Nichtinvasive Diagnostik der Leberzirrhose

Artikel aktualisiert am 4. Mai 2024

Die nichtinvasive Diagnostik der Leberzirrhose erlaubt heute bereits vielfach eine weitgehend sichere Diagnose vieler Leberkrankheiten. Sie reduziert die Patientenbelastung wesentlich. Es lassen sich Stadium und Aktivität einer fortschreitenden Lebererkrankung ohne Eingriff in den Körper weitgehend klären.

Allgemeines


Chronisch fortschreitende Leberkrankheiten münden in der Regel in einer Narbenleber (Leberzirrhose). Ihre rechtzeitige Diagnostik war früher nur durch invasive Diagnostik, z. B. durch wiederholte Leberpunktionen oder eine diagnostische Bauchspiegelung, möglich. Heute sind nicht invasive Verfahren in den Vordergrund gerückt. Zu ihnen gehören vor allem eine differenzierte Labordiagnostik und hoch entwickelte bildgebende Verfahren. Sie sind sehr aussagekräftig geworden und ermöglichen oft einen Verzicht auf invasive Maßnahmen. Auf eine Bauchspiegelung (Laparoskopie), eine Katheterdiagnostik zur Darstellung von Blutgefäßen (Angiographie, Splenoportographie) und Leberbiopsien für eine mikroskopische Diagnostik kann vielfach verzichtet werden, vor allem bei Verlaufskontrollen. (1)World J Gastroenterol. 2014 Jan 14;20(2):445-459 (2)Health Technol Assess. 2012;16(4):1-174 (3)Biomark Insights. 2012;7:105-17. doi: 10.4137/BMI.S10009

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Allgemeines

Bei vielen Leberkrankheiten ist es sinnvoll, gleich bei Diagnosestellung und auch im Verlauf zu klären, ob eine Leberzirrhose vorliegt oder in Entwicklung begriffen ist (siehe hier). Denn die frühzeitige Diagnose einer Leberzirrhose kann für Prognose und Therapie entscheidend sein.

Gesichert wird die Diagnose einer Leberfibrose und Leberzirrhose durch invasive Verfahren mit Entnahme einer Lebergewebsprobe (Leberpunktion, am besten im Rahmen einer Minilaparoskopie) für eine histologische Untersuchung. Die Leberhistologie erlaubt sowohl die Beurteilung des Fibrosegrads (Grading) als auch des Grads der entzündlichen Aktivität (Staging). Für Verlaufskontrollen werden jedoch verlässliche, nicht invasive Parameter benötigt, die sicher genug den Übergang in eine Zirrhose und deren Fortschreiten anzeigen.

Anamnese und klinischer Befund

In vielen Fällen kann eine Leberzirrhose bereits durch die Anamnese einer chronischen Lebererkrankung und besondere klinische Untersuchungsbefunde, wie eine verhärtet tastbare Leber, Aszites und Umwegskreisläufe, sowie typische Leber-Haut-Zeichen wahrscheinlich gemacht oder verdächtigt werden.

Laborwerte

Eine Reihe von klassischen Laborwerten der Leber (Leberwerte) werden durch neuere ergänzt. Zu ihnen gehören genetische Untersuchungen und Untersuchungen von „liquid biopsy“-Proben, z. B. auf das Vorliegen eines Zirrhose-assoziierten hepatozellulären Karzinoms (HCC, Leberkrebs).

Nichtinvasive Bestimmung des Grads der Vernarbung: Einzelne Serum-Biomarker, der für sich genommen sicher genug den Grad einer Leberfibrose und eine Leberzirrhose anzeigen, gibt es nicht. Dafür werden Tests entwickelt, die aus mehreren Parametern zusammengesetzt sind. Zu ihnen gehören Fibrometer®, Fibrotest® und Hepascore®. Ihre Aussagekraft entspricht derjenigen von interpretierbaren FibroScan-Untersuchungen. Der am längsten bekannte FibroTest diagnostiziert eine fortgeschrittene Fibrose nur mäßig gut und eine Zirrhose relativ zuverlässig. In einer Metaanalyse lag die AUC für eine fortgeschrittene Fibrose bei 0,77 (Sensitivität: 0,73 und Spezifität: 0,69) für ein  Zirrhose bei 0,92. (4)J Clin Med. 2021 May 29;10(11):2415. DOI: 10.3390/jcm10112415.

Eine weitere, aufwändige Methode, die Verformbarkeit der Leber zu bestimmen, ist die MR-Elastographie.

Unter den Laborwerten sind diejenigen von besonderem Interessen, die eine chronische Hepatitis B oder eine chronische Hepatitis C anzeigen.

Technische Untersuchungen

  • Transient Elastopgraphie (FibroScan®): positiver Vorhersagewert (PPV) für die Leberzirrhose mäßig gut (bei Hepatitis B getestet: 67%), negativer Vorhersagewert (NPV) sehr gut (96%). (5)Liver Int. 2009 Feb;29(2):242-7. doi: 10.1111/j.1478-3231.2008.01802.x Dazu siehe hier.
  • Acoustic radiation force impulse imaging (ARFI) mit Standard-Ultraschallausrüstung: Bei einem Cuttoff von 3.32 m/s wurden ein PPV von 55.5% und ein NPV von 96% gefunden. (6)J Viral Hepat. 2012 Sep;19(9):654-63. doi: 10.1111/j.1365-2893.2012.01588.x
  • Real-Time Elastographie (RTE) mit Standard-Ultraschallausrüstung: PPV für die fortgeschrittene Fibrose wurden mit 80% und für die Zirrhose mit 71.4%, NPV mit 77,8 und 92.2% resp.. (7)J Ultrasound Med. 2012 Jul;31(7):1053-60. doi: 10.7863/jum.2012.31.7.1053
  • Magnetresonanz-Elastographie (MRE): die MR-Elastographie ließ bei chronischer Hepatitis B mit hoher Sicherheit eine Leberzirrhose erkennen. PPV 91.3, NPV 100%. (8)Eur Radiol. 2014 Jan;24(1):70-8. doi: 10.1007/s00330-013-2978-8 (9)Abdom Radiol (NY). 2019 Jan;44(1):104-109. doi: 10.1007/s00261-018-1723-9 Dazu siehe hier.
  • Eine Quantifizierung des extrazellulären Volumens in der Leber durch MRT ist eine neue Methode, die verspricht, eine Leberfibrose und Zirrhose nichtinvasiv diagnostizieren zu können. (10)Magn Reson Imaging. 2021 Apr;77:7-13. DOI: 10.1016/j.mri.2020.12.005 Ähnlich werden CT-Methoden entwickelt, die die extrazelluläre Leberfraktion bestimmen soll. (11)Contrast Media Mol Imaging. 2022 Aug 17;2022:8089914. doi: 10.1155/2022/8089914
  • Liquid Biopsy: Aus Blutproben lassen sich Entzündungs- und Fibroseparameter sowie Tumormarker, Tumor-DNA und Exosomen bestimmen, die Krankheiten inkl. Tumoren und ihre Aktivität bestimmen lassen. (12)Gut. 2018 Dec;67(12):2204-2212. DOI: 10.1136/gutjnl-2017-315846 (13)Cells. 2023 Jul 18;12(14):1879. DOI: 10.3390/cells12141879  Siehe hier.

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Verweise

 

Literatur[+]