Nichtinvasive Diagnostik der Leberzirrhose

Nichtinvasive Diagnostik der Leberzirrhose bedeutet Klärung des Stadiums einer fortschreitenden Lebererkrankung ohne Eingriff in den Körper (z. B. durch Bauchspiegelung oder Leberpunktion). Chronisch fortschreitende Leberkrankheiten münden in der Regel in einer Narbenleber (Leberzirrhose). Ihre rechtzeitige Diagnostik war früher nur durch invasive Diagnostik, wie durch wiederholte Leberpunktionen oder eine diagnostische Bauchspiegelung, möglich. Wegen ihrer Komplikationsträchtigkeit sind nicht invasive Verfahren in den Vordergrund gerückt. Sie sind heute recht aussagekräftig geworden und ermöglichen oft einen Verzicht auf invasive Maßnahmen.


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Allgemeines

Bei vielen Leberkrankheiten ist es sinnvoll, gleich bei Diagnosestellung und auch im Verlauf zu klären, ob eine Leberzirrhose vorliegt oder in Entwicklung begriffen ist (siehe hier). Denn die frühzeitige Diagnose einer Leberzirrhose kann für Prognose und Therapie entscheidend sein.

Gesichert wird die Diagnose einer Leberfibrose und Leberzirrhose durch invasive Verfahren mit Entnahme einer Lebergewebsprobe (Leberpunktion, am besten im Rahmen einer Minilaparoskopie) für eine histologische Untersuchung. Die Leberhistologie erlaubt sowohl die Beurteilung des Fibrosegrads (Grading) als auch des Grads der entzündlichen Aktivität (Staging). Für Verlaufskontrollen werden jedoch verlässliche nicht invasive Parameter benötigt, die sicher genug den Übergang in eine Zirrhose und deren Fortschreiten anzeigen.

Anamnese und klinischer Befund

In vielen Fällen kann eine Leberzirrhose bereits durch die Anamnese einer chronischen Lebererkrankung und besondere klinische Untersuchungsbefunde, wie eine verhärtet tastbare Leber, Aszites und Umwegskreisläufe, sowie typische Leber-Haut-Zeichen wahrscheinlich gemacht oder verdächtigt werden.

Laborwerte

Einzelne Serum-Biomarker, der für sich genommen sicher genug den Grad einer Leberfibrose und eine Leberzirrhose anzeigen, gibt es nicht. Dafür werden Tests entwickelt, die aus mehreren Parametern zusammengesetzt sind. Zu ihnen gehören Fibrometer®, Fibrotest® und Hepascore®. Ihre Aussagekraft entspricht derjenigen von interpretierbaren FibroScan-Untersuchungen [1]. Der am längsten bekannte FibroTest diagnostiziert eine fortgeschrittene Fibrose und Zirrhose mit einer Sensitivität von 85% und einer Spezifität von 52% [2].

Technische Untersuchungen

  • Transient Elastopgraphie (FibroScan®): positiver Vorhersagewert (PPV) für die Leberzirrhose mäßig gut (bei Hepatitis B getestet: 67%), negativer Vorhersagewert (NPV) sehr gut (96%) [3]. Dazu siehe hier.
  • Acoustic radiation force impulse imaging (ARFI) mit Standard-Ultraschallausrüstung: Bei einem Cuttoff von 3.32 m/s wurden ein PPV von 55.5% und ein NPV von 96% gefunden [4].
  • Real-Time Elastographie (RTE) mit Standard-Ultraschallausrüstung: PPV für die fortgeschrittene Fibrose wurden mit 80% und für die Zirrhose mit 71.4%, NPV mit 77,8 und 92.2% resp. [5].
  • Magnetresonanz-Elastographie (MRE): die MR-Elastographie ließ bei chronischer Hepatitis B mit hoher Sicherheit eine Leberzirrhose erkennen. PPV 91.3, NPV 100% [6]. Dazu siehe hier.

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Verweise

Literatur

Übersichten:

  • World J Gastroenterol. 2014 Jan 14;20(2):445-459
  • Health Technol Assess. 2012;16(4):1-174
  • Biomark Insights. 2012;7:105-17
  1. ? J Hepatol. 2012 Jan;56(1):55-62
  2. ? Am J Gastroenterol. 2005 Sep; 100(9):1970-80
  3. ? Liver Int. 2009 Feb; 29(2):242-7
  4. ? J Viral Hepat. 2012 Sep; 19(9):654-63
  5. ? J Ultrasound Med. 2012 Jul; 31(7):1053-60
  6. ? Eur Radiol. 2014 Jan; 24(1):70-8