats bei nicht optimaler Katheterlage am tiefsten Punkt, eine bakterielle Infektion (Peritonitis) und eine Bauchdeckenentzündung am Durchstichort. Der Peritonealkatheter muss in Abständen gewechselt werden. Heute kann eine Peritonealdialyse ebenfalls als Dauertherapie geplant werden. 2)J Am Soc Nephrol. 2016 Nov;27(11):3238-3252. doi: 10.1681/ASN.2016010112. Epub 2016 Jun 23. PMID: … Continue reading

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 Clin J Am Soc Nephrol. 2017 Feb 7;12(2):357-369. DOI: 10.2215/CJN.05260516. Epub 2016 Nov 9. PMID: 27831511; PMCID: PMC5293333.
2 J Am Soc Nephrol. 2016 Nov;27(11):3238-3252. doi: 10.1681/ASN.2016010112. Epub 2016 Jun 23. PMID: 27339663; PMCID: PMC5084899.